Die Absage kam in den letzten Minuten

Moutier möchte mehrheitlich in den Kanton Jura. Der Streit ruinierte ein Versöhnungsfest.

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Zwei Berner Regierungsräte waren am Sonntag nach Saignelégier eingeladen, um mit den Jurassiern das Jubiläum ihrer Niederlage zu feiern. Vor vierzig Jahren nämlich hatten alle Kantone der Schweiz einem Kanton Jura ­zugestimmt.

Weil aber sogenannte störende ­Elemente Protestaktionen gegen die Berner Gäste angekündigt hatten, zogen diese ihren angekündigten Besuch fünf Minuten vor der Abfahrt zurück. Die Polizei hatte die Sicherheit der Magistraten nicht garantieren können.

Dass die Gehässigkeiten zwischen Bern und dem Jura nicht aufhören, hat zentral mit dem Streit um Moutier zu tun, der ehemaligen Industriestadt in der Mitte zwischen Jura Nord und Süd. Eingekeilt zwischen hohen Felsen, macht die Stadt einen freud­losen Eindruck. Die beiden Seiten können einander nicht ausstehen, essen in verschiedenen Beizen, reden kaum miteinander und schlecht übereinander. Moutier gehört bis heute zum Kanton Bern, wie auch die drei südjurassischen Bezirke.

Die Abstimmung ist ungültig

Sie haben die Fusion mit dem Nord­jura mehrmals abgelehnt. Ihr Verbleib bei Bern hatte zu Beginn für den Norden des Jura wirtschaftliche ­Folgen. Denn er hat ausser Land­wirtschaft und Tourismus wenig zu bieten, die meiste Industrie steht im berntreuen Teil. Dennoch gaben die Juratreuen in Moutier nicht auf. Und erreichten 2017 in einem leidenschaftlich debattierten, äusserst knapp gewonnenen Entscheid den Wechsel zum Jura.

Worauf die Regierungsstatthalterin des Berner Jura, notabene nach 17 Monaten, die Abstimmung wegen «gewichtiger Mängel» für ungültig erklärte. Der Fall liegt beim bernischen Verwaltungsgericht; ein Entscheid wird für Spätsommer erwartet. Das kommt davon, wenn die Grossen über die Kleinen befinden. Der ­Binnenstreit um den Jura und damit um Moutier geht auf einen verhängnisvollen Entscheid des Wiener ­Kongresses von 1815 zurück, sieben Bezirke des Fürstbistums Basel den Bernern zuzuschlagen, darunter Pruntrut, Delsberg, Moutier, die Freiberge und weitere mehr. Der Entscheid von oben führte bei den Zugeschlagenen zu Missmut, Renitenz, Protest – und Anschlägen. Das grösste störende Element in der Jurafrage bleibt die Politik.

Erstellt: 24.06.2019, 21:46 Uhr

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