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Die Armut bleibt trotz Wirtschaftswachstum

Trotz besserer Konjunktur verharre die Armut in der Schweiz auf gleichem Niveau, stellt das Hilfswerk Caritas Schweiz fest. Direktor Hugo Fasel kritisiert die «fatale Haltung» der Arbeitgeber.

jak
Nicht alle profitieren vom Wirtschaftswachstum: Eine Bettlerin in Lausanne.(11. Februar 2012)
Nicht alle profitieren vom Wirtschaftswachstum: Eine Bettlerin in Lausanne.(11. Februar 2012)
Keystone

Der Grundsatz, wenn es der Wirtschaft gut gehe, gehe es allen besser, scheine nicht mehr zu gelten. Dem Arbeitgeberverband wirft Caritas-Direktor Hugo Fasel eine «fatale Haltung» vor. «Wir müssen uns wieder für die klassische Idee der sozialen Marktwirtschaft einsetzen», sagte Fasel am Montag vor den Medien in Bern. Denn: In den letzten Jahren habe ein Paradigmenwechsel eingesetzt. Trotz besserer Konjunktur bleibe in der Schweiz die Armut auf gleichem Niveau bestehen.

Die stille Übereinkunft, wonach alle vom wirtschaftlichen Wachstum profitieren sollen, gelte offenbar nicht mehr, sagte der frühere Freiburger CSP-Nationalrat. Jüngst gemachte Aussagen von führenden Wirtschaftsvertretern würden diese gefährliche Entwicklung sichtbar machen.

Damit spielte Fasel auf Aussagen des Direktors des Schweizerischen Arbeitgeberverbandes an. Anfang April hatte Valentin Vogt vor den Medien erklärt, dass er Mindestlöhne ablehne und notfalls - wenn der Lohn nicht zum Leben reicht - die Sozialhilfe einspringen würde. «Diese Haltung ist fatal», sagte Fasel.

Von einem eigentlich «Missbrauch» der Sozialhilfe durch die Wirtschaft wollte Fasel nicht sprechen - das würde die Fronten verhärten. Aber: Die Wirtschaftsvertreter würden leider stets vergessen hinzuzufügen, dass die Sozialhilfe über die Steuergelder - also über die Allgemeinheit - finanziert werde.

Vier kantonale Armutsberichte

Caritas zog an ihrer Medienkonferenz eine erste Bilanz ihrer vor zwei Jahren gestarteten Kampagne, bis im Jahr 2020 die Armut in der Schweiz zu halbieren. Dazu soll durch kantonale Armutsberichte die Armut überhaupt erst sichtbar gemacht werden. Bisher haben vier Kantone einen solchen Bericht vorgelegt - Waadt, Bern, Basel-Stadt und Luzern.

Leider gebe es auch Kantone, die es nicht als nötig erachteten, einen Bericht zu verfassen - etwa mit der Begründung, es gebe bei ihnen nur wenig Armut. «Doch wenn etwas nicht da ist, hat das auch seinen Grund», sagte Fasel. So könnten hohe Mieten dazu führen, dass arme Menschen abwandern müssten. Ziel seien dann zumeist die Städte. Diese würden den Betroffenen Anonymität garantieren.

Fortschritte attestierte Caritas dem Bund. Dieser sei gewillt, in der Armutsbekämpfung eine aktivere Rolle zu spielen. Einen Rückschlag habe es auf nationaler Ebene allerdings im Parlament gegeben: Vorstösse, die Ergänzungsleistungen für Familien einführen wollten, wurden abgeschrieben. Caritas hofft nun auf die Kantone. Ergänzungsleistungen für Familien gibt es in Solothurn, in der Waadt, im Tessin und voraussichtlich ab Herbst in Genf.

Viele armutsbetroffene Kinder

Als Erfolg wertete Caritas das steigende Interesse an Daten zur Armut. Caritas selbst schätzt, dass rund 700'000 bis 900'000 Personen in der Schweiz von Armut betroffen sind. Diese Zahlen - auch wenn sie von verschiedenen Seiten relativiert worden seien - habe der Bund bestätigt, sagte Fasel.

Unbestritten sei hingegen die Zahl von 260'000 armutsbetroffenen Kindern - «eine gewaltige Hypothek für die Zukunft». Fasel lancierte deshalb die Idee, eine obligatorische Ausbildung nach der Schulzeit einzuführen. «Man weiss heute, dass mangelnde Bildung eine zentrale Ursache für Armut ist.»

(SDA)

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