Die Banane zeigt, wies geht

Die Fair-Food-Initiative der Grünen ist nicht so fair, wie sie vorgibt.

Jede zweite Banane in der Schweiz stammt aus fairem Handel. Foto: Raisa Durandi

Jede zweite Banane in der Schweiz stammt aus fairem Handel. Foto: Raisa Durandi

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Seit 2011 hat sich der Absatz von Fair-Trade-Produkten in der Schweiz mehr als verdoppelt. Das Geschenk zum 25. Geburtstag des Fair-Trade-Labels Max Havelaar war ein Rekordumsatz. Im Vergleich zum Vorjahr schnellte er um 21 Prozent in die Höhe. Was mit Banane, Honig, Kaffee und Rohzucker begann, hat längst alle Lebensmittelkategorien erfasst.

Diese Erfolgswelle möchten die Grünen nutzen, um fair produzierten Lebensmitteln auch per Gesetz zum Durchbruch zu verhelfen. Sie müssen nun aber definitiv auf das Stimmvolk hoffen. Denn nach dem Nationalrat lehnte gestern auch der Ständerat die Fair-Food-Initiative ab. Die Abstimmung wird entweder im September oder im November stattfinden.

Fair für wen?

Dann stellt sich die Frage: Wem gegenüber wollen wir fairer sein? So einfach ist das nämlich nicht. In erster Linie denken wir bei fairem Handel an arme Bauern in Entwicklungsländern. Bei diesen landet nur ein mickriger Anteil des Betrags, den wir im Laden für ihre Produkte bezahlen. Das ist ein Problem. Denn in Entwicklungsländern leben bis zu 85 Prozent der Bevölkerung von der Landwirtschaft. Aber auch die Schweizer Bauern fordern faire Preise. Sie klagen ebenfalls, dass sie zu wenig erhielten für das, was sie ernteten.

Die Gründe freilich sind andere. Die Schweizer Bauern führen die strengen Vorschriften ins Feld, die sie erfüllen müssen. Darum könnten einheimische Ackerfrüchte nicht so billig wie importierte sein. Dies rechtfertigt in ihren Augen Zölle, welche die Schweiz auf Agrarerzeugnisse aus dem Ausland schlägt. 2017 wurden Lebensmittelimporte so um 3,5 Milliarden Franken verteuert. Was aus einem derart geschützten einheimischen Markt resultiert, prangern wiederum Konsumentenorganisationen, Lebensmittelindustrie und Hotellerie an: die hohen Preise im Laden. Wer im Inland Lebensmittel einkauft, zahlt im Schnitt 73 Prozent mehr als in der EU. Unfair sei das, die Schweiz eine Hochpreisinsel.

Der Gesetzgeber kann es also gar nicht allen recht machen. Eine Studie des World-Trade-Instituts der Universität Bern zeigt, dass ein detaillierter Vorschriftenkatalog am Ende sogar unfair sein kann. Dies, weil Bauern in Entwicklungsländern die Anforderungen unter Umständen nicht erfüllen können. Gescheiter würden Mindeststandards für soziale und ökologische Nachhaltigkeit definiert. Wer sie einhält, kann seine Waren zu niedrigeren Zolltarifen liefern. Doch selbst dies ist umstritten.

Mehr Transparenz ist sinnvoll

Die Schweizer Bauern wehren sich aktuell gegen eine solche Vorzugsbehandlung beim Palmöl aus Indonesien oder beim Rindfleisch aus Südamerika. Wenn schon, müssten zollbefreite Importe inländische Herstellungsbedingungen erfüllen. Vor einem halben Jahr hiess das Stimmvolk solche Regelungen in internationalen Handelsbeziehungen grundsätzlich gut. Im neuen Verfassungsartikel zur Ernährungssicherheit steht, dass der Bund für Lebensmittelimporte Voraussetzungen schaffen soll, die zur nachhaltigen Entwicklung der Land- und Ernährungswirtschaft beitragen.

Über Fairness und was darunter verstanden werden soll, lässt sich also endlos streiten. Statt sich darin zu verlieren, würde man aber besser den Boden für freiwillige Fairness ebnen. Dazu braucht es vor allem mehr Transparenz. Es ist sinnvoll, wenn Schweizer Bauern, wie jüngst vom Parlament beschlossen, damit werben können, dass ihre Produkte ohne Gentechnik hergestellt werden.

Konsumentinnen und Konsumenten können so eine bewusste Wahl treffen. Diese Informationen zur Herstellung oder zur Herkunft der Zutaten wirken. Das zeigt die Banane: Vor 20 Jahren gelangte die erste fair gehandelte Banane in Schweizer Regale. Mittlerweile stammt jede zweite aus fairem Handel. Die Schweizerinnen und Schweizer wurden in dieser Zeit zu Weltmeistern: Niemand kauft mehr fair gehandelte Produkte als sie.

Erstellt: 27.02.2018, 22:58 Uhr

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