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«Die Berner haben ihre Fanzüge besser im Griff als die Zürcher»

Nach Randalen in GC-Fanzügen fordern die SBB Charterverträge. Davon will der Fussballclub nichts wissen. Besser machen es offenbar die Young Boys.

«Eine Übereinkunft mit den SBB»: Fans des Zürcher Fussballclubs GC.
«Eine Übereinkunft mit den SBB»: Fans des Zürcher Fussballclubs GC.
Keystone

Rund eine Stunde lang ging auf der Bahnstrecke zwischen Basel und Olten am Sonntagabend nichts mehr: Weil randalierende Fussballfans im Bahnhof Muttenz die Notbremsen gezogen hatten und auf die Gleise geströmt waren, stellten die SBB den Fahrbetrieb kurzzeitig ein. Warum die Situation derart eskalierte, ist unklar. «Offenbar hat eine kleine Gruppe von Chaoten randaliert, die den Fanbetreuern nicht bekannt war», sagt GC-Pressechef Eugen Desiderato.

Es war bereits das zwanzigste Mal in diesem Jahr, dass es zu gefährlichen Zwischenfällen mit Extrazügen gekommen ist. Nun haben die SBB genug: Sie fordern Charterverträge mit den Fussballclubs, sodass diese künftig selbst für die Schäden aufkommen müssen.

«YB hat Fanzüge besser im Griff als GC»

Die SBB führen den Berner Fussballclub Young Boys als positives Beispiel an: Mit diesem habe man einen Kooperationsvertrag für Fanzüge abgeschlossen. Der Club hafte zwar nicht für Sach- und Personenschäden, aber er entlaste das Personal der SBB. Die Folge: Weniger Aggressionen und weniger Beschädigungen in den Fanzügen.

Der Grasshopper-Club Zürich hat keinen solchen Vertrag mit den SBB abgeschlossen. «Doch wir haben, ähnlich wie YB, eine Übereinkunft, dass Betreuer die Fanzüge begleiten und für Ruhe und Ordnung sorgen», sagt Pressechef Eugen Desiderato. Einem Chartervertrag, wie ihn die SBB fordern, erteilt GC eine Absage. Die Haftung für Schäden könne der Club nicht übernehmen.

«Die Berner haben ihre Fanzüge ganz offensichtlich besser im Griff als die Zürcher», sagt SP-Nationalrat Matthias Aebischer. Die Forderung nach obligatorischen Verträgen kann er zwar verstehen – was gestern in Muttenz passierte, sei eine Katastrophe. «Aber mit Druck allein lässt sich das Problem nicht lösen.» Die Initiative müsse primär von den Fussball- und Fanclubs kommen. «YB kann hier als Vorbild dienen und den anderen Clubs den Weg weisen.»

Gesetzesrevision steht zur Diskussion

Auch die Revision des Personenbeförderungsgesetzes rückt mit den jüngsten Geschehnissen wieder in den Fokus. Sie enthält eine Lockerung der Transportpflicht, die es den SBB erlauben soll, Fussballfans auf spezielle Züge oder Busse zu verweisen. Die Gesetzesrevision ist heute auch Thema in der Verkehrskommission des Ständerates.

Der Nationalrat hatte die Vorlage in der Frühjahrssession an den Bundesrat zurückgewiesen, weil sie nicht umsetzbar sei. Dieser Meinung ist auch Matthias Aebischer. «Das neue Gesetz wäre willkürlich. Wie entscheiden die SBB denn, wer zu den Fussballfans gehört und wer nicht?» Ausserdem könne man den Fans nicht vorschreiben, mit welchem Verkehrsmittel sie zu den Spielen anreisen sollen.

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