«Die Chauffeure wurden ausgepresst»

Postauto-Chef Thomas Baur zufolge braucht das Unternehmen «eine neue Kultur». Es gebe viele Baustellen im Betrieb.

Räumt Fehler ein: Postauto-Chef Thomas Baur. (Archivbild) Bild: Keystone

Räumt Fehler ein: Postauto-Chef Thomas Baur. (Archivbild) Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Postauto-Interimschef Thomas Baur hat in einem Interview grobe Fehler im Umgang mit den Chauffeuren des Unternehmens eingeräumt. «Die Chauffeure wurden ausgepresst.» Diesen seien bei der Arbeitszeit Minuten abgezwackt worden, um ein paar Franken einzusparen.

An gewissen Orten sei der offizielle Dienstantritt von 6.30 Uhr um eine Minute auf 6.31 Uhr verschoben worden, «nur, um ein bisschen weniger Lohnkosten zu haben und den Gewinn ein bisschen zu erhöhen», sagte der 54-jährige Manager in einem Interview mit dem «Blick» vom Donnerstag.

«Ja, wir haben Fehler gemacht», erklärte Baur, der die Postauto-Führung im Februar nach dem Köpferollen im Zug des Subventions-Skandals übernommen hatte. Er versprach Besserung. Die Fehler würden angepackt. Es seien schon einige Veränderungen vorgenommen worden.

Neue Pausen-Regelung

Unter anderem seien lohnwirksame Kontrollen durch geheime Kontrolleure in Postauto-Bussen zur Freundlichkeit der Fahrer abgeschafft worden. Zudem gebe es ein Projekt für eine systematische Pausenraum-Regelung, damit Chauffeure nicht in Büsche pinkeln müssten.

Die Problemliste bei Postauto sei lang. «Das geht nicht von heute auf morgen», sagte Baur. Es gebe noch «enorm viele» Baustellen im Betrieb. «Wir brauchen eine neue Kultur. Die Geschäftsleitung in Bern und die Basis haben sich in der Vergangenheit weit voneinander entfernt.»

Mehrere Skandale

Nach Skandalen, Problemen und mieser Stimmung unter der Belegschaft richtet sich Postauto derzeit neu aus. Am Montag war bekannt geworden, dass Postauto-Chauffeure von ihrem Arbeitgeber jahrelang zu wenig Zulagen und Spesen erhalten haben. Zwei Millionen Franken erstattet die Postauto Schweiz AG ihren Chauffeuren wegen der fehlerhaften Abrechnungen zurück.

Im Februar hatte das Bundesamt für Verkehr bekannt gegeben, dass Postauto ab 2007 durch gesetzeswidrige Umbuchungen systematisch Gewinne im regionalen Personenverkehr erschwindelt hatte. Bis mindestens 2015 erschlich das Unternehmen dadurch Subventionen in Höhe von rund 100 Millionen Franken. Der Skandal führte zu mehreren Untersuchungen und zu einem Köpferollen bei der Post. Im Juni trat Post-Chefin Susanne Ruoff zurück.

(oli/sda)

Erstellt: 20.09.2018, 07:48 Uhr

Artikel zum Thema

Postauto muss Fahrern 2 Millionen zurückzahlen

Das Unternehmen hat sich offenbar nicht ans Arbeitsgesetz gehalten. Spesen und Zulagen von Chauffeuren wurden falsch oder gar nicht eingerechnet. Mehr...

SBB-Kader wird neuer Finanzchef bei Postauto

Benno Bucher soll die Post-Tochter auf Vordermann bringen. Er tritt seine neue Stelle am 1. Oktober an. Mehr...

Der grosse Postauto-Aufräumer schaute über ein Jahr zu

SonntagsZeitung Urs Schwaller räumt jetzt im Skandal um die Post-Tochter auf. Gewusst hat er allerdings längst von den versteckten Geldern. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Blogs

Von Kopf bis Fuss Gute Laune trotz Lichtmangels

Paid Post

Mehr Freizeit dank iRobot

Diese intelligenten Alleskönner übernehmen das Reinigen für Sie: gründlich, zuverlässig und vollautomatisch.

Die Welt in Bildern

Klimawand: Andres Petreselli bemalt in San Francisco eine Hausfassade mit einem Porträt von Greta Thunberg. (8. November 2019)
(Bild: Ben Margot) Mehr...