Die Cryptoleaks – erklärt in sieben Punkten

Ausländische Geheimdienste konnten jahrelang über Geräte einer Schweizer Firma mithören. Das Wichtigste zur Spionage-Affäre.

Der ehemalige Chefredaktor des Tages-Anzeigers, Res Strehle, recherchiert seit den Neunzigerjahren zu Geschehnissen rund um die Crypto AG. Video: Anthony Ackermann

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Die Enthüllungen zu den Cryptoleaks sorgen weltweit für Schlagzeilen. «Das wird eine Belastung für die Schweizer Neutralität», sagt Res Strehle, der frühere Chefredaktor des Tages-Anzeigers. Er ist ein Kenner der Geschehnisse rund um die Crypto AG und hat bereits in den Neunzigerjahren darüber ein Buch verfasst. Im Video-Interview erklärt er, was die neuen Erkenntnisse in der Spionage-Affäre für die Schweiz bedeutet.


Das Wichtigste in Kürze:

1. Über 100 Regierungen kauften in den letzten Jahrzehnten Verschlüsselungsgeräte der ehemaligen Zuger Firma Crypto AG. Sie chiffrierten damit streng geheime Nachrichten, auch im Krieg.

2. Staaten wie der Iran, Libyen, Ägypten und Saudiarabien vertrauten darauf, dass die Geräte aus der neutralen Schweiz nicht manipuliert waren.

3. Jetzt kommt aus: Die CIA und der deutsche BND hatten Hintertüren in den Crypto-Geräten. Sie konnten jahrzehntelang viele Staaten abhören. Der deutsche Geheimdienstkoordinator bestätigt die Operation. (Zur Recherche)

4. Die USA erhielten unschätzbare Informationen etwa in Konflikten mit Libyen und dem Iran.

5. Laut Dokumenten, die der «Rundschau» vorliegen, waren auch Vertreter des Schweizer Geheimdienstes eingeweiht.

6. Der Bundesrat hat Alt-Bundesrichter Niklaus Oberholzer (SP) beauftragt, bis Ende Juni die Faktenlage zu klären. (Zum Bericht)

7. Die beiden Nachfolgefirmen der Crypto AG sagen, sie wüssten nichts von der Operation. Wirtschaftsminister Parmelin hat der Crypto International AG bis zur Klärung der Lage die Generalausfuhrbewilligung sistiert.

Erstellt: 11.02.2020, 16:27 Uhr

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