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Die dreisten Maschen der Geldwäscher

Sechs Beispiele, wie Kriminelle im letzten Jahr versucht haben, Geld aus illegalen Geschäften zu waschen oder zu verstecken.

Geld aus Verbrechen hätte als Versicherungssumme geparkt und gewaschen werden sollen.
Geld aus Verbrechen hätte als Versicherungssumme geparkt und gewaschen werden sollen.
Jahresbericht Meldestelle für Geldwäscherei
So wollte ein mehrfach Vorbestrafter mit unsauberem Geld eine Diskothek eröffnen.
So wollte ein mehrfach Vorbestrafter mit unsauberem Geld eine Diskothek eröffnen.
Jahresbericht Meldestelle für Geldwäscherei
Ein Verliebter überwies seiner Internetbekanntschaft sein ganzes Erspartes und nahm zusätzlich einen Kredit auf.
Ein Verliebter überwies seiner Internetbekanntschaft sein ganzes Erspartes und nahm zusätzlich einen Kredit auf.
Jahresbericht Meldestelle für Geldwäscherei
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3,3 Milliarden Franken, die mutmasslich gewaschen werden sollten, sind im vergangenen Jahr bei Schweizer Finanzinstituten gebunkert worden. Dies geht aus dem heute veröffentlichten Bericht (PDF) der Meldestelle für Geldwäscherei (MROS) hervor. Der Bericht zeigt anhand von 14 Fallbeispielen die typischen Maschen der Geldwäscher.

Drei Millionen in die Lebensversicherung

Der Mann gab sich als Geschäftsmann aus, war tatsächlich aber Mitglied einer unbekannten kriminellen Organisation. In seinem Heimatland wurde gegen ihn ermittelt, er selbst befand sich auf der Flucht vor der Polizei. Ebendieser Mann schloss eine Lebensversicherung auf den Namen seines Vaters ab und zahlte mehr als drei Millionen Franken darin ein. Er selbst zeichnete als wirtschaftlich Berechtigter der Versicherungssumme. Doch die Versicherung löste eine Warnmeldung aus, weil sie den Verdacht hatte, dass das Geld aus kriminellen Aktivitäten stammte.

Luxusleben auf Kosten der Versicherten

Das ist besonders dreist: Vor einigen Jahren hatte ein Ehepaar in Minnesota Geld einer Pensionskasse veruntreut und liess es sich danach richtig gut gehen. Die MROS schreibt von einem Leben in Saus und Braus. Unter anderem leisteten sie sich eine Jacht im Wert von mehreren Millionen Dollar. Der Betrüger flog auf und musste ins Gefängnis, doch das veruntreute Vermögen blieb verschwunden. Als die Frau des Betrügers im letzten Jahr versuchte, einen grösseren Geldbetrag auf eine Schweizer Bank zu überweisen, wurde diese skeptisch. Inzwischen haben die amerikanischen Behörden das Geld gesperrt.

Milliarden-Darlehen mit wertlosen Steinen

Auch in diesem Fall versuchten zwielichtige Geschäftsleute spektakuläre Beträge zu ergaunern. Stattdessen lösten sie insgesamt drei verschiedene Warnmeldungen für Geldwäscherei aus. Insgesamt involviert waren vier Personen, ebenso viele Banken und ein komplexes Geflecht an Transaktionen und Geschäftsbeziehungen. Das Ziel der Operation war, bei einer der Banken «ein Milliarden-Darlehen» aufzunehmen. Als Sicherheit gaben sie an, im Besitz von Edelsteinen im Wert von Hunderten Millionen Euro zu sein. Die Steine existierten tatsächlich, doch sie waren völlig wertlos.

Disco als Geldwaschanlage

Der Mann war mehrfach vorbestraft und liess schon mehrere Firmen in Konkurs gehen. Doch plötzlich erhielt er mehr als 500'000 Franken von einer Firma in Mittelamerika. Das Geld hob er, Tausender um Tausender, in bar von der Bank ab. Der Mann behauptete, eine Diskothek zu eröffnen, er müsse nun die Rechnungen der Handwerker bezahlen. Auch gegen den Mann, der das Geld überwiesen hatte, liefen Ermittlungen, weil er Anlegern Traumrenditen von über 40 Prozent versprochen hatte. Verwirrend ist der Fall deshalb, weil die Rechnungen der Handwerker laut MROS zwar fingiert waren, der Mann die Disco aber trotzdem eröffnete.

Illegales Glücksspiel statt Cordon bleu

Relativ einfach konzipiert war das Modell eines Beizers, dessen Restaurant kaum Gäste hatte. Er tauchte immer häufiger am Bankschalter auf und zahlte mehrere Hunderttausend Franken auf sein Konto ein. Er behauptete, das Geld stamme aus den Einnahmen aus seinem Betrieb. Doch wie sich herausstellte, hatte er in seinem Restaurant eine illegale Spielhölle eingerichtet. Ausserdem wurde er verdächtigt, seine Zimmer nicht an Gäste, sondern an Prostituierte zu vermieten. Schliesslich tauchten Hinweise auf, wonach der Beizer die Sozialhilfe betrogen haben soll.

Blind vor Liebe

Liebe macht blind, sagt man. In diesem Fall nicht nur blind, sondern auch grosszügig. Ein Mann, der ebenfalls ins Visier der MROS geriet, lernte im Internet eine Frau kennen, mindestens gab sie sich als solche aus. Und sie tischte dem über beide Ohren Verliebten eine Geschichte auf von ihrem verstorbenen Vater, dessen entführten Leichnam, einem teuren Anwalt und ihrer Aussicht auf eine Erbschaft. Der Mann überwies seiner virtuellen Liebschaft immer mehr Geld, bis er selbst keines mehr hatte. Dann nahm er einen Kredit in der Höhe von mehreren Zehntausend Franken auf und überwies auch dieses Geld. Später erhielt er tatsächlich auch grössere Geldbeträge von einem amerikanischen Finanzinstitut überwiesen. Behalten durfte er es allerdings nicht, sondern musste es an Dritte weiterleiten. Es stellte sich heraus, dass das Geld verbrecherischer Herkunft war. Der Verliebte war nicht nur ausgenommen worden, sondern wusch auch Geld, ohne es zu merken.

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