Die effiziente Managerin im Hintergrund

Sie war die erste Bundeskanzlerin der Schweiz. Nun ist Annemarie Huber-Hotz mit 70 Jahren verstorben. Ein Nachruf.

Alt-Bundeskanzlerin Annemarie Huber-Hotz starb kurz vor ihrem 71. Geburtstag während einer Wanderung. Am 15. Dezember 1999 wurde sie als erste Frau zur Bundeskanzlerin gewählt. Video: SRF

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Ihre Wahl war ähnlich turbulent wie die darauffolgenden Jahre, die das Land erschütterten. Am 15. Dezember 1999 benötigte das Parlament mehrere Wahlgänge, bis die Nachfolge des zurückgetretenen Bundeskanzlers François Couchepin feststand: Erst im vierten Wahlgang konnte sich die freisinnige Annemarie Huber-Hotz gegen Vizekanzler Achille Casanova (CVP) durchsetzen. Mit ihr wurde erstmals eine Frau Bundeskanzlerin.

Huber-Hotz führte das Amt bis 2007 aus. Sie nahm an 350 Bundesratssitzungen teil, an denen 15’000 Geschäfte behandelt wurden. Laut eigenen Angaben waren vor allem die Sitzungen nach dem Swissair-Grounding 2001 intensiv, als über die Staatshilfe für die Fluggesellschaft entschieden wurde. Da der Entschluss schnell fallen musste, seien ihm nicht die üblichen Konsultationen vorausgegangen. Zudem stand der Bundesrat unter dem Eindruck der Terroranschläge vom 11. September und des Attentats im Zuger Kantonsparlament. «Der Diskussionsbedarf war entsprechend hoch», sagte Huber-Hotz 2007 im Interview mit dem «Tages-Anzeiger».

Details über ihre Erlebnisse im Zentrum der Macht gab Huber-Hotz nicht preis. Das hätte ihrem Selbstverständis widersprochen, wonach sich eine Bundeskanzlerin nicht als «achter Bundesrat» aufspielen sollte - wie das bei einzelnen ihrer Vorgänger der Fall gewesen war.

Präsidentin des Roten Kreuzes

Die in Baar geborene Huber-Hotz studierte in Bern, Uppsala, Genf und Zürich Psychologie, Soziologie, Philosophie und Ethnologie. 1978 trat sie in die Bundesverwaltung ein, der sie 30 Jahre lang angehören sollte. Zunächst arbeitete Huber-Hotz im Generalsekretariat des Parlaments. Von 1981 an führte sie das Sekretariat des Ständerats, zusätzlich leitete sie ab 1989 den wissenschaftlichen Parlamentsdienst. 1992 wurde sie Generalsekretärin der Bundesversammlung, 1999 Bundeskanzlerin.

Huber-Hotz betonte stets, dass sie kein politisches Amt ausübe. Tatsächlich drängte sie sich nie in die Öffentlichkeit, sie blieb die Managerin im Hintergrund. Kennzeichnend waren ihre jahrelange Erfahrung und ihre Gewissenhaftigkeit. Als «effiziente Unscheinbarkeit» lobte der damalige SP-Präsident Hans-Jürg Fehr die parteiübergreifend geschätze Huber-Hotz.

Nach dem Rücktritt war Huber-Hotz bis 2011 Präsidentin der Gemeinnützigen Gesellschaft und von 2011 bis Juni 2019 Präsidentin des Schweizerischen Roten Kreuzes.

Annemarie Huber-Hotz ist laut Angaben der Familie am 1. August während einer Wanderung im Kreis ihrer Familie im Gebiet Schwarzsee FR unerwartet an Herzversagen verstorben. Sie hinterlässt ihren Ehemann, drei Kinder und vier Enkelkinder.

Erstellt: 02.08.2019, 20:57 Uhr

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