Die Entgleisung des Armeechefs im O-Ton

Tagesanzeiger.ch/Newsnet liegt eine Tonaufnahme der Rede von André Blattmann vor. Darin nennt er den «Rundschau»-Moderator «Sandro Kotz». Das war aber noch längst nicht alles.

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Die Rede hat bereits für grosses Aufsehen gesorgt. Gehalten hat sie der Armeechef vor gut einer Woche an einem Seminar vor über 150 Generalstabsoffizieren. Nun zeigt eine Tonaufnahme, die Tagesanzeiger.ch/Newsnet vorliegt, dass André Blattmann noch viel weiter ging als bisher bekannt.

Der Armeechef veräppelte den «Rundschau»-Moderator Sandro Brotz nicht nur als «Sandro Kotz». Er stellte ihn auch als notorischen Armeegegner hin: «Dieser Sandro Brotz. Diejenigen, die den bedient haben, sollen mal hinschauen, was der schon für und gegen die Armee gemacht hat. Das wird eine einseitige Bilanz.»

Grund für Blattmanns Ärger ist eine Indiskretion. Sie führte dazu, dass die Medien über das fragwürdig aufgegleiste Projekt für eine bodengestützte Luftabwehr (Bodluv) berichteten. Darauf hat Armeeminister Guy Parmelin das Projekt sistiert, was dem Armeechef gar nicht gefällt. Entsprechend erbost ist er über den «Verräter» in seinen eigenen Reihen.

Dem Armeechef wäre es offenbar lieber gewesen, wenn er ungestört hätte schalten und walten können – Bodluv-Mängel hin oder her. «Es hat noch niemand in Anspruch genommen, dass 100 Prozent der Waffen treffen», relativiert er. Jetzt aber befürchtet Blattmann, etliche Beschaffungen zurückstellen zu müssen – etwa neue Artillerie und neue Kampfflugzeuge.

Dies ärgert den Armeechef umso mehr, als das Geld eigentlich vorhanden wäre. Das Parlament hat sich grosszügig gezeigt und fürs Militär jährlich fünf Milliarden Franken gesprochen. Blattmann fürchtet nun aber, das gesprochene Geld nicht ausgeben zu können. Wegen eines «Verräters». Dies verleitete ihn vor den Generalstabsoffizieren zu weiteren Tiraden:

Die ganzen sieben Minuten finden Sie hier:

Blattmanns Rede hat nun Folgen. «Rundschau»-Moderator Sandro Brotz nahm es auf Twitter noch locker. «Ich hoffe, der Armeechef verliert nur bei meinem Namen und nicht im Ernstfall die Nerven», schrieb er. Seine Chefs gingen heute einen Schritt weiter. SRF-Chefredaktor Tristan Brenn sowie Mario Poletti, Redaktionsleiter der «Rundschau», nahmen Blattmanns Aussagen in einem offenen Brief «höchst befremdet» zur Kenntnis. Solche Entgleisungen zeugten von «wenig Demokratieverständnis». Die beiden verlangten daher vom Armeechef eine öffentliche Entschuldigung.

Diese hat Blattmann noch am selben Tag geliefert. «Ich entschuldige mich bei Herrn Sandro Brotz in aller Form für die unangebrachte, persönliche Verunglimpfung», schrieb Blattmann - ebenfalls in einem offenem Brief. Er sei sich bewusst, dass er vor einem militärischen Publikum sehr drastisch formuliert und die Öffentlichkeit damit allenfalls vor den Kopf gestossen habe, was er bedaure.

Kein Fall für die Medien

An seinen Aussagen zum Whistleblower hält Blattmann aber fest. Er sieht in ihm also weiterhin einen «Verräter», den es zu degradieren gilt. Wer einen Missstand vermute, könne sich nämlich seit 2013 entweder an die Whistleblowing-Stelle der Gruppe Verteidigung oder an die Eidgenössische Finanzkontrolle wenden. Nicht aber an die Medien.

Ob Blattmann auch an seinen Aussagen festhält, wonach er das Geld lieber rasch ausgegeben hätte, teilte er nicht mit. Er ist noch bis Ende Jahr Chef der Armee.

Hätte SRF cool bleiben müssen? Auf Twitter entstand eine Debatte, ob das SRF überempfindlich reagiert habe.

Umfrage

Hätte SRF das Ganze mit Augenzwinkern wegstecken müssen?

Ja, SRF hat überreagiert

 
32.8%

Nein, Blattmann musste sich zu recht entschuldigen

 
67.2%

1239 Stimmen


(Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.05.2016, 17:54 Uhr

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