Die ewigen Konkurrenten

Schaffhausen wartet immer noch auf seinen ersten Bundesrat. Die kantonale SVP nominiert gleich zwei Kandidaten: Germann und Hurter heissen die Hoffnungsträger – nicht zum ersten Mal.

SVP-Ständerat Hannes Germann (links) und SVP-Nationalrat Thomas Hurter wollen in den Bundesrat.

SVP-Ständerat Hannes Germann (links) und SVP-Nationalrat Thomas Hurter wollen in den Bundesrat. Bild: Keystone

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Die Liste der offiziellen Anwärter für den zweiten SVP-Sitz im Bundesrat ist um zwei Namen länger: Die SVP des Kantons Schaffhausen hat Ständerat Hannes Germann und Nationalrat Thomas Hurter zuhanden der Findungskommission nominiert, wie die «Schaffhauser Nachrichten» gestern berichteten. Die Kantonalpartei hatte die beiden bereits im Juli gemeldet und die Doppelnomination nun bestätigt. Kantonalpräsident Pentti Aellig spricht von zwei «idealen Kandidaten», weil sie auf SVP-Linie politisieren, im Parlament gut vernetzt sind und auch in anderen Fraktionen eine breite Akzeptanz geniessen.

Damit steht bereits fest: Die Aargauer SVP schickt Hansjörg Knecht ins Rennen, die Waadtländer Guy Parmelin. Und der kleine Kanton Schaffhausen will es gleich mit zwei Kandidaten wissen – nicht zum ersten Mal. dasselbe Duo aspirierte bereits 2008 für ein Amt im Bundesrat, als die Volkspartei einen Nachfolger für Samuel Schmid suchte. Die NZZ hielt damals maliziös fest, dass im Kanton Schaffhausen gleich die Hälfte des bundesparlamentarischen Personals Mitglied der Landesregierung werden wolle. Andere Stimmen spotteten, dass die Kandidaturen mit der Doppelnomination gleich wieder entwertet würden. Hurter, damals erst ein Jahr lang Nationalrat, drängte ebenfalls auf eine Nomination. Der Zweiervorschlag der Kantonalsektion kam nach langem Ringen zustande und wurde offiziell damit begründet, dass man ein Zeichen für ein Zweierticket auch auf Ebene der Bundeshausfraktion habe setzen wollen.

Der Entscheid fällt in Bern

Um solche gesuchten Argumente müssen sich die Schaffhauser dieses Mal nicht bemühen. Einerseits weil Hurter mittlerweile unter der Bundeshauskuppel ebenfalls kein Neuling mehr ist. Andererseits kommt der Schaffhauser SVP das parteiinterne Auswahlverfahren mit einer Findungskommission zupass. Aellig spielt dieser den Ball zu: «Die Findungskommission wird strategische Überlegungen anstellen und eine erste Auswahl der Kandidaten treffen. Wir haben keinen Grund gesehen, uns auf einen Kandidaten zu beschränken», sagt der Kantonalpräsident. Dass sich Germann und Hurter gegenseitig konkurrenzieren und die Chancen auf den ersten Schaffhauser Bundesrat mindern, glaubt Aellig nicht. Und Hurter sagt nur: «Ich fühle mich durch die Nomi­nation geehrt. Alles andere wird in Bern entschieden.» 2011 habe er die Nomination von Germann unterstützt, nun habe sich die Ausgangslage geändert. Tatsächlich stellte Hurter damals seine Ambitionen zurück – nicht ganz freiwillig, wie man sich in Schaffhausen erzählt. Allerdings kam Germann trotz dieses Verzichts nicht auf das offizielle Ticket der Bundeshausfraktion. Erst nach dem Debakel um Bruno Zuppiger bemühte sich die Parteileitung um eine Kandidatur Germanns – vergeblich.

Germann und Hurter wurden in den letzten Wochen oft als Papabili genannt – mit dem Hinweis auf ihre «Eigenständigkeit» und ihren «moderaten Kurs». Dieser öffentlichen Meinung gab Pentti Aellig gestern wohl bewusst Gegensteuern – zu viel Lob vom politischen Gegner wirkt sich bei einer Bundesratswahl meist kontraproduktiv aus. Beide seien zwar keine Mörgelis, doch sie würden auf Parteilinie politisieren. So hätten sie etwa für die Masseneinwanderungsinitiative gestimmt, sagt Aellig.

Schaffhausen gehört zusammen mit Jura, Schwyz, Uri und Nidwalden, zu jenen fünf Kantonen, die noch nie einen Bundesrat hatten. Für Aellig ist klar, dass der frei werdende Sitz von Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf der Ostschweiz gehört. Schaffhausen sei geradezu prädestiniert für einen SVP-Bundesrat: «In keinem anderen Kanton hat die SVP einen höheren Wähleranteil als in Schaffhausen», sagt Aellig. 45,3 Prozent erreichte seine Partei bei den Wahlen im Oktober.

Erstellt: 03.11.2015, 22:46 Uhr

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