«Die Flatrate-Tax wurde in anderen Kantonen erfolgreich eingeführt»

Der Schwyzer Finanzdirektor Kaspar Michel verteidigt die geplante Einheitssteuer, keine Alternative sei gerechter. Und eine «Steuerhölle» sei sein Kanton schon gar nicht.

Kaspar Michel, Finanzdirektor des Kantons Schwyz.

Kaspar Michel, Finanzdirektor des Kantons Schwyz. Bild: Keystone

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Um den Finanzhaushalt zu sanieren, sollen nicht nur die Steuern erhöht, sondern eine Flatrate-Tax eingeführt werden. Was ist der Vorteil einer Einheitssteuer?
Die vor allem aufgrund von Bundesrecht – allen voran der nationale Finanzausgleich (NFA) – stark gestiegenen Ausgaben lassen sich nicht allein auf der Ausgabenseite korrigieren. Um die zwingend notwendigen Mehreinnahmen zu beschaffen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Nach Abwägen aller Vor- und Nachteile schneidet die Flatrate-Tax am besten ab.

Warum reicht nicht eine herkömmliche, progressive Steuererhöhung?
Die vom Regierungsrat in die Vernehmlassung geschickte Steuergesetzrevision ist ein komplexes und gut austariertes Paket mit verschiedenen Massnahmen wie Flatrate-Tax, Sozialabzügen, Vermögensbesteuerung, Grundstückgewinnsteuern etc. Wird das Gesamtpaket beurteilt, überwiegen die Vorteile gegenüber der alleinigen Steuerung über den Steuerfuss deutlich. Die Variante der progressiven Tarifkurve kann mit diesen Vorteilen und dem von ihr zu erbringenden und dringend nötigen Volumen zur Haushaltssanierung nicht mithalten.

Es ist ein von der Wirtschaftswissenschaft bestätigter Fakt, dass eine Flatrate-Tax praktisch immer zu einer stärkeren Belastung der Mittelschicht führt. Ist denn eine Flatrate-Tax nicht ungerecht?
Die Flatrate-Tax wurde bereits vor Jahren in anderen Ländern und in anderen Kantonen mit Erfolg eingeführt. Das perfekte Steuersystem, das Einnahmen generiert, aber niemandem wehtut, gibt es leider nicht. Auch die Flatrate-Tax kennt Möglichkeiten, um die Nachteile zu kompensieren – beispielsweise höhere Abzüge. Das planen wir.

Wie erklären Sie einem Schwyzer mit 100'000 Franken Bruttoeinkommen, dass seine Steuerrechnung sich fast um den gleichen Betrag erhöht wie bei jemandem mit 500'000 Franken Einkommen?
Verantwortungsvolle Politik orientiert sich an der Gesamtheit der Bevölkerung. Wir müssen deshalb das Steuersystem in seiner Gesamtheit anschauen, wenn wir eine tragfähige Lösung finden wollen. Deshalb wird beispielsweise die Vermögenssteuer für Wohlhabende ab einem steuerbaren Vermögen von 500'000 Franken erhöht.

Sie betonen immer wieder, dass bisher alle Schwyzer profitiert hätten, dabei ist Ihr Kanton eine Steuerhölle für Arme, und der Mittelstand zahlt deutlich mehr Steuern als anderswo. Sehen wir das falsch?
Beide Aussagen sind schlicht falsch und werden nicht wahr, nur weil sie immer wiederholt werden. Die Fakten zeigen, dass kein Schwyzer Steuerzahler im interkantonalen Vergleich mehr belastet wird als der schweizerische Durchschnitt. Die vom Regierungsrat favorisierte Flatrate-Tax würde übrigens die Steuereintrittsschwelle deutlich erhöhen.

Uri hat bereits 2009 auf die Flatrate-Tax gewechselt, wobei dort die Einkommensverteilung im Unterschied zu Schwyz viel gleichmässiger ist. Könnte das nicht früher oder später zu einem Problem für Schwyz werden?
Jeder Kanton muss seine Eigenheiten in seinem eigenen Steuersystem abbilden. Die von uns vorgeschlagene Lösung generiert die für einen ausgeglichenen Staatshaushalt notwendigen Einnahmen. Gleichzeitig bleibt der Kanton Schwyz im nationalen und internationalen Vergleich weiterhin steuerlich sehr attraktiv.

Erstellt: 23.11.2015, 17:06 Uhr

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