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Die Folgen von Atommüll-Lagern für die Standorte

Wohin mit den atomaren Abfällen? Für die künftige Lagerung stehen in der Schweiz mehrere Standorte zur Diskussion. Eine Studie zeigt nun, welche Folgen die Lager für die einzelnen Regionen hätten.

Diese sechs Standortregionen kamen in die engere Auswahl. Zwei davon eignen sich laut der Nagra sowohl für ein Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle als auch für hochradioaktive Abfälle oder für ein Kombi-Lager.
Diese sechs Standortregionen kamen in die engere Auswahl. Zwei davon eignen sich laut der Nagra sowohl für ein Lager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle als auch für hochradioaktive Abfälle oder für ein Kombi-Lager.
BFE
... Gemeinden im Zürcher Weinland wie Trüllikon ZH.
... Gemeinden im Zürcher Weinland wie Trüllikon ZH.
Keystone
Widerstand gegen die Pläne der Nagra: Demonstrantinnen im schaffhausischen Neunkirch. (15. September 2010)
Widerstand gegen die Pläne der Nagra: Demonstrantinnen im schaffhausischen Neunkirch. (15. September 2010)
Keystone
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Von Tiefenlagern für radioaktive Abfälle profitiert vor allem die Bauwirtschaft. Landwirtschaft und Tourismus in den potenziellen Standortregionen müssen dagegen mit Einbussen rechnen. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Bundesamts für Energie (BFE) zu den Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft.

«Ein Tiefenlager ist kein Eldorado bezüglich der wirtschaftlichen Effekte, dennoch ist die Wertschöpfung nicht unbedeutend», sagte der Projektleiter der Studie beim BFE, Roman Frick, bei der Präsentation in Ittigen BE. «Aber es ist auch nicht die Hölle, wenn man die objektivierbaren Effekte betrachtet», fügte er an.

Diskussion «versachlichen»

Das BFE will mit der Zwischenbilanz die Diskussion um die Lagerung radioaktiver Abfälle «versachlichen». Die Studie beleuchtet einen Zeitraum von 94 Jahren vom Beginn des Baus bis zum Verschluss der Anlage.

In dieser Zeit liegt die durchschnittliche jährliche Wertschöpfung für die Standortregionen gemäss Studie bei unter einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Am Wellenberg NW läge sie mit 0,31 Prozent am höchsten, am Jura-Südfuss mit 0,04 Prozent am tiefsten.

Dies, weil die Region, die die Kantone Aargau und Solothurn umfasst, die grösste und dichtest besiedelte der sechs acht Standortregionen ist. So hat sie acht mal so viele Arbeitsplätze wie das hintere Engelbergertal, wo der Wellenberg liegt.

Auswirkung auf Umwelt offen

Untersucht wurden in diesem Teil der Studie nur die Effekte auf die Wirtschaft. Die ganze Studie, in der auch die Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft untersucht werden, dürfte gemäss den Verfassern Mitte 2013 vorliegen. Frick betonte, der vorgelegte Zwischenbericht sei nur «ein kleiner Ausschnitt».

Bis zu einem Standortentscheid ist es noch ein weiter Weg: Binnen vier Jahren sollen nach weiteren Studien zur Sicherheit der jetzt sechs möglichen Standorte noch maximal vier übrigbleiben.

Man habe versucht, «möglichst objektive» Indikatoren zu definieren. Deshalb seien etwa mögliche Auswirkungen auf Image oder demografische Entwicklung einer Region nicht in die Studie eingeflossen.

Tourismus verliert am meisten

Indirekt wurden aber Image-Fragen berücksichtigt, denn untersucht wurden auch die Auswirkungen auf den Tourismus. Fazit: Wo Tages- und Geschäftstourismus wie rund um den Rheinfall überwiegen, erachtet das BFE diese als gering.

Ganz anderes dagegen, wo die Touristen Naturerlebnisse suchen, wie am Wellenberg NW. Dort muss die Tourismusbranche mit Einbussen in Höhe von 5,4 Millionen Franken jährlich rechnen. Bei der Landwirtschaft seien die Ausfälle dort am höchsten, wo die Produzenten auf Produkte mit regionalem Bezug setzten, etwa durch Direktverkauf oder AOC-Labels. Am grössten wären die Ausfälle gemäss BFE deshalb in den 43 Gemeinden in der Region Südranden in den Kantonen Schaffhausen, Thurgau und Zürich.

Dort wird von allen Standorten am meisten Weinbau betrieben, weshalb das BFE mit einem Minus von 0,6 Millionen Franken jährlich in der Landwirtschaft rechnet.

Unklar ist der Effekt auf die Immobilienpreise. Eine separate Studie habe keine klaren Schlüsse zugelassen, weil zu viele Faktoren die Preise beeinflussten. Das BFE schätzt den Wertverlust auf etwa 10 Prozent.

Bauwirtschaft und öffentliche Hand profitieren

Zu den Gewinnern gehört die Bauwirtschaft: Wird beispielsweise im Zürcher Weinland eine Anlage für schwach- und mittelradioaktive Abfälle (SMA) gebaut, könnte die Wirtschaft in der Bauphase mit Aufträgen in Höhe von 17,6 Millionen Franken rechnen, beim Bau eines Lagers für hochradioaktive Abfälle (HAA) mit 21,2 Millionen Franken und bei einem Kombi-Lager mit 26,3 Millionen Franken.

Dabei könnte gemäss Studie die «ansässige Wirtschaft» über 80 Prozent der «regionalen» Ausgaben «für sich nutzen». Im Falle des Jura-Südfusses geht das BFE davon aus, dass die Quote bei 100 Prozent liegen würde. Beim Wellenberg dagegen läge sie bei 72 Prozent.

Noch nicht definitiv

Profitieren würde auch die öffentliche Hand: Zwar würden die Steuereinnahmen nur um einige hunderttausend Franken jährlich steigen. Am Wellenberg würden wegen des Einbruchs beim Tourismus gar Steuern ausfallen.

Attraktiv für die Kantone dürften aber die von der Atomindustrie versprochenen Abgeltungszahlungen sein: Diese will für ein SMA 300 Millionen, für ein HAA 500 Millionen und für ein Kombi-Lager 800 Millionen Franken Abgeltung zahlen. Diese Zahlen sind aber noch nicht definitiv.

SDA/bru

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