Die Frau des Häftlings

Esther Schmid hat alles: eine sorglose Ehe, gesunde Kinder, genug Geld. Dann wird ihr Mann verhaftet. Und nichts ist mehr, wie es war.

Esther Schmid sah ihren Mann erst sieben Tage nach der Verhaftung wieder – durch eine Scheibe im Untersuchungsgefängnis (Symbolbild). Foto: Keystone

Esther Schmid sah ihren Mann erst sieben Tage nach der Verhaftung wieder – durch eine Scheibe im Untersuchungsgefängnis (Symbolbild). Foto: Keystone

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Nichts hatte darauf hingewiesen. Nicht das viele Geld, das ihr Ehemann heimbrachte, nicht sein Verhalten mit ihr. Alex* verhielt sich wie immer, er war nicht sehr gesprächig, dafür selbstbewusst und überheblich. Ein Charakterzug, der Esther Schmid* als Erstes an ihm aufgefallen war. Und der sie an­gezogen hatte. «Ich konnte einfach nicht glauben, dass jemand so arrogant sein konnte», sagt sie belustigt. Sie weiss wohl selbst, wie das klingt, und meint es ernst. Sie dachte, sie sehe ihn, wie er wirklich sei.

Sie trägt ihre Haare schulterlang, Oberteil und Hose im gleichen dunkelblauen Stoff. Am langen Holztisch in der Küche hört man ihr zu. Ihr Mann, den sie als Macho bezeichnet, sei den Kindern Nils* (3) und Mirko* (8) ein guter Vater, sagt sie. Er habe auch sonst alles im Griff gehabt. Als Vermögensverwalter kümmerte er sich um das Geld der Familie, sie besorgte die Erziehung. Jeder war für etwas zuständig, in das sich der andere nicht einmischte. Esther Schmid war knapp über 40, lebte in einer 8-Zimmer-Villa irgendwo in der Deutschschweiz, hatte einen Garten grösser als ein Fussballfeld. Und einen kleinen Pool.

Dann kam dieser Morgen im April 2015. Alex hatte frei, Esther wollte los. Vier Monate vorher hatte sie wieder angefangen zu arbeiten – in Teilzeit, nach sechs Jahren als Hausfrau. Sie trug Jeans, er hatte sein Pyjama an. An diesem warmen Frühlingstag tranken sie die Tasse Kaffee früh draussen auf der Veranda. Es war eine gemeinsame Viertelstunde zweier Menschen, die in zwanzig Jahren Beziehung nur einzelne Tage getrennt waren. Und die vorerst letzte zusammen. Es klingelte an der Tür, die beiden Kinder schliefen. Zwei ­Polizisten in Zivil sagten, sie müssten Alex mit­nehmen. Sie sagten nicht warum.

«Ich wurde behandelt wie er»

«Sie waren höflich», erinnert sich Esther Schmid in der einfach eingerichteten Wohnung. Halb volle Zügelkisten stehen herum. Die Handschellen hätten sie ihm erst im Auto angelegt, auf halber Strecke ins Untersuchungsgefängnis. Esther Schmid redet schnell. Als wollte sie der Erinnerung entkommen. «Ich wusste nicht, was man ihm vorwarf, wie lange er weg sein würde.» Als Erstes dachte sie an ein Leben mit den Kindern und ohne ihn. An die hohe Hypothek, die sie nicht mehr würde bezahlen können. An den Nachbarn, von dem sie sich bedrängt fühlte. Was sie in der Zeitung über Spekulanten gelesen hatte. Und wie ihr Mann immer mehr sein wollte, als er war.

Fünf Aspekte über Beziehungsarbeit von Gefangenen. Wie Beziehung und Stafvollzug zusammenpassen. Video: Andrea Tedeschi, Reto Oeschger, Mirjam Ramseier

Sie hatte sich für eigenständig ­gehalten und nicht gemerkt, wie abhängig sie von ihm wurde: von Geld und Gefühlen. Sie rief die ­Babysitterin an. Und ging ins Büro arbeiten. Esther Schmid stellt mit der Fernbedienung den Sänger aus dem Fernseher leiser. «Ich wurde behandelt wie er», sagt sie. Also wie eine, die einer Straftat verdächtigt wird. Zwei Tage nach der Verhaftung wusste sie, wohin die Polizei ihren Mann gebracht hatte. Nach drei Tagen wusste sie nicht mehr weiter. Esther Schmid hatte die Vollzugs­behörde angerufen, den Staatsanwalt, das Gefängnis, den Anwalt. Behörden in der Schweiz müssen Angehörige eines Häftlings nicht informieren, was ihm vorgeworfen wird, sie unterstehen dem Amtsgeheimnis. Und der Anwalt vertrat ihren Mann, nicht sie.

Drei Tage nach der Verhaftung wusste sie nicht mehr weiter.

Esther Schmid fühlte sich ausgeliefert. Sie wollte ihren Mann sprechen, mit ihm telefonieren, doch sie durfte nicht. «Scheisse, was mache ich jetzt?», habe sie gedacht. In der Deutschschweiz gibt es kaum Anlaufstellen speziell für Angehörige von Strafgefangenen. Die wenigen, die es gibt, seien zu wenig bekannt, oder die Scham der Betroffenen sei zu gross, sie aufzusuchen, heisst es bei diesen Stellen.

«Nein, das ist keine Schande», sagt Esther Schmid bestimmt. «Ich hing in der Luft und hätte eine neutrale Anlaufstelle aufgesucht.» Plötzlich war sie allein: «Das Vertrauen zu meinem Mann war weg, und ich musste die ganze Verantwortung übernehmen.» Seine Sparbücher waren leer. Zum Glück hatte sie ein kleines Einkommen als Leiterin eines Teams in einer Firma. Und sie hatte eine Familie, die sie unterstützte. Eltern, zu denen sie die Kinder am nächsten Tag bringen konnte. Eine Schwester, die ihr riet, zur Sozialhilfe zu gehen. «Die hätten doch gesagt: Was willst du denn hier?», sagt Esther Schmid. Sie will den Behörden fernbleiben, gerade weil eine andere, die Justiz, gegen ihren Mann ermittelt. Noch bevor sie ihn sprechen konnte, entschied sie – er stimmte später zu –, die Villa zu verkaufen, die Gemeinde zu verlassen und bei den Eltern zu wohnen. Hätte dort jemand erfahren, dass ihr reicher Mann in Unter­suchungshaft ist, es hätte sich schnell herumgesprochen. Ihre Kinder sollten geborgen und un­belastet aufwachsen und nicht wegen ihres Vaters auf dem Pausenplatz gehänselt werden.

Esther Schmid fühlte sich im Schatten ihres Mannes – nun sind die Rollen getauscht. Foto: Reto Oeschger

Am siebten Tag Untersuchungshaft sah sie ihn durch eine Scheibe, hörte seine Stimme, die ihr sagte, er habe Leute hintergangen und um Millionen gebracht. Die Deliktsumme lässt sich nicht ­verifizieren, noch läuft das Verfahren gegen ihn. Er habe irgendwann den Überblick verloren, sagt Alex Schmid, als man ihn später fragt. Er will nicht ­sagen, wann er anfing. Und warum.

Ihre Tasche sei im Gefängnis durchsucht worden, erzählt Esther Schmid, der Ton dort militärisch gewesen. Sie war jetzt die Frau eines Häftlings und fühlte sich wertlos. «Ich habe, verdammt noch mal, nichts gemacht», sagt sie und haut auf den ­Küchentisch. Aber sie galt als befangen. Wer in Untersuchungshaft sitzt, könnte Beweise vernichten, Spuren vertuschen und Angehörige dazu anstiften. Esther Schmid hätte seine Komplizin sein können, ein Handy einschleusen.

Die Hälfte der Ehefrauen und Partnerinnen wissen jedoch nichts von der Straftat, die ihre Männer begangen haben. Dies zeigt eine Studie des deutschen Kriminologen Helmut Kury aus dem Jahre 2003. Neuere Daten und Studien gibt es nicht. In der Schweiz gibt es rund 4000 Ehefrauen und Partnerinnen wie Esther Schmid und 8000 Kinder wie Nils und Mirko.

Die Schwiegereltern hätten Esther Schmid gefragt, warum sie nichts gemerkt habe. Die Frau des Mannes, dem Betrug vorgeworfen wird und die von seinem Geld profitierte, fühlt sich selbst betrogen und sagt: «Seine Eltern haben eine Tussi in mir ­gesehen.» Nicht alle glauben, dass die Ehe halten wird.

Ihr Mann ist ein anderer

Einmal drinnen, entscheidet der Staat, wann der Häftling sich anzieht, duscht, arbeitet, isst. Er ­reduziert das Aussen, damit sich der Gefangene auf sich konzentriert. Andererseits: Ob sich einer nach dem Gefängnis wieder in die Gesellschaft inte­grieren kann, entscheiden seine tragfähigen Be­ziehungen nach draussen während des Strafvollzugs. Dies sagt Benjamin Brägger wie auch andere Strafrechtsexperten.

Das hat auch der Gesetzgeber erkannt. Im Strafgesetzbuch Art. 84 Absatz 1 steht: «Der Gefangene hat das Recht, Besuche zu empfangen und mit ­Personen ausserhalb der Anstalt Kontakt zu pflegen. Der Kontakt mit nahestehenden Personen ist zu erleichtern.»

In den ersten Monaten sagte sie allen, sie lebten in Trennung.

Wie Beziehungen gepflegt und aufgebaut werden können, hängt davon ab, in welchem Gefängnis jemand sitzt. Alex Schmid war fünf Monate in Untersuchungshaft. Keine Telefonate. Esther Schmid durfte ihn einmal die Woche eine Stunde lang besuchen, ohne die Kinder. Kurzes Reden vor der Scheibe. Über Gefühle schrieben sie sich in Briefen. Der Freiheitsentzug, der sich gegen ihn richtet, trifft auch sie. Gefängnis stiehlt Zeit, ver­ringert das Miteinander, macht Einfaches um­ständlich. Dabei hätten sie viel zu bereden gehabt. «Er hat niemanden vergewaltigt und auch niemanden umgebracht», sagt sie. Und so, wie sie redet, spricht aus ihr die Wut gegenüber dem, was sie als un­gerecht empfindet. Wohl auch Ohnmacht und ­Enttäuschung. Sie habe ihn nicht hinterfragt, sagt Esther Schmid, das Ganze nicht kommen sehen. Wirklich? Im Rückblick habe es Anzeichen ge­geben. Sie sagt: «Er konnte es immer plausibel ­er­klären.» Damit meint sie das viele Geld, das er in Aktien und Obligationen investierte.

Esther Schmid erzählt am Küchentisch weiter, wie sie in den ersten Monaten an Scheidung dachte und allen sagte, sie lebten in Trennung. Niemand sollte sie auf ihn ansprechen. «Er hat mich genervt», sagt sie über den Mann, der immer bekam, was er wollte, und jetzt jedes Mal weinte, wenn er sie sah. Sie erkannte ihn nicht mehr, wollte ihn nicht mehr kennen. Hat niemand ihren Mann vermisst, der von einer auf die andere Minute ein­gesperrt worden war? Alex, sagt sie, ecke bei Menschen an und habe nie viele Freunde gehabt. Sie heiratete ihn vor zehn Jahren. Er heiratete mit ihr ihre Geschwister und Cousins. Sie seien seine wenigen Freunde, sagt sie, so sei es nicht gross auf­gefallen, dass er weg war. Ausser natürlich Nils und Mirko, seinen Kindern.

Esther Schmid hatte dem Älteren, heute zehn Jahre alt, kurz nach der Verhaftung erklärt, dass der Vater einen Fehler gemacht habe und bestraft werde. Dem Dreijährigen sagte sie damals bloss, dass er weit weg arbeitet.

«Du machst mich wütend»

Ein Dienstagmorgen im Dezember 2016. Alex Schmid ist jetzt schon seit 20 Monaten im Gefängnis, 15 davon in einer offenen Strafanstalt. Jetzt hat er Haftausgang und sitzt auf dem Rücksitz eines schwarzen Fiats. Seine Mutter fährt ihn vom Gefängnis nach Hause. Noch ist es finster, Nebel hängt über den Feldern. Irgendwo in einer unauffälligen Gegend auf dem Land, ein Ort mit 2500 Einwohnern. Hier grüssen sich die Menschen auf der Strasse und im Dorfladen. «Auf dem Weg hierher standen die Autos», sagt Alex Schmid mehrmals, als stünde er noch immer im Stau. Er (49) hat ­Augenringe, dunkle Haare, ein schmales Gesicht. Und wirkt nervös. Jede Minute zählt. Gleich wird er seine Frau sehen, nur für wenige Stunden, um fünf Uhr abends muss er zurück im Gefängnis sein. «Muss ich hier abbiegen?», fragt seine Mutter am Steuer. Alex Schmid richtet sich vom Sitz auf. «Es ist glaub erst die Nächste», sagt er. Die Miet­wohnung in einer Überbauung kennt er kaum, ­Esther Schmid ist seit ein paar Monaten hier, er zum fünften Mal und Gast im eigenen Heim.

Im Untersuchungsgefängnis willigte Alex Schmid ein, seine Strafe vorzeitig auch ohne rechtskräftiges Urteil anzutreten, eine Sonderform im Strafvollzug. Ein Beschuldigter soll sich so besser resozialisieren können und in einen offenen Strafvollzug kommen. Dort intensivieren Gefangene, manchmal während Jahren, ihre Beziehungen zu Angehörigen, Freunden, Kollegen. «Sofern diese nicht Kontakte zum kriminellen Milieu haben, können sie dazu beitragen, die Integration des Gefangenen zu fördern, damit er nach der Entlassung nicht wieder straffällig wird», sagt Strafrechts­experte Benjamin Brägger. Die ersten drei Monate nach einer Entlassung entscheiden, ob ein Mann Arbeit findet und als Vater zurück in die Familie.

In der offenen Strafanstalt wartet Alex Schmid auf seinen Gerichtstermin. Ihm drohen ein paar Jahre Freiheitsentzug. Die Zeit, die er bereits ge­sessen hat, wird ihm angerechnet. Nach drei Mo­naten durfte Alex Schmid das Gefängnis erstmals für fünf Stunden verlassen, nach fünf Monaten für vierundzwanzig Stunden. Jetzt hat er Haftausgang und Hafturlaub je einmal im Monat.

Verlorene Selbstbestimmung: Nun bestimmen die Behörden, wann und was ihr Mann isst. Foto: Keystone

«Es ist wie eine Fernbeziehung», sagt Esther Schmid, nachdem sie ihn in der Wohnung begrüsst und geküsst hat. Am Küchentisch schenkt sie sich Kaffee ein, stellt ihrem Mann auch einen hin. Die kurze Zeit draussen ist durchgeplant: Schwimmen, Fussball, Museum, was sie auch früher in der ­Familie taten. Der Vater fehlt sonst genug. Haus­aufgaben löst er mit dem Sohn am Telefon. Mirko ertrage es besser, sagt die Mutter, dem Jüngeren falle es zunehmend schwer, dem Vater Tschüss zu sagen. Esther Schmid geht alleine an die Schu­l­aufführung und den Tennismatch der Söhne, an das Gespräch mit der Lehrerin und entscheidet draussen auch für ihren Mann.

Alle zwei Wochen darf sie ihn in der Strafanstalt besuchen, dies bringt ihr den Mann wieder näher. Immer wenn sie die Hörspielkassette im Auto einschiebt, zur Tankstelle fährt, Süssigkeiten kauft, wissen Nils und Mirko, dass sie den Vater sehen werden. Mutter und Kinder tun so, als würden sie in die Ferien fahren. «Wir machen ein Wett­rennen», sagt Esther Schmid. Sie wollen immer die Ersten sein und das Gefängnistor vor den anderen ­Be­suchern passieren.

Alex Schmid erhebt sich kurz vom Küchentisch, geht auf den Balkon, raucht und kehrt wenige ­Minuten später zurück. Er schaut jetzt häufig auf die Uhr, es bleibt ihm nur noch wenig Zeit draussen. Wie ist das Leben jetzt, verglichen zu vorher in der Untersuchungshaft?

Er lacht.

Sie: «Himmel und Hölle.»

Er: «Sag doch, ich hätte im offenen Vollzug ein Schoggileben, weil ich nichts machen muss, nur essen und schlafen!»

Sie: «Ja, manchmal machst du mich wütend ­deswegen.»

Er schweigt.

Sie: «Es ist nicht so, dass er nichts macht, er arbeitet viel im Gefängnis, zeigt, dass er sich ­ändern will.»

Er schweigt.

Sie: «Wir telefonieren täglich. Der offene ­Strafvollzug ist ein Heilungsprozess für dich, eigentlich.»

Er: «Ja.»

Sie: «Ihm wird alles abgenommen. Draussen muss ich mich um alles selbst kümmern.»

Sie redet weiter, er schweigt. Sie seien immer im Wettbewerb gestanden und hätten sich gegenseitig angetrieben. «Wir fingen an, Tennis zu spielen – als Gegner.» Dann kamen die Kinder, und sie wurde Hausfrau. «Ich bin auf der Strecke geblieben», sagt Esther Schmid. Sie weiss nicht, wie das Gericht entscheiden wird, und plant vorerst ihr Leben ohne ihren Mann. Etwa Ferien für sie, Nils und Mirko. «Das ist schon schwierig für ihn», sagt sie, schaut ihn an, fügt hinzu: «Das ist die wahre Bestrafung.»

Die Frau, die sich einst in seinem Schatten wähnte, hat mit ihrem Mann die Rolle getauscht. Er ist abhängig von ihr, sie ist seine Verbindung nach draussen. In seiner Zelle, die Esther Schmid noch nie betreten und gesehen hat, hängen und stehen Fotos von ihr, Nils und Mirko aus glücklichen ­Zeiten. «Ich will meinen Beruf als Vermögens­verwalter aufgeben, einen neuen als Landschaftsgärtner erlernen», sagt Alex Schmid, er habe sich auch schon Lehrbücher bestellt. Er nehme sie ernst und mache, was sie sage, ergänzt seine Frau.

Esther Schmid habe viel einstecken müssen und dabei gemerkt, dass sie es alleine schaffen könne, sagt Andrea Müller*, die mit dem Dossier betraute Sozialarbeiterin der Strafanstalt. Gerade bei De­likten wie Betrug sei das Rückfallrisiko hoch. So vorbildlich sich Esther Schmids Mann drinnen auch verhält, entscheidend wird sein, wie er sich draussen einfügt. Nicht alle glauben, dass es gut kommt. Ihre Eltern, enttäuscht von ihm, zweifeln noch, ob er es nicht doch wieder tun könnte. Und Esther Schmid? «Nicht ich komme zu ihm zurück, sondern er zu mir», sagt sie. Sie will es glauben. Ihm. Und ihr selber.

*Alle Namen und einige Details wurden aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes geändert.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 27.01.2017, 19:23 Uhr

Angehörige von Gefangenen

Situation in der Schweiz

In der Untersuchungshaft können sich Angehörige von Inhaftierten an die einweisende Behörde oder die Staatsanwaltschaft wenden. Sie dürfen Angehörigen nur Auskunft geben, wenn der Gefangene einwilligt. Im offenen oder geschlossenen Strafvollzug ist der Sozialdienst der Gefängnisse für Angehörige da. In der Deutschschweiz gibt es kaum Anlaufstellen speziell für Angehörige von Häftlingen. Die wenigen, die es gibt, in den Kantonen Schaffhausen, Baselstadt und Baselland, bieten Bewährungshilfe für Ex-Häftlinge und Beratung für Angehörige an. Anders ist es in der Westschweiz. Die Organisation Relais Enfants Parents Romands wird von drei Kantonen, einer Stiftung und Spenden finanziert. Sozialarbeiter und Freiwillige gehen zu Besuchszeiten vor die Gefängnisse, beraten und betreuen Angehörige auch ausserhalb dieser Zeiten. «Ich stelle grossen Bedarf fest», sagt Direktorin Viviane Schekter. Potenzial sieht auch Martin Vinzens, Dozent für Angehörige von Inhaftierten und Direktor der Strafanstalt Saxerriet. Er sagt: «Be­ziehungsarbeit ist entscheidend, ob jemand nach dem Gefängnis ein normales Leben führen kann.» (ted)

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