Die Führungscrew der SVP hat bekommen, was sie will

Ein Ostschweizer Antrag für ein Viererticket bei der Bundesratswahl blieb an der Fraktionssitzung chancenlos.

Für die Bundesratswahl nominiert: Thomas Aeschi, Norman Gobbi und Guy Parmelin (von links). Foto: Peter Schneider (Keystone)

Für die Bundesratswahl nominiert: Thomas Aeschi, Norman Gobbi und Guy Parmelin (von links). Foto: Peter Schneider (Keystone)

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Mit feierlich-ernster Miene, die einem Beerdigungszug zur Ehre gereicht hätte, verliess Thomas Aeschi gestern kurz vor 19.30 Uhr den Konferenzsaal der SVP im dritten Stock des Parlamentsgebäudes. Ohne Kommentar rauschte er an den wartenden Journalisten vorbei, steuerte den Büroräumlichkeiten der Partei zu, zusammen mit Fraktionschef Adrian Amstutz und weiteren SVP-Kadern – und gefolgt von Guy Parmelin und Norman Gobbi. Christoph Blocher, der Übervater, schlenderte in Richtung Ausgang, bestens gelaunt, mit den Medienleuten scherzend.

Den Blicken entzogen blieb hingegen Heinz Brand, Aeschis Hauptkonkurrent um das Bundesratsamt: Der Bündner Nationalrat hatte den Saal durch den Hintereingang verlassen. Spätestens da war klar: Aeschis Miene war diejenige eines Mannes, der ein Rendezvous mit der Geschichte vor sich hat.

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Über das, was sich in den sechs Stunden zuvor im Saal abgespielt hatte, informierte Fraktionschef Amstutz später an der Medienkonferenz. Die Ausführungen zeigten einmal mehr: Die Führungsriege der SVP hat ihre Leute im Griff. Trotz murrender Stimmen im Vorfeld bestätigte die Fraktion vollumfänglich die Strategie, die der Vorstand für die Bundesratswahl vom 9. Dezember vorschlug. Das bedeutet, die SVP präsentiert dem Parlament für den vakanten Sitz je einen Kandidaten aus der Deutschschweiz, der Romandie und dem Tessin – und sie bestückt dieses Ticket mit den Favoriten der Parteileitung.

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Die Sieger aus den lateinischen Landesteilen waren rasch bestimmt, da die interne Findungskommission der Fraktion nur einen (Tessin) beziehungsweise zwei (Romandie) Vorschläge machte. Dass Staatsrat Norman Gobbi eigentlich in der Lega dei Ticinesi beheimatet ist und erst vor kurzem der SVP beitrat, sorgte laut Amstutz für intensive Diskussionen. Trotzdem erhielt Gobbi schliesslich 72 von 82 Fraktionsstimmen. Auch der Waadtländer Nationalrat und Weinbauer Guy Parmelin schaffte es in nur einem Wahlgang auf das Ticket: Er setzte sich gegen seinen Konkurrenten Oskar Freysinger mit 48 zu 29 Stimmen durch.

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Fünf Wahlgänge brauchte es hingegen, um den Sieger aus der Deutschschweiz zu ermitteln. Aeschi lag dabei von Anfang an in Führung. Ohne Chance blieb der Baselbieter Nationalrat Thomas de Courten, der im ersten Wahlgang eine, im zweiten gar keine Stimme mehr erhielt. Der Reihe nach schieden schliesslich Hannes Germann (SH), Thomas Hurter (SH) und Res Schmid (NW) aus – wobei sich der Nidwaldner Regierungsrat für einen Aussenseiter bemerkenswert gut hielt: Bis zuletzt erhielt er jedes Mal mindestens 19 Stimmen. Er konnte auf grosse Solidarität aus der Innerschweiz zählen.

Im letzten Wahlgang gelang es Aeschi schliesslich, Heinz Brand mit 44 zu 37 Stimmen zu deklassieren. Damit hat sich der smarte, junge Finanzfachmann aus Zug gegenüber dem 60-jährigen Langzeitbeamten aus Graubünden durchgesetzt. Die Ostschweiz ist damit gleich mehrfache Verliererin. Wie Amstutz bestätigte, wurde an der Sitzung der Antrag auf ein Viererticket gestellt – und wie aus Insiderkreisen verlautet, stammte dieser von Roland Eberle.

Der Thurgauer Ständerat wollte damit einem zweiten Deutschschweizer zur Kandidatur verhelfen; insbesondere die Ostschweiz hätte davon profitieren können, da wohl Brand oder gar einer der beiden Schaffhauser zum Zuge gekommen wäre. Ein weiterer Antrag – von der Zürcher Nationalrätin Natalie Rickli, wie zu hören ist – wollte die Kandidatenzahl zwar bei drei belassen, aber ohne Privileg für West- und Südschweizer. Beide Anträge scheiterten indes deutlich.

Das gekürte Kandidatenterzett gab sich anschliessend vor den Medien knapp, gerafft, staatsmännisch, konzi­liant, aber linientreu. Kaum ein Lächeln, kaum Blickkontakt. An diesem Abend sassen sie dort vorne als drei Sieger. Am Nachmittag des 9. Dezember wird man höchstens einen von ihnen dort zu sehen bekommen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 20.11.2015, 23:40 Uhr

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