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Die Genferseeregion ist ein Corona-Hotspot

Die Waadt registriert mehr Corona-Fälle als alle anderen Kantone. Die Begründungen widersprechen sich.

Philippe Reichen
Viele Spaziergänger liessen sich am Wochenende in Lausanne trotz Massnahmen des Bundesrates nicht von einem Spaziergang am Genfersee abhalten. Foto: Freshfocus
Viele Spaziergänger liessen sich am Wochenende in Lausanne trotz Massnahmen des Bundesrates nicht von einem Spaziergang am Genfersee abhalten. Foto: Freshfocus

Die Corona-Fallzahlen im Kanton Waadt sind in den letzten Tagen explodiert. Fast 1900 positiv getestete Personen verzeichnete der Kanton bis zum Montag. Damit übertraf die Waadt das Tessin, das 1165 Fälle meldete, und auch den Kanton Genf mit seinerseits rund 1150 Fällen. Damit ist die Genferseeregion ein neuer Corona-Hotspot.

Éric Masserey, stellvertretender Kantonsarzt des Kantons Waadt, erklärte die grosse Anzahl positiv getesteter Personen am Freitag damit, dass sein Kanton mehr Tests durchführt als alle anderen Kantone. «Wir suchen nach dem Virus, und wir finden es auch», so Masserey. Mit anderen Worten: Andere Kantone hätten gleich viele Corona-Fälle, untersuchten und entdeckten sie einfach nicht.

Die Bundesbehörden dementierten diese Darstellung am Montag. «Alle Kantone testen gleich viel. Die Statistik über die Infektionsfälle entspricht der Realität», stellte Daniel Koch, Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten im Bundesamt für Gesundheit, klar.

Der Waadtländer Kantonsarzt Karim Boubaker wies dies jedoch erneut zurück und ergänzte, die quantitative Aussage der Infektionsstatistik entspreche ohnehin nicht der qualitativen. Tatsächlich ist die Anzahl der Hospitalisierungen von Corona-Patienten in der Waadt zwar auf über 200 gestiegen, doch nur rund 30 Patienten werden auf Intensivpflegestationen gepflegt. Zudem scheint die Kurve der Neuinfizierten abzuflachen, was darauf hoffen lässt, dass die vom Bund getroffenen Massnahmen in der Waadt greifen. Kantonsarzt Boubaker verbreitet vorsichtigen Optimismus.

Volksfeste im Vallée de Joux

Mehr Kopfzerbrechen bereitet Boubaker die Tatsache, dass 6 der 16 in der Waadt verstorbenen Corona-Patienten aus dem Vallée de Joux stammen, einer ländlichen, wenig bevölkerten Gegend. Die dortige Bevölkerung sei im Durchschnitt sehr alt, zudem hätten viele Erkrankte keine Intensivpflege in Anspruch nehmen wollen, so der Kantonsarzt. Klar ist aber auch, dass im Vallée de Joux vor dem vom Bundesrat verordneten Lockdown noch öffentliche Anlässe stattfanden, an denen die breite Bevölkerung teilnahm. Die Leute hätten die Corona-Empfehlungen zu wenig ernst genommen, so Boubaker.

Der Kanton Genf hat seine im schweizweiten Vergleich hohen Fallzahlen bislang nicht begründet – auch am Montag nicht. Der allererste Corona-Fall betraf eine Person, die die Fashion Week in Mailand besucht hatte. Weil viele Genferinnen und Genfer italienische Wurzeln haben, die sie intensiv pflegen, gehen die Behörden davon aus, dass das Virus hauptsächlich von Norditalien nach Genf eingeschleppt wurde.

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