«Die Gier ist stärker als die Selbstverantwortung»

Der Millionen-Lohn von SBB-Chef Andreas Meyer zeuge von fehlender Sensibilität, kritisiert SP-Nationalrat Corrado Pardini.

«Die Gier ist beim Management stärker als die Selbstverantwortung»: SP-Nationalrat Corrado Pardini. Foto: Keystone

«Die Gier ist beim Management stärker als die Selbstverantwortung»: SP-Nationalrat Corrado Pardini. Foto: Keystone

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Der Bundesrat soll einen Lohn von über 1 Million Franken für SBB-CEO Andreas Meyer bewilligt haben, weil Meyer sonst vielleicht gekündigt hätte. Das berichtet die «NZZ am Sonntag». Ist der Bundesrat erpressbar geworden?
Wenn diese Darstellung zutrifft, dann ist das absolut inakzeptabel. Es darf nicht sein, dass der Bundesrat sich vom Chef eines bundeseigenen Betriebs so vorführen lässt. Jeder andere Angestellte müsste nach einem solchen Affront mit Konsequenzen rechnen.

Sie selbst haben im Parlament einen Lohndeckel von 500'000 Franken für die Chefs von SBB, Post und so weiter gefordert.
Im Nationalrat fand ich mit dieser Motion sehr breite Unterstützung. Eigentlich hätte ich erwartet, dass die SBB-Spitze die nötige Sensibilität hat, dieses Signal wahrzunehmen und sich bei den Löhnen zu mässigen. Leider habe ich mich geirrt.

Ihr Vorstoss wurde letztes Jahr im Ständerat abgelehnt, weil Ueli Maurer eine Lohnobergrenze von 1 Million Franken in Aussicht stellte. Jetzt hat der Bundesrat trotzdem eine Ausnahme für den SBB-Chef bewilligt. Ist der Bundesrat zu schwach?
Absolut. Ein Problem ist aber auch, dass der Ständerat auf die Eigenverantwortung der Bundesbetriebe gesetzt hat, statt meine Motion zu unterstützen. Jetzt hat sich gezeigt: Die Gier ist beim Management stärker als die Selbstverantwortung. Vielleicht muss ich mit meiner Motion einen neuen Anlauf nehmen. Auf jeden Fall muss dieser Selbsbedienungsmentalität ein Riegel geschoben werden.

Was wäre denn Ihrer Ansicht nach ein angemessener Lohn für einen SBB-CEO?
Meine Referenz ist der Lohn eines Bundesrats. Erstens, weil das ein sehr, sehr guter Lohn ist. Wir sprechen von einem Jahreslohn inklusive Zulagen von rund 800'000 Franken. Zweitens hilft dieser Lohn, das Primat der Politik wieder herzustellen.

Was heisst das?
Die Chefs der Post, der SBB, der Ruag und der weiteren Bundesbetriebe müssen verstehen, dass sie nicht in der Privatwirtschaft sind. SBB-Chef Andreas Meyer ist letztlich nichts anderes als ein sehr gut bezahlter Beamter. Aber diese Kader machen auf Pseudo-Marktwirtschaft, um ihre horrenden Saläre zu rechtfertigen.

Die SBB sind ein äusserst komplexes Unternehmen. Wenn man die besten Leute haben will, muss man auch gute Löhne zahlen. Richtig?
Wenn ich schaue, was bei der Post passiert ist, wäre ich froh, wenn man nur die zweitbesten Leute geholt hätte. Die sogenannten Besten haben nämlich nicht überzeugt.

Das ändert nichts daran, dass die Chefs der Bundesbetriebe in der Wirtschaft mehr verdienen könnten.
Ihr Ansatz geht davon aus, dass es für die Managersaläre einen funktionierenden Markt gibt.

Worauf wollen Sie hinaus?
Auf einem funktionierenden Markt stehen Angebot und Nachfrage in einem gesunden Verhältnis und bestimmen den Preis. Die Spitzenlöhne und Abzocker-Boni, von denen wir im Moment hören, haben damit aber nichts zu tun. Vielmehr handelt es sich um einen in sich geschlossenen Kreislauf, der von einer kleinen Kaste dominiert wird. Verwaltungsräte und Geschäftsleitungen treiben sich gegenseitig ihre Saläre hinauf. Die vom Volk angenommene Minder-Initiative wirkt hier leider nicht. Deshalb müssen wir ernsthaft über neue Möglichkeiten nachdenken, wie diese Exzesse eingeschränkt werden können.

Erstellt: 24.03.2019, 20:22 Uhr

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