Schweizer Armee macht auf umweltfreundlich

Warum das VBS in einer dezentralen Energieversorgung militärische Vorteile sieht.

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Wenn eine Umweltorganisation dem Militär ein Kompliment macht, ist das bemerkenswert. «Der Bericht der Schweizer Armee überzeugt, weil das Problem ernst genommen wird und langfristige Perspektiven aufgezeigt werden», sagt Philip Gehri von WWF Schweiz. Der Projektleiter für Klima und Energie meint einen Artikel in der neusten Ausgabe der «Military Power Revue» der Schweizer Armee.

Die zwei Autoren des Beitrags gehören dem Armeestab an. Oberst im Generalstab Daniel Krauer ist Chef Militärdoktrin und Martin Krummenacher Doktrinforscher. Sie haben ein Plädoyer für Klimaschutz und erhöhte Energieautarkie verfasst. Für sie ist klar, dass die Armee einen Beitrag an den Klimaschutz in der Schweiz leisten muss. Dabei nehmen sie Bezug auf die Befunde von Klimaforschern, die mit dem Klimawandel ein erhöhtes Risiko für Wetterextreme wie Dürren, Hochwasser und Wirbelstürme voraussagen. Krauer und Krummenacher warnen vor Klimaflüchtlingen in der Schweiz, vor vermehrten Überschwemmungen und vor grösseren Felsstürzen.

Sie sehen die Wasserversorgung und die Energiesicherheit bedroht, wenn die Sommer trockener und die Stauseen weniger gefüllt sind. «Wir wollen die Resilienz verbessern», sagt Daniel Krauer. Das heisst: Das Gesamtsystem Schweiz soll geschützt werden. Auch vor nicht militärischen Gegnern wie den Konsequenzen des Klimawandels und knappen Energieressourcen.

Das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) hat sich dafür Ziele gesetzt. So schreibt das Energiekonzept VBS 2020 vor, bis zum Jahr 2020 die CO2-Emissionen gegenüber 2001 um 20 Prozent zu senken. Das VBS geht davon aus, dass allein durch die Reduktion des Personals und des Truppenbestandes der Verbrauch an fossiler Energie um mindestens 20 Prozent gesenkt werden kann. Vor zwölf Jahren war die Truppe noch 360'000 Mann stark, heute beträgt der Bestand rund 166'000, Ziel ist es, die Armee auf 100'000 Mann zu verkleinern.

Energiekonzept 2020 Zum Vergrössern klicken.

Das VBS produziert im Jahr rund 240'000 Tonnen CO2. Das ist ein Bruchteil der gesamtschweizerischen Emissionen. Etwa 50 Prozent stammen vom Luftverkehr – eine F/A-18C Hornet verbraucht etwa 5000 Liter Treibstoff pro Stunde. Weitere gut 25 Prozent der Emissionen gehen auf das Konto des Strassenverkehrs. Das VBS verbraucht insgesamt 80 Millionen Liter Treibstoff jährlich. Eine Reduktion soll unter anderem durch Massnahmen wie den Einkauf effizienter Fahrzeuge erreicht werden. Wie stark kurzfristig der Treibstoffverbrauch bei den Flugzeugen reduziert werden kann, hängt unter anderem von deren künftigen Aufgaben ab.

Eine weitere grosse Emissionsquelle sind die Gebäude und Anlagen der Armee. Das Emissionsziel des Energiekonzepts 2020 konnte gemäss Armasuisse Immobilien bereits 2015 erreicht werden, unter anderem dank der Wärmeproduktion aus Fernwärme. Doch noch immer werden mehr als 50 Prozent der Wärme aus der Verbrennung von Erdöl und Gas bezogen. Elektrischer Strom stammt heute zu 100 Prozent aus erneuerbarer Energie, vor allem eingekauftem Strom aus der Wasserkraft. Das VBS sei mit der Umsetzung des Energiekonzepts auf Kurs, erklärt das VBS auf Anfrage.

Geschaffen für Fotovoltaik

Wie die US Army und die Nato sieht auch die Schweizer Armee militärische Vorteile in einem möglichst autarken Energiesystem, das weniger verletzlich ist als eine zentrale Versorgung mit fossiler Energie und grossen Kraftwerken. Die Autoren des Klima- und Energieberichtes sehen deshalb die Lösung zum Beispiel bei möglichst vielen dezentralen Stromproduzenten. Mit 9500 Gebäuden und Anlagen verwaltet die Armee vermutlich den grössten Gebäudepark in der Schweiz, der relativ feinmaschig im ganzen Land verteilt ist.

Die meisten sind konventionell beheizt und nicht für Fotovoltaik und Solarwärme ausgerüstet. Auch wenn bisher noch keine Analyse vorliegt, wie viel Solarstrom und -wärme auf den Gebäudedächern produziert werden kann, sehen die Autoren trotzdem ein grosses Potenzial. Als Beispiel nennen sie das Armeelogistikzentrum Othmarsingen, dessen Solaranlagen bereits im ersten Betriebsjahr den Eigenbedarf gedeckt hätten. Das VBS sieht zudem in Blockheizkraftwerken, die durch die Verbrennung von Holz, Biogas oder Biodiesel Strom und Wärme gleichsam produzieren, ein effizientes Energiesystem für die Zukunft.

Auch gut für die Privatwirtschaft

Auch Brennstoff­zellen, die mit Wasserstoff oder Methan betrieben werden, könnten eine Alternative zu den herkömmlichen Energiesystemen sein – vor allem dann, wenn die Solarenergie ausfällt und kontinuierliche Bandenergie gefragt ist. «Der schrittweise Ersatz konventioneller Heizsysteme durch Blockheizkraftwerke sowie die fotovoltaische Stromproduktion auf Gebäuden der Armee wären eine lohnende Investition in eine autarke Zukunft», heisst es in dem Bericht.

Das VBS sieht aber nicht nur einen militärischen Nutzen im Aufbau eines dezentralen Energiesystems. Profitieren könnte auch die Privatwirtschaft. So sei eine Entwicklungszusammenarbeit mit Firmen aus der Privatwirtschaft denkbar, wenn es zum Beispiel um die Entwicklung neuer Antriebstechnologien oder alternativer Treibstoffe gehe. Die Autoren des Klimaberichts sehen die Armee als Vorreiter bei der Einführung neuer klimafreundlicher Technologien in der Schweiz. «Steigt die grösste Organisation in unserem Land auf solche Technologien um, dann wird der positive Effekt sehr schnell spürbar sein», schreiben sie.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.03.2017, 23:59 Uhr

Klimaabkommen Paris

Wie wichtig es für die Schweiz ist

Der Nationalrat entscheidet heute Donnerstag über die Ratifikation des Klimaabkommens von Paris. Die Umweltkommission des Nationalrats hat sich mit 15 zu 8 Stimmen (2 Enthaltungen) für das Abkommen ausgesprochen. Auch das Reduktionsziel der Schweiz, die Treibhausgase bis 2030 um 50 Prozent gegenüber 1990 zu senken, hiess die Kommission gut.

Die Akademie der Wissenschaften Schweiz hat dargelegt, wie wichtig es für die Schweiz sei, den durchschnittlichen globalen Temperaturanstieg auf unter 2 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu begrenzen. In diesem Fall wird es gemäss Klimaforscher in unserem Land bis Ende Jahrhundert 3 bis 3,5 Grad wärmer.

Die Folgen wären: etwa 5 Tropennächte pro Jahr (heute 1 bis 2) und 15 bis 20 Hitzetage (heute 10 bis 15). Mit den aktuell abgegebenen internationalen Reduktionsversprechen wird es weltweit laut der Organisation Climate Action Tracker jedoch knapp 3 Grad wärmer. Für die Schweiz hiesse das: Die Zahl der Hitzetage würde sich gegenüber dem 2-Grad-Szenario des Pariser Abkommens nochmals verdoppeln. Die Schneefallgrenze würde bei einer 3-Grad-Erwärmung um rund 500 Höhenmeter steigen, die mittlere Schneehöhe um rund 60 Prozent abnehmen. (lae)

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