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Die illegalen Gipfeli von Beaumont

Unterdessen in Freiburg: Ein Bäcker wird gebüsst, weil er sich nicht an Öffnungszeiten hält. Während er sich über das Geschäft mit Nachtschwärmern freut, verzweifeln die Nachbarn.

Der Bäcker von Beaumont ist längst zum Politikum geworden, seine Gipfeli auch.
Der Bäcker von Beaumont ist längst zum Politikum geworden, seine Gipfeli auch.
Steffen Schmidt, Keystone

Die Roastbeef-Sandwichs sollen formidabel sein. Doch es sind vor allem die noch warmen Pains au chocolat, die viele hungrige Menschen zu Bäcker Pittet locken. Das Entscheidende dabei: Die frischen Backwaren gibts mitten in der Nacht. Dann, wenn nach der Party der Hunger gross und das kulinarische Angebot klein ist.

Der Bäcker im Wohnquartier Beaumont ist bei der Jugend von Freiburg ein Fixpunkt im samstäglichen Ausgehprogramm. Seit 25 Jahren sind seine Leckereien auch zu verbotenen Zeiten zu haben. Lange ging das gut. Alle habens gewusst, auch die Polizei. Es soll gar Beamte gegeben haben, die auf ihren nächtlichen Patrouillenfahrten ebenfalls bei Pittet haltmachten und sich verpflegten.

Autorennen im Wohnquartier

Doch die Zeiten, als Menschen mitten in der Nacht unbehelligt Brötchen mampften, sind vorbei. Der Bäcker von Beaumont ist längst zum Politikum geworden. Lokale Medien wie die «Freiburger Nachrichten» sprechen vom Gipfeli-Streit. Und alle wissen, worums geht. Denn der Erfolg des Bäckers missfällt den Nachbarn. Sie echauffieren sich über den nächtlichen Lärm der mehrheitlich jungen Kunden. Die Rede ist von laut davonbrausenden Autos, gar von Autorennen. Und das mitten im Wohnquartier. Seit Jahren häufen sich darum die Lärmklagen. Die Polizei hat ihn mehrmals verzeigt. 2009 wurde der Bäcker schliesslich vom Polizeirichter zu einer Busse von 7000 Franken verurteilt. Wegen Verstosses gegen das Gemeindereglement über die Öffnungszeiten der Geschäfte. Der Gebüsste versprach Besserung. Auch wenns schwierig sei. «Die Leute kommen. Es besteht eine Nachfrage.»

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Der Hunger der Kunden ist des Nachts nicht kleiner geworden. Und darum hat Beaumont noch immer dieses Lärmproblem. Mittlerweile liegen die Nerven blank, wie Reporter der Zeitung «La Liberté» jüngst an der 44. Versammlung des Quartiervereins Beaumont-Vignettaz-Monséjour hatten miterleben können. Ein Anwohner rief in die Runde: «Wer macht endlich etwas, damit dieser Radau aufhört?» Der Gemeinderat ist es nicht, das ist mittlerweile bekannt. Auch nicht die lokale Polizei, der die Hände gebunden sind. Denn für die nächtlichen Patrouillen ist ausschliesslich die Kantonspolizei zuständig. Und diese wiederum verweist darauf, dass ihre Beamten bereits viele andere Aufgaben und wenig Zeit für den illegalen Gipfeli-Verkauf haben.

Für die Lärmgeplagten besteht also weiterhin nur die Möglichkeit, regelmässig auf kantonaler Ebene zu intervenieren. Damit der Bäcker richtig gesalzene Rechnungen kriegt. Aber so, wie es derzeit aussieht, versüssen ihm die Nachtschwärmer das Ganze einfach zu sehr. Und der Geschäftsmann wird sicherlich auch vom jüngsten politischen Vorstoss in Freiburg gehört haben: die Verlängerung der Öffnungszeiten für Nachtlokale bis 6 Uhr.

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