Die Katar-Connection des Fifa-Chefs

Infantinos Beziehung zu einem Katarer machen seine Treffen mit Bundesanwalt Lauber noch heikler.

Kennen einander:  Nasser Al-Khelaifi und Gianni Infantino. Foto: PD

Kennen einander: Nasser Al-Khelaifi und Gianni Infantino. Foto: PD

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«Nötig», «erforderlich», ja sogar «essenziell». So beschrieb Bundesanwalt Michael Lauber an einer eigens anberaumten Pressekonferenz diesen Mittwoch seine Treffen mit Fifa-Präsident Gianni Infantino.

Der oberste Schweizer Ermittler führt seit 2015 rund 25 Strafverfahren im Zusammenhang mit der Fifa und Fussballfunktionären. Im Februar 2016 kam Infantino an die Spitze des Weltverbandes und versprach, aufzuräumen. Die Treffen im März und im April 2016 zwischen dem neuen Fifa-Präsident und dem Chefermittler erscheinen auf den ersten Blick also durchaus vernünftig. Nur: Infantino war schon damals keinesfalls ein unabhängiger Aufräumer. Er war bereits in einer ganzen Reihe von Punkten mit Laubers Fussballverfahren verbunden. Zum Beispiel über einen Mann namens Nasser Al-Khelaifi.

Der Katarer Al-Khelaifi ist ein schwerreicher Geschäftsmann im Bereich von Sportrechten und seit langer Zeit einer der wichtigsten Männer in der Sportwelt Katars. Das Land am Persischen Golf erhielt 2008 in einer höchst umstrittenen Wahl den Zuschlag für die Austragung der Fussball-Weltmeisterschaft 2022. Die Bundesanwaltschaft ermittelt heute wegen Geldwäscherei und ungetreuer Geschäftsführung. Der Verdacht: Die Vergabe dieser WM war geschmiert. Tatsächlich wurden seither die Hälfte der 22 Fifa-Männer, die damals über den Zuschlag für Katar befanden, wegen Korruptionsvorwürfen verurteilt, verklagt, suspendiert oder beschuldigt.

Letztes Jahr geriet auch Al-Khelaifi in den Strudel. Die Bundesanwaltschaft eröffnete ein Strafverfahren gegen den Katarer wegen Bestechung. Er soll einem Fifa-Mann «nicht gebührende Vorteile» verschafft haben, was Al-Khelaifi bestreitet.

Infantino knickte vor PSG-Präsident Al Khelaifi ein

Die Vergabe an Katar und insbesondere die Person Al-Khelaifi sind wichtige Bestandteile der Ermittlungen der Bundesanwaltschaft. Das Problem: Al-Khelaifi und Infantino verbindet seit 2014 eine problematische Beziehung. Das zeigen geheime Mails aus dem Datenleck Football Leaks. Das Material aus dem Innersten der Uefa und der Fifa gelangte zunächst an den «Spiegel» und wurde vom Journalisten-Netzwerk EIC und vom Recherchedesk von Tamedia ausgewertet.

Infantino war vor seiner Ernennung zum Fifa-Präsidenten Generalsekretär der Uefa. Im Frühling 2014 versuchte er in dieser Funktion mit allen Mitteln, dem Club Paris Saint-Germain eine Strafe zu ersparen. Der Präsident des Clubs heisst Nasser Al Khelaifi.

Am 27. Februar 2014 sahen sich Infantino, Al-Khelaifi und andere an einem Geheimtreffen. Der Katarer und der Schweizer diskutierten dort zwielichtige Massnahmen, wie man Uefa-Strafen für den Verein von Al-Khelaifi umgehen könnte. Der PSG-Präsident und sein Stellvertreter baten Infantino explizit, die zuständigen Stellen in der Uefa zu umgehen. E-Mails zeugen von grosser Vertrautheit. Als die Verhandlungen im April stockten, schrieb Al-Khelaifi an seine Leute: «You need to tell Gianni.» Im Mai schickte der Katarer dann selber noch mal eine direkte Aufforderung an Infantino. Dieser solle seine Position nun akzeptieren: «This is our deal», schrieb er. Schliesslich brachte Al-Khelaifi Infantino in einem Telefongespräch dazu, die entscheidenden Konzessionen für seinen Club abzusegnen.

Diese Episode zeigt, wie der künftige Fifa-Präsident vor dem künftigen Beschuldigten in einem der Fifa-Verfahren der Bundesanwaltschaft einknickt. Wie Infantino Al-Khelaifi mehrere Gefallen tut, die mit den Regeln der Uefa kaum in Einklang zu bringen sind. Wie der Walliser also für den Katarer seinen Job riskiert. Und ausgerechnet mit Infantino traf sich nun Lauber 2016, um über die Fifa-Verfahren zu sprechen? Verfahren, in welchen Katar und später auch Al-Khelaifi so eine wichtige Rolle spielen?

Dass die Uefa und Infantino dem Pariser Club 2014 geholfen haben, war bekannt, als es zu dem Gipfeltreffen zwischen Lauber und Infantino kam. Kommt hinzu, dass Lauber vor dem Treffen auch schon Infantinos ehemaligen Chef bei der Uefa, Michel Platini, einvernommen hatte. Und obendrauf hatte die Bundesanwaltschaft kurz vor dem zweiten Treffen ein Verfahren rund um einen fragwürdigen, von Infantino unterzeichneten TV-Rechte-Deal der Uefa eingeleitet, inklusive Razzia im Uefa-Hauptquartier in Nyon.

Aus dieser Optik erscheint Infantino wenig geeignet für ein Gespräch über die «strategische Steuerung des Verfahrens», wie das Lauber letzten Mittwoch bezeichnete. Noch dazu in einem Treffen, das ein befreundeter Staatsanwalt von Infantino einfädelte und das nicht einmal protokolliert wurde. «Dieses Vorgehen ist schlicht unprofessionell» sagt Strafrechtsprofessor Mark Pieth. «Der Bundesanwalt hat sich mit diesen Treffen womöglich in grösste Schwierigkeiten gebracht.»

Erstellt: 24.11.2018, 22:15 Uhr

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