Die Kesb muss sich ihrer Verantwortung stellen

Kesb-Massnahmen können das Leben der Betroffenen auf den Kopf stellen – doch die Behörde blockt Kritik gerne ab. Das muss sich ändern.

Die Kesb kann Kontakte von Eltern und Kindern festlegen – und lässt dabei bisweilen das nötige Feingefühl vermissen. Foto: iStock

Die Kesb kann Kontakte von Eltern und Kindern festlegen – und lässt dabei bisweilen das nötige Feingefühl vermissen. Foto: iStock

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Die Kesb agiert in einem hochsensiblen Feld: Es geht um Familien, Eltern und Kinder, um Betagte und psychisch Angeschlagene, um Sucht, Missbrauch und Überforderung – kurz, es geht um Menschen in einem Zustand der Schwäche. Entsprechende Sorgfalt und Respekt dürfte man von den Behörden im Umgang mit Betroffenen erwarten, besonders bei Massnahmen, die tief in deren Leben eingreifen. Leider zeigt die Erfahrung, dass dies nicht immer der Fall ist.

Im Beispiel des Vaters, dem das Besuchsrecht für seine Kinder immer weiter entzogen wurde, obschon er sich von Anfang an um sie gekümmert hatte, gibt es eine ganze Reihe von Irritationen: So stützt sich die Behörde bis heute auf ein mittlerweile fünf Jahre altes Gutachten. Die Kinder möchten den Vater gerne mehr sehen, wurden aber nicht angehört – die Anwältin der Mutter verhindert das bis heute erfolgreich.

Dazu kommen häufige personelle Wechsel bei den fallführenden Personen, ein Kesb-Präsident, der bei seinem Neuantritt das Gespräch mit dem Vater rundweg verweigerte, und eine Beiständin, die offensichtlich überlastet ist. Obschon sie die Kinder vertreten sollte, auch gegenüber der Kesb, hat sie sie in den ersten fünf Monaten nie gesprochen. Die Behörde fällt ihre Entscheide konsequent im Sinne der Mutter und soll laut einer internen Quelle die Eingaben des Vaters unbesehen in den Papierkorb werfen.

Beistände müssen unabhängig sein

Wo Menschen am Werk sind, passieren Fehler. Angesichts der manchmal tief greifenden Konsequenzen von Kesb-Massnahmen braucht es eine neue Fehlerkultur. Als Kontrollinstanzen sind in diesem Fall die Beistände vorgesehen. Sie müssen zum Schutz des Familiensystems agieren und sich für die Anliegen der Betroffenen einsetzen. Oft ist das nicht der Fall, auch hier: Die Beiständin war schlecht erreichbar, übernahm Angaben der Mutter, die sich als falsch herausstellten, ungeprüft und strich dem Vater eigenmächtig und kurzfristig einen seiner vier sogenannten «Erinnerungskontakte» – ohne Rücksprache mit der Behörde oder dem Vater.

Fachpersonen wie Beistände oder auch Gutachter werden von den Behörden eingesetzt, damit sie den Fall von aussen begutachten und Eltern oder auch Kinder gegenüber der Behörde vertreten. Wenn die Betroffenen diese nicht selber entlöhnen können, werden sie von der zuständigen Sozialregion finanziert. Und agieren deshalb auch oft entsprechend. Von einer Unabhängigkeit dieser Fachpersonen kann also nicht die Rede sein.

Das zeigt sich auch in der Praxis, wie der Chef der Berufsbeistände, Ignaz Heim, gegenüber CH-Medien jüngst erläuterte. Da geben Beistände Informationen ihrer Mandanten an die Kesb weiter, oder sie führen einfach die Aufträge der Kesb aus, ohne sie zu hinterfragen. Oder die Beistände und die Behörden schliessen sich zusammen, um Kritik abzublocken.

Dies ist denn auch eines der Probleme, welche Kesb-Betroffene immer wieder vorbringen: Sie werden nicht gehört, nicht respektiert und im Zweifelsfall auf den Rechtsweg verwiesen. Doch die Aufsichtsbehörde beurteilt die Entscheide der Kesb inhaltlich genauso wenig wie die Gerichte. Dort geht es vielmehr um organisatorische Mängel oder formale Fehler. Die Kesb weist Kritik lieber zurück, als sich allfälligen Fehlern zu stellen. Angesichts des sensiblen Bereichs, in dem sie agiert, muss sich das ändern.

Erstellt: 12.02.2020, 18:28 Uhr

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