Die Klimadebatte wird immer radikaler

Eine Wettervorhersage genügt mittlerweile – und schon tobt ein Glaubenskrieg.

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Was ist berechtigte Sorge, was Hysterie? Der US-Wetterdienst Accu Weather hat eben prognostiziert, dass der diesjährige Sommer in weiten Teilen Europas noch heisser und trockener werde als 2018: Temperaturen bis 40 Grad, brennende Wälder, verdorrte Felder. Sofort greifen Medien die Meldung auf, garnieren sie mit Katastrophenbildern. Die Spirale beginnt zu drehen: Es hagelt Klicks, Kommentare fluten die Leserforen, Gegenkommentare folgen und weitere Klicks: Der Klimawandel, natürlich, er ist schuld! Ist er nicht! Ist er doch! Man wähnt sich in einem Glaubenskrieg. Und wie so oft in solchen Auseinandersetzungen ist das erste Opfer: die Wahrheit.

Richtig ist erstens: Solche Vorhersagen über mehrere Monate sind reine Spekulation. Meteorologen erstellen Prognosen für die nächsten fünf, vielleicht zehn Tage. Was darüber hinausgeht, ist mit immer grösseren Unsicherheiten behaftet. Das Wetter verhält sich chaotisch. Richtig ist zudem: Wetter und Klima – das ist nicht dasselbe. Ein einziger Hitzesommer lässt sich nicht einfach mit dem Klimawandel erklären, es braucht eine Häufung, dazu über längere Zeiträume hinweg. Der kommende Sommer kann heiss und trocken werden – aber auch regnerisch und kühl.

Beängstigend ist also weniger die Vorhersage des US-Wetterdienstes als die Reaktion darauf. Mit welcher Wucht sich die Klimaschützer und ihre Antipoden die Argumente mittlerweile um die Ohren schlagen, wie unversöhnlich sie sich dabei gegenüberstehen: Es scheint nicht mehr sicher, dass es bei der – ebenso erwünschten wie nötigen – klimapolitischen Debatte bleibt.

Schlagen die bislang friedlichen Proteste in Gewalt um, wird die Stimmung in der Bevölkerung schnell kehren. 

Anzeichen für Radikalisierungen machen sich bemerkbar – just bei der sogenannten Klimajugend und damit einer Bewegung, die bislang in der Öffentlichkeit und in den Medien viel Kredit genossen hat. Sogar Städte wie Zürich lassen sich die Agenda von den Jugendlichen diktieren – ein Erfolg für die Demonstranten, ein Armutszeugnis für die rot-grüne politische Klasse Zürichs, die schon längst mehr für den Klimaschutz hätte tun können.

Da nun aber die Freitagsdemos ihren Schwung zu verlieren drohen, will sich die Bewegung offenbar neu ausrichten, wie der «SonntagsBlick» berichtet hat. Das Motto: «Wir eskalieren.» Das Ziel: Aktionen «mit wirtschaftlichem Schaden», etwa die Blockade von Verkehrsachsen oder Flughäfen. Einig seien sich die Jugendlichen, dass die Proteste gewaltfrei bleiben sollten, heisst es im Artikel. Was genau sie im Schild führen, verraten die Jugendlichen nicht. Nur so viel: Spätestens ab 2020 werde ein «anderer Wind wehen», die Dringlichkeit der «Klimakrise» erfordere neue Mittel.

Das lässt sich als Drohung deuten. Schlagen jedoch die bislang friedlichen Proteste in Gewalt um, wird die Stimmung in der Bevölkerung schnell kehren. Diese Prognose lässt sich schon heute treffsicher machen.

Erstellt: 27.05.2019, 20:40 Uhr

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