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«Man sollte sich mal um die Alleinstehenden kümmern»

«Auch die Linke verhält sich inkonsequent»: Pro-Single-Präsidentin Sylvia Locher.

Frau Locher, wollen Sie tatsächlich die Rentenreform versenken, nur weil Ehepaare einen etwas höheren AHV-Zuschlag erhalten als Singles?

Sie werden nie eine Reform einer derart komplexen Sozialversicherung hinkriegen, von der sich nicht eine Gruppe benachteiligt fühlt. Die Altrentner müssen auch mehr Mehrwertsteuer bezahlen, obwohl sie direkt von dieser Reform nichts haben.

Nochmals: Die Erhöhung der Ehepaarrenten bei der Rentenreform ist geringfügig. Ist es nicht verantwortungslos, deswegen eine Reform abzulehnen, die das Rentensystem vor dem Kollaps rettet?

Die Linke hat bei der Erhöhung des Ehepaar-Plafonds mitgemacht, damit die CVP die Erhöhung der Einzelrenten mitträgt. Das ist ein Kuhhandel von vielen, damit notwendige Reformen wie die Rentenaltererhöhung der Frauen im Volk mehrheitsfähig werden.

Die CVP-Initiative wollte allen Ehepaaren zwei volle AHV-Renten gewähren. Nun geht es darum, dass die Ehepaarrente höchstens 155 Prozent statt 150 Prozent einer maximalen Einzelrente beträgt. Es werden gerade mal zehn Prozent der CVP-Forderung erfüllt.

Auch die AHV-Renten für Ehepaare, bei denen beide voll erwerbstätig sind, sind plafoniert. Obwohl beide ein Leben lang in die AHV einzahlen, erhalten sie am Schluss bloss 1,5 Renten oder künftig 1,55 Renten. Ist das nicht noch ungerechter als die Benachteiligung der Singles?

Scheitert die Reform, wird die AHV rasch in Schwierigkeiten kommen, denn ein Konsens über eine neue Reform ist nicht in Sicht. Wollen Sie mit einem Nein in Kauf nehmen, dass auch die Renten der Alleinstehenden gefährdet sind?