Die mächtigsten Frauen in Bern

Ausgerechnet SP-Politikerinnen verlieren im Bundeshaus an Einfluss: So schneiden die Frauen im Parlamentarier-Rating ab.

Gut vernetzt in Bern: GLP-Nationalrätin Tiana Angelina Moser.

Gut vernetzt in Bern: GLP-Nationalrätin Tiana Angelina Moser.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Bern Spieglein, Spieglein an der Wand, wer ist die mächtigste Parlamentarierin im Land? Es ist die grünliberale Tiana Angelina Moser. Die Zürcher Nationalrätin ist Fraktionschefin und Mitglied der Parteileitung. Sie sitzt in zwei Kommissionen, kommt bei Kollegen gut an und hat eine anschauliche Medienpräsenz.

«Ich engagiere mich mit Herzblut für unsere Anliegen», sagt Moser. Mittlerweile habe sie Erfahrung und sei im Bundeshaus gut vernetzt. Sie profitiert auch von der kleinen Fraktion, zu der sie gehört. Da ist es einfacher, sich in den Vordergrund zu drängen und an wichtige Posten heranzukommen. «Bei der GLP muss man sich im Parlament und in der Partei zu 100 Prozent engagieren. Wir können uns keine Hinterbänkler leisten.»

Moser machte in dieser Legislatur im Parlamentarier-Rating der SonntagsZeitung einen Sprung nach vorne. Doch auch die Rechten holten auf. Die SVP stiess mit Céline Amaudruz und Magdalena Martullo-Blocher in die Top 15 der Frauen vor. Neu führt sogar die FDP mit vier Vertreterinnen die Spitzengruppe an.

Das erstaunt. Lange wurde der FDP ein Frauenproblem angehängt, nach wie vor stellt sie nur sieben Parlamentarierinnen. Doch hinter der neuen Bundesrätin Karin Keller-Sutter haben sich zuletzt weitere Frauen nach oben gearbeitet. «Seit ich Präsidentin der FDP-Frauen bin, setze ich mich mit Herzblut für die Frauenförderung in unserer Partei und der Öffentlichkeit ein», sagt Doris Fiala. Der Druck, mehr Frauen aus der FDP nach vorne zu bringen, sei enorm. «Wir betreiben einen riesigen Aufwand. Das Rating zeigt, dass sich der Einsatz lohnt.»

Der SP fehlt eine echte Bundesratskandidatin

Und wo ist die SP? Ausgerechnet die Partei, die wie kaum eine andere für die Frauenförderung steht, schneidet schlecht ab. Nur zwei Sozialdemokratinnen sind unter den Top 15 der Frauen. Vor vier Jahren waren es noch fünf. Zudem figurieren jetzt sieben SP-Vertreterinnen unter den schlechtesten 15 Frauen.

Hier zeigt sich: Die SP befindet sich in einem Generationenwechsel. Leaderinnen wie Susanne Leutenegger Oberholzer, Evi Allemann, Géraldine Savary oder Anita Fetz haben das Parlament verlassen oder treten bei den Wahlen nicht mehr an. Sie sind im Rating nicht mehr aufgeführt.

«Langjährige Fraktionsmitglieder hinterlassen immer Lücken, wenn sie gehen», sagt SP-Chef Christian Levrat. Er mache sich aber keine Sorgen um die Zukunft. Er verweist auf die Frauenmehrheit in der SP-Nationalratsdelegation und den guten Start der Neuen wie Samira Marti oder Flavia Wasserfallen, die nachgerückt sind. Im Ranking sind sie noch nicht berücksichtigt.

Allerdings zeigt das Ranking auch, dass sich aktuell keine echte SP-Bundesratskandidatin aufdrängt. «Ich erspare Ihnen jetzt ein zehnminütiges Name-Dropping, aber es gibt sicher ein Dutzend Frauen in der Fraktion, die ich mir als Bundesrätin vorstellen könnte», sagt Levrat. Er gibt sich wohl auch deshalb gelassen, weil die Zeit bei der SP nicht drängt. Simonetta Sommaruga dürfte noch mindestens vier bis sechs Jahre Bundesrätin bleiben.



Dieser Text stammt aus der aktuellen Ausgabe. Jetzt alle Artikel im E-Paper der SonntagsZeitung lesen: App für iOSApp für AndroidWeb-App

Erstellt: 07.07.2019, 11:25 Uhr

Artikel zum Thema

Sie sind die Mächtigsten

173 Parlamentarier stellen sich im Herbst zur Wiederwahl. Das grosse Rating zeigt, wer von ihnen in Bern wirklich etwas bewegt. Mehr...

Wahlkämpfer Köppel schwänzt in Bern

Infografik Der SVP-Mann macht Wahlkampf in 162 Zürcher Gemeinden. Doch er ist nicht der einzige Zürcher, der sein Nationalratsmandat vernachlässigt. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Wettbewerb

Wie du spielend Geld sparen kannst

Energy Hero ist das kostenlose Online-Spiel, mit dem du mit etwas Fingerfertigkeit Preise im Wert von insgesamt 30 000 Franken gewinnen kannst.

Die Welt in Bildern

Bitte lächeln: Frankie die Bordeauxdogge stellt sein Löwenkostüm zur Schau. Er nimmt mit seinem Herrchen an der Tompkins Square Halloween Hundeparade in Manhattan teil (20. Oktober 2019).
(Bild: Andrew Kelly) Mehr...