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Die Mär vom geschröpften Mittelstand

Der Mittelstand werde in der Schweiz durch staatlich Abgaben unverhältnismässig stark belastet, lautet eine weit verbreitete These. Das Bundesamt für Statistik kommt zu einem anderen Ergebnis.

Das Wehklagen über den immer stärker geschröpften Mittelstand lasse sich statistisch nicht rechtfertigen. Zu diesem Schluss kommt das Bundesamt für Statistik (BFS) in einem Bericht. Dafür wurde untersucht, wie sich die Belastung der «Mitte» durch obligatorische Ausgaben wie Steuern, Sozialversicherungsbeiträge und Krankenkassenprämien entwickelt hat.

Der Mittelstand macht laut dem BFS aktuell 57,3 Prozent der Schweizer Bevölkerung aus. Je nach Grösse der Haushalte definieren unterschiedliche Ober- und Untergrenzen bei den Einkommen die Zugehörigkeit zum Mittelstand:

Die Belastung für die Reichen steigt am stärksten

Das BFS hat untersucht, wie sich das verfügbare Einkommen der einzelnen Einkommensgruppen durch die Belastung durch die obligatorischen staatlichen Abgaben entwickelt hat. Die Ergebnisse:

1. Die Unterschiede zwischen dem Einkommen vor und nach den Abgaben steigen mit zunehmendem Einkommen. Es findet eine Umverteilung zugunsten der unteren Einkommen statt, hauptsächlich in Form von Sozialleistungen und Renten. Werden nur Erwerbshaushalte betrachtet, stehen jedoch alle Einkommensgruppen nach der staatlichen Umverteilung schlechter da.

2. Das BFS hat verschiedene Haushaltskategorien in allen Einkommensgruppen in drei Belastungsklassen eingeteilt: Tief belastete Haushalte geben weniger als 20 Prozent ihres Bruttoeinkommens für obligatorische Ausgaben aus, bei mittlerer Belastung sind es 20 bis 30 Prozent, bei höherer über 30 Prozent. Zwischen 1998 und 2011 gingen die Anteile der Personen in den tief belasteten Haushalten aller Gruppen von 26 Prozent auf 17 Prozent zurück. Zugleich stiegen die Anteile hoch Belasteter in praktisch allen Gruppen, durchschnittlich von 25 Prozent auf 28 Prozent. Die Belastung durch obligatorische Abgaben hat also für alle Gruppen zugenommen.

3. Klar am grössten ist die Zunahme der Belastung zwischen den Jahren 1998 und 2011 jedoch in der einkommensstärksten Gruppe, und dort insbesondere bei den Alleinlebenden und den Paaren mit 2 oder 3 Kindern. Die oberste Gruppe konnte ihr Einkommen in den letzten Jahren zwar auch am stärksten steigern. Leistet laut dem BFS aber auch entsprechend mehr Abgaben. Bei den mittleren Einkommensgruppen seien die Unterschiede zwischen der Belastung 1998 und 2011 viel geringer. Es könne deshalb nicht von einer Benachteiligung des Mittelstands gesprochen werden.

Durchschnittliches Einkommen 1998: Vor und nach den Abgaben

(Quelle: BFS)

Durchschnittliches Einkommen 2011: Vor und nach den Abgaben

(Quelle: BFS)

(SDA)

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