Umfrage: Wer im Bundesrat am beliebtesten ist

19'000 haben an einer Online-Umfrage teilgenommen. Die Neuen kommen gut weg – einen schweren Stand haben die SVP-Bundesräte.

Gut unterwegs: Viola Amherd (l.) und Karin Keller-Sutter. Foto: Marcel Bieri (Keystone)

Gut unterwegs: Viola Amherd (l.) und Karin Keller-Sutter. Foto: Marcel Bieri (Keystone)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die zwei Frauen stehen im Nationalratssaal, flankiert von Weibeln. Synchron heben sie die rechte Hand und spreizen Daumen, Zeige- und Mittelfinger. «Ich schwöre es», sagen beide. Es ist Mittwoch, der 5. Dezember 2018: Soeben ist eine der kürzesten Bundesratswahlen überhaupt zu Ende gegangen. Sowohl Viola Amherd (CVP) als auch Karin Keller-Sutter (FDP) erreichen das absolute Mehr bereits im ersten Wahlgang. Der Rückhalt des Parlaments war den beiden Frauen zu diesem Zeitpunkt gewiss. Doch wie sieht es heute bei der Bevölkerung aus?

Eine aktuelle Tamedia-Umfrage zeigt: Die zwei neuen Bundesrätinnen sind bei den gut 19'000 Teilnehmern die beliebtesten Regierungsmitglieder. Und zwar mit Abstand. Auf einer Skala von 1 bis 6 kommt Viola Amherd auf einen Wert von 4,53 und Karin Keller-Sutter auf einen Wert von 4,56.

Im letzten halben Jahr haben sich Keller-Sutter und Amherd in ihren Departementen eingearbeitet. Beide haben in dieser kurzen Zeit bereits Spuren hinterlassen. Keller-Sutter gilt inzwischen als eines der tonangebenden Mitglieder der Regierung. Sie ist selbst in Bereichen aktiv, für die sie als Justizministerin eigentlich nicht direkt zuständig ist. So will nun der Bundesrat auf ihre Initiative hin ein neues Sozialwerk ins Leben rufen, das älteren Arbeitnehmenden den Übergang bis zur Pension erleichtert. Derweil hat Amherd bei ihrem wichtigsten Dossier, dem Kauf neuer Kampfjets, bereits mit der Strategie ihres Vorgängers gebrochen.

«Bemerkenswert ist die breite Unterstützung von links bis rechts», sagt der für die Umfrage verantwortliche Politikwissenschaftler Fabio Wasserfallen. Sie zeige, dass die beiden Bundesrätinnen ihre Tätigkeit bis anhin gut hätten vermitteln können und es sich noch mit keiner Partei verscherzt hätten. Wobei für Politikerinnen und Politiker aus Mitteparteien die Bewertung am Anfang in der Regel ohnehin höher ausfalle als für jene aus dem linken oder dem rechten Lager. «Die Werte können aber schnell einbrechen», sagt Wasserfallen.

Die Bewertung des Bundesrates als Gesamtbehörde fällt derweil durchwachsen aus: Nur 9 Prozent der Befragten zeigen sich mit seiner Arbeit vollkommen zufrieden, 41 Prozent sind eher zufrieden. Die Hälfte aller Teilnehmer ganz oder eher unzufrieden.

Tiefstwert für Parmelin

Die schlechteste Bewertung haben der SVP-Bundesrat Guy Parmelin (3,5) und Ignazio Cassis (3,64) von der FDP erhalten. «Cassis hatte von Anfang an einen schweren Stand bei den Linksparteien», sagt Wasserfallen. Dagegen falle das Verdikt bei Ueli Maurer (SVP/3,9) und Simonetta Sommaruga (SP/3,82) vergleichsweise mild aus. Bemerkenswert ist für Politologe Wasserfallen die 4,14 für Alain Berset: «Für einen SP-Bundesrat ist das eine sehr gute Bewertung.»

Aktuell sind die beiden neuen Bundesrätinnen bei der Bevölkerung also klar beliebter als ihre Kollegen. Es wird sich aber noch zeigen, ob sie ihre guten Bewertungen auf Dauer halten können. So, wie es zum Beispiel Viola Amherds Vorgängerin Doris Leuthard (CVP) über Jahre hinweg geschafft hat.

Erstellt: 31.05.2019, 06:17 Uhr

Artikel zum Thema

Bundesrätinnen empfangen 30 junge Frauen

Zum Weltfrauentag waren engagierte Schülerinnen auf Besuch im Bundeshaus. In den Städten gab es Märsche und teils ausgefallene Aktionen. Mehr...

Ruhegehalt für Bundesräte bleibt, Frauenquote kommt nicht

Der Nationalrat tastet die Pension zurückgetretener Regierungsmitglieder nicht an. Auch die Vertretung der Geschlechter wird nicht rechtlich geregelt. Mehr...

Kommentatoren freuen sich über zwei Frauen

Die Bundesversammlung hat erstmals zwei Bundesrätinnen gleichzeitig gewählt. Was das für die Schweiz bedeutet, versuchen die Zeitungskommentatoren zu erklären. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Abo

Abo Digital - 26 CHF im Monat

Den Tages-Anzeiger unbeschränkt digital lesen, inkl. ePaper. Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Gross-Demo: Mit Schutzmaske und Schwimmbrille schützt sich ein Demonstrant vor einem Tränengas-Angriff der Polizei in Hong Kong am Sonntagabend. (21. Juli 2019)
(Bild: Getty Images / Ivan Abreu) Mehr...