Die Ostschweiz muss ihre Expo-Träume begraben

Die Idee hat die Bevölkerung nicht überzeugt: Planungskredite für das Projekt Expo2027 wurden sowohl in Thurgau als auch in St. Gallen abgelehnt.

«Wir habe das Volk falsch eingeschätzt»: Die Thurgauer Regierungsrätin Carmen Haag (Mitte) mit St. Galler Regierungsrat Benedikt Würth (r.) und Landammann von Appenzell Ausserrhoden Marianne Koller-Bohl (l.) bei einer Pressekonferenz der Trägerkantone. (24. April 2015)

«Wir habe das Volk falsch eingeschätzt»: Die Thurgauer Regierungsrätin Carmen Haag (Mitte) mit St. Galler Regierungsrat Benedikt Würth (r.) und Landammann von Appenzell Ausserrhoden Marianne Koller-Bohl (l.) bei einer Pressekonferenz der Trägerkantone. (24. April 2015) Bild: Eddy Risch/Keystone

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Die Ostschweiz muss ihre Träume von einer eigenen Landesausstellung begraben: Sowohl die Thurgauer als auch die St. Galler Stimmberechtigten lehnten die Planungskredite von 3 respektive 5 Millionen Franken für die Expo2027 ab.

51'708 Stimmberechtigte sagten Ja, 78'517 stimmten Nein. Gut 60 Prozent der St. Gallerinnen und St. Galler sprachen sich somit gegen den Planungskredit für eine Machbarkeitsstudie und ein Bewerbungsdossier für die Expo2027 aus. Einzig Rorschach und Mörschwil stimmten knapp zu, mit rund 500 Stimmen verpasste die Vorlage in der Stadt St. Gallen eine Mehrheit. Die Stimmbeteiligung betrug 42,5 Prozent.

Beide Kantone benötigt

Im Kanton Thurgau sagten 30'812 Stimmberechtigte Ja zum Expo-Planungskredit, 35'357 stimmten dagegen. Der Nein-Stimmenanteil betrug 53,4 Prozent. 14 von 80 Gemeinden stimmten dem Kredit zu, darunter Frauenfeld, Romanshorn, Kesswil und Hefenhofen. Die Stimmbeteiligung lag bei 41,1 Prozent.

Die Planung einer Landesausstellung zwischen Bodensee und Säntis wäre nur weitergegangen, falls die Stimmberechtigten beider Kantone zustimmt hätten. Eine Machbarkeitsstudie sollte zeigen, ob die nächste Landesausstellung in der Ostschweiz durchgeführt werden kann, und wie viel sie die Gastgeberkantone kosten würde. 2019 hätte es in den Trägerkantonen zu Volksabstimmungen über die eigentliche Expo2027 kommen sollen.

Nicht zeitgemäss

Appenzell Ausserrhoden hatte seinen Anteil von 800'000 Franken an der Machbarkeitsstudie von insgesamt 8,8 Millionen Franken bereits bewilligt. St. Gallen und Thurgau unterstellten ihre Kreditbeschlüsse von 5 respektive 3 Millionen Franken der Volksabstimmung.

Die Kantonsregierungen, Parlamente und die meisten Parteien befürworteten die Expo als Chance für die Ostschweiz. Während die Thurgauer SVP, aus deren Reihen die Idee einer Ostschweizer Expo stammt, das Projekt begrüsste, kämpfte die St. Galler SVP dagegen an. Die Gegner kritisierten die geschätzten Kosten von bis zu zwei Milliarden Franken. Zudem sei eine Landesausstellung nicht mehr zeitgemäss und würde nur umweltschädigenden Massentourismus fördern.

Volk falsch eingeschätzt

Nach dem Nein des Volkes zu den Planungskrediten werde das Projekt nun beendet und die Kantone werden die Projektorganisation auflösen, wie es in einer gemeinsamen Mitteilung der Trägerkantone vom Sonntag heisst. Die Expo2027 wäre eine grosse Chance gewesen, sagte die Thurgauer Regierungsrätin Carmen Haag, Präsidentin des politischen Steuerungsausschusses, auf Anfrage. «Wir habe das Volk falsch eingeschätzt», sagte sie weiter. Die schweigende Mehrheit sei trotz des grossen Engagements der Befürworter nicht erreicht worden.

Ausserdem sei es nicht gelungen, die Idee einer Landesausstellung in der Ostschweiz zu transportieren. «Vielleicht ist die Idee, 133 Jahre nach der ersten Durchführung, wirklich nicht mehr zeitgemäss», so Haag. Immerhin habe die Diskussion um eine Expo2027 einzelne Regionen im Kanton Thurgau zusammengeschweisst.

«Expedition27»

Die Expo2027 sollte zur abenteuerlichen Reise in die Landschaft werden: in die Berge, in die Stadt, an den See. «Expedition27» nannte das siegreiche Zürcher Team seinen Konzeptvorschlag, der die Wettbewerbsjury am meisten überzeugte.

Für die Hügel- und Gebirgslandschaft des Appenzellerlands sah das Siegerprojekt eine Reihe dezentraler «Tanzböden» vor. Zentraler Ort in der Stadtlandschaft sollten der St. Galler Stadtteil Winkeln werden, ein Agglomerationsraum mit Fussballstadion, Einkaufszentren, Industrie, Militärgelände und Grünflächen. Der Bodenseehafen Romanshorn sollte zum primären Standort am Ufer werden. Von dort aus hätte sich ein durchgehender Uferweg bis zum Flughafen Altenrhein ziehen sollen.

(mch/sda)

Erstellt: 05.06.2016, 16:01 Uhr

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