Die P-26-Akten gehören allen

Die Vorgänge im Dunstkreis der Geheimarmee irritieren.

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28 Jahre ist es her, dass die Schweizer Geheimtruppe P 26 aufgeflogen ist. Doch bis heute ereignen sich in ihrem Dunstkreis seltsame Dinge.

Zum Beispiel in Bern: Am Samstag machte Tagesanzeiger.ch/Newsnet publik, dass im Verteidigungsdepartement (VBS) geheime Dokumente über die P 26 verschwunden sind. 1991 hielt das VBS diese Akten für derart heikel, dass es sie nicht dem Bundesarchiv anvertraute, sondern selber archivierte. Nun sind sie verschollen.

Zum Beispiel in Gstaad: Im November hat ein privater Verein ein P-26-Museum eröffnet. Ziel der Betreiber ist es, die längst aufgelöste Truppe politisch zu rehabilitieren. Dafür haben sie laut eigenen Angaben auch geheime Dokumente erhalten. Die Öffentlichkeit darf das Museum aber nicht besichtigen.

Der P 26 fehlten die Rechtsgrundlage, die demokratische Legitimation und eine politische Kontrolle.

Diese Vorgänge irritieren. Das Bekanntwerden der P 26 ist für die Schweiz ein Schlüsselereignis des 20. Jahrhunderts. Das definitive Urteil der Geschichte ist noch nicht gefällt. In den 90er-Jahren wurden die ehemaligen Mitglieder regelrecht verteufelt und als potenzielle Putschisten dargestellt, in den meisten Fällen wohl zu Unrecht. Heute schlägt das Pendel auf die andere Seite aus: Ex-Mitglieder und ihre Supporter versuchen nicht nur, die damaligen Kämpfer zu legitimieren, sondern auch die Organisation als solche. Eine Parallelarmee darf es in einem Rechtsstaat aber nie geben. Der P 26 fehlten die Rechtsgrundlage, die demokratische Legitimation und eine politische Kontrolle.

Wo die Wahrheit zwischen Verteufelung und Heiligsprechung der P 26 liegt, müssen Historiker weiter untersuchen. Es darf darum nicht sein, dass das VBS wichtige Akten verschlampt oder gezielt vernichtet. VBS-Chef Guy Parmelin hat diese Altlast von seinen Vorgängern geerbt. Doch er muss nun Ordnung schaffen – unter Kontrolle der Geschäftsprüfungsdelegation des Parlaments. Zuerst müssen jene Akten, die noch vorhanden sind, gesichert werden. Dann muss Parmelin sie dort abliefern, wo sie hingehören: nicht im VBS-Schredderraum, nicht in der Kontrolle von Privaten, sondern im Bundesarchiv. Zuhanden aller interessierten Schweizer. Zuhanden künftiger Generationen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.02.2018, 20:52 Uhr

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