Die Pensionskassen sollen grün investieren

Die Klima-Allianz will Pensionskassen der öffentlichen Hand dazu bringen, aus fossilen Geldanlagen auszusteigen. Als erste ist die Pensionskasse des Bundes an der Reihe.

Was, wenn die Pensionskassen nur noch in nachhaltige Anlagen investieren würden? Windpark beim Nufenen. Foto: Keystone

Was, wenn die Pensionskassen nur noch in nachhaltige Anlagen investieren würden? Windpark beim Nufenen. Foto: Keystone

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Bei der Publica indessen ist man über die Aktion der Klima-Allianz irritiert: «Wir und verschiedene Kandidaten sind doch etwas befremdet über dieses Vorgehen. Zielführend ist es nicht», sagt Direktor Dieter Stohler. Erstens hätten viele Versicherte ihre Wahl bereits getroffen und die Stimme abgegeben. Zweitens sei das Kandidatenprofil der Klima-Allianz einseitig: Publica habe die Aufgabe, die berufliche Vorsorge auf nachhaltige Weise durchzuführen. Dabei müssten viele Aspekte beachtet werden, nicht nur die Anlagestrategie. Stohler weist zudem darauf hin, dass die Delegierten nicht für die Anlagepolitik zuständig seien. Die Einflussnahme erfolge nur indirekt, indem die Delegierten alle vier Jahre die acht Arbeitnehmervertreter der 16-köpfigen Kassenkommission wählen. Das ist jenes Gremium, das für die Anlagestrategie verantwortlich ist.

Es ist ein Novum in der Geschichte der Publica, der Pensionskasse des Bundes: Erstmals können die gut 63'500 Versicherten per E-Voting jene Kandidaten wählen, die ihre Interessen vertreten. Am 27. November findet die Erneuerungswahl für die 80-köpfige Delegiertenversammlung statt. Das will sich die Klima-Allianz Schweiz zunutze machen. Der Verbund aus 67 Parteien und Organisationen, darunter WWF, Heks und Helvetas, versucht, die Zusammensetzung der Delegierten mitzubestimmen.

Sein Ziel: über die Delegierten Einfluss auf die Investitionspolitik der Kasse zu nehmen. Die Klima-Allianz will die Pensionskassen dazu bringen, ihre Investitionen in fossile Geldanlagen zu beenden. Hintergrund ist die sogenannte Kohlenstoffblase: Die in Paris beschlossene Klimapolitik lässt sich nur umsetzen, wenn ein Grossteil der fossilen Brennstoffe, die noch im Boden sind, nicht verbrannt wird. Sollten Öl-, Gas- und Kohlefirmen diese Reserven nicht mehr verwenden dürfen, schrumpft ihr Kapitalwert. Darum seien viele Energiekonzerne, gemessen an den globalen Klimazielen, stark überbewertet, argumentiert die Klima-Allianz. So besteht ihrer Ansicht nach die Gefahr, dass die Blase platzt – was das Ersparte der Versicherten gefährden würde.

Einfluss auf 36 Milliarden

Geht der Plan der Klima-Allianz auf und gewinnt sie eine Mehrheit der Delegierten für ihr Anliegen, hat sie indirekt Einfluss auf eine Bilanzsumme von 36,5 Milliarden Franken. Gut 2 Prozent des Portfolios hat die Kasse in fossilen Geldanlagen investiert, also rund 750 Millionen. Im Mai hat die Publica zwar beschlossen, Kohleproduzenten auszuschliessen. Sie investiert jedoch weiterhin in Konzerne aus dem Öl- und Gassektor.

Die Chancen stehen nicht schlecht, dass die Delegierten das Geld der Versicherten einmal klimafreundlicher anlegen: Die Klima-Allianz hat die 142 Kandidaten für die Delegiertenversammlung befragt, wie sie Anlagen in fossile Energieträger gegenüberstehen, mehr als 40 Prozent haben geantwortet. Das Resultat: Rund 85 Prozent von ihnen taxieren den Klimawandel als einen Faktor, der bei der langfristigen Sicherung der Renten berücksichtigt werden muss. Weitere 70 Prozent sind der Ansicht, dass die Publica jene Anlagen in fossile Energiefirmen, die nicht zu einem auf erneuerbare Energien ausgerichteten Geschäftsmodell übergegangen sind, innert fünf Jahren abstossen soll.

Die Publica war nur der Anfang

Die Klima-Allianz zeigt sich von der Kritik unbeeindruckt. «Unsere Wahlempfehlung hilft jenen Versicherten, die sichere Renten und Klimaschutz verbinden wollen», sagt Geschäftsleiter Christian Lüthi. Der hohe Rücklauf der Umfrage zeige, dass der Ausstieg aus den fossilen Anlagen ein wichtiges Thema in der Delegiertenversammlung sein werde. Heute Freitag wird die Klima-Allianz am Sitz der Publica in Bern ihre Wahlempfehlung veröffentlichen.

Das war jedoch erst der Anfang. Ermutigt durch die Rückmeldungen der Kandidierenden, will die Klima-Allianz ihre neue Strategie künftig auch auf weitere Pensionskassen der öffentlichen Hand ausdehnen.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.11.2016, 19:33 Uhr

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