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Die Politik des Raumklimas

Schwitzenden Senioren in Altersheimen kann man pragmatisch helfen, ohne Klimaziele zu gefährden.

Das Schwitzen in den Altersheimen ist kein Klimaproblem, sondern ein Raumklimaproblem. Bild: Keystone
Das Schwitzen in den Altersheimen ist kein Klimaproblem, sondern ein Raumklimaproblem. Bild: Keystone

Die schwitzenden Senioren in den Zürcher Altersheimen sind ein kleines Problem, das in einem grossen versteckt ist. Es geht darum, wie man den körperlich anfälligen Heimbewohnern bei extremer Hitze helfen kann. Und es ist lösbar. Das grosse Problem dagegen ist ungelöst: das Klimaproblem. Während viele angesichts der überwältigenden Aufgabe sprachlos geworden sind, hat zur Hitze in den Zürcher Altersheimen fast jeder etwas zu sagen. Zahllose Leser meldeten sich in den vergangenen Tagen, Ärzte, Politiker, sogar ein Stadtrat. Wenn Worte einen kühlenden Effekt hätten: Die Senioren würden inzwischen frösteln.

Das eigentlich Bemerkenswerte an der Debatte war jedoch das, was nicht gesagt wurde: Kaum jemand äusserte Fundamentalkritik an der städtischen Klimapolitik mit ihrem 2000-Watt-Ziel. Trotz Empörungsmodus haben es alle geschafft, das kleine und das grosse Problem zu trennen. Das ist nicht selbstverständlich. Aber diesmal hält sich sogar die Zürcher SVP zurück, auch wenn ihr lockerer Umgang mit Ausrufezeichen darüber hinwegtäuscht: «Senioren leiden lassen für linke Ideologie!» Auf Normallautstärke reduziert, heisst das nur: Der links-grün dominierte Stadtrat hält sich zu starr an übergeordnete Ziele. So fordert die SVP nicht etwa eine Kehrtwende in der Klimapolitik, sondern ganz konkret, dass man mobile Kühlgeräte zur Soforthilfe anschaffen müsse.

Das ist fast schon ein Bekenntnis zum 2000-Watt-Ziel. Auf jeden Fall findet sich die SVP damit mitten im Konsens, der da lautet: Die Stadt soll in den wenigen schlecht isolierten Heimen im Notfall aushelfen, indem sie Aufenthaltsräume künstlich kühlt. Man muss beipflichten. Das Schwitzen in den Altersheimen ist kein Klimaproblem, sondern ein Raumklimaproblem. Eines, das sich mit unbürokratischem Handeln leicht lösen liesse. Wenn Stadtrat und Verwaltung stattdessen im Hitzesommer erst mal eine Studie machen und aufs nächste Jahr vertrösten, möchte man ihnen das Gegenteil eines Kühlgeräts empfehlen: etwas menschliche Wärme, die ihnen die kühle technische Rationalität austreibt.

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