«Die Protestwähler geben uns kaum eine Stimme»

CVP-Nationalrätin Kathy Riklin äussert leise Kritik am Vorgehen des Parteipräsidenten Gerhard Pfister und spricht über das schlechte Abschneiden bei den kantonalen Wahlen.

«Wir haben bereits ein Profil»: Nationalrätin Kathy Riklin im Nationalrat in Bern. (9. Juni 2016)

«Wir haben bereits ein Profil»: Nationalrätin Kathy Riklin im Nationalrat in Bern. (9. Juni 2016) Bild: Lukas Lehmann/Keystone

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Frau Riklin, für CVP-Präsident Gerhard Pfister ist die aktuelle Wertedebatte ein wichtiges Thema der Partei. Teilen Sie diese Meinung?
Werte zu haben und zu vertreten, ist gut und wichtig. Daran müssen wir festhalten. Ich weiss aber nicht, ob es hilfreich ist, darüber eine breite Debatte zu führen. Eine solche wird immer dann schwierig, wenn einzelne Religionen betroffen sind: Manche fühlen sich in eine Ecke gedrängt, andere Leute denken ideologisch und zücken ihre Schubladenfächer, in die sie die Menschen stecken.

Provoziert Gerhard Pfister mit dieser Debatte also solche extremen Reaktionen?
Er ist ein belesener Mensch und macht es gut. Wenn man aber einzelne Sätze von ihm aus dem Zusammenhang reisst, wie die Medien das tun, und dann deswegen die CVP zerzaust, tut mir das weh. Man sollte lieber über das Verhalten der Menschen reden statt darüber, welcher Religion sie angehören.

Von dieser Debatte erhofft sich die CVP ein schärferes Profil.
Wir haben bereits ein Profil. Wir sind eine Familienpartei, aber nicht nur: Wir setzen uns für Kultur, Bildung und gesicherte Renten ein, soeben haben wir im Parlament geschlossen gegen Kürzungen bei der Entwicklungshilfe gestimmt. Nur nimmt das niemand wahr.

Woran liegt das?
Im Moment findet eine Polarisierung statt. Das Thema der Migration bestimmt die politische Agenda, was den Parteien an den Rändern nützt. Bei diesem Thema können die Parteien in der Mitte, die um Lösungen bemüht sind und Brücken bauen wollen, nicht punkten.

Hat die CVP deshalb auch bei den kantonalen Wahlen Sitze verloren?
Was wir in Bern machen, hat Einfluss darauf, wie wir in den Kantonen wahrgenommen werden. Zudem gibt es in der Mitte zu viele Parteien, die sich die Wähler teilen müssen. Die Protestwähler, die zunehmen, geben uns kaum eine Stimme, und unsere Stammwähler, die bei den Wahlen ganze CVP-Listen einwerfen, werden immer älter.

Gibt es für Ihre Partei überhaupt noch Potenzial zu wachsen?
Wir müssen besser vermitteln, wofür wir stehen: Nachhaltigkeit, also der Respekt vor der Schöpfung – auch wenn das ein altertümliches Wort ist –, ist uns wichtig. Wir stehen zur sozialen Marktwirtschaft und sind nicht nur katholisch, wie das viele meinen, sondern für alle offen, die sich den christlichen Werten verbunden fühlen.

Erstellt: 29.10.2016, 17:08 Uhr

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