«Die Schweiz bietet einen Kommunikationskanal an»

Der frühere Botschafter Tim Guldimann über die Rolle der Schweiz im Konflikt zwischen dem Iran und den USA.

Tim Guldimann vertrat von 1999 bis 2004 als Schweizer Botschafter im Iran dort auch die amerikanischen Interessen. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Tim Guldimann vertrat von 1999 bis 2004 als Schweizer Botschafter im Iran dort auch die amerikanischen Interessen. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

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Nach der gezielten Tötung Soleimanis durch die USA wurde der Schweizer Botschafter in Teheran vom Iran bereits zum zweiten Mal diese Woche einbestellt. Was bedeutet dies für die Schweiz?
Die Schweiz übernimmt im Iran die Interessenvertretung für die USA. Die Iraner wollten den Amerikanern etwas mitteilen, das ist im Rahmen dieser Interessenvertretung ein ganz normaler Vorgang. Die Schweiz bietet einen Kommunikationskanal an, der von beiden Seiten benutzt werden kann. Dies ist eine ständige Tätigkeit der Schweiz, die effizient und diskret erfolgt. Die Schweiz hat dabei aber nicht die Rolle einer Vermittlerin, das wird fälschlicherweise immer wieder so interpretiert.

Die Schweiz hat nur die Rolle einer Briefträgerin?
Ja, der Unterschied zur Post besteht darin, dass die Post den Inhalt eines Briefes nicht sieht, die diplomatischen Schweizer Briefträger jedoch die zu übermittelnde Nachricht kennen. Aber mit Vermittlung hat dies nichts zu tun. 

Bei einer kriegerischen Eskalation «ändert sich grundsätzlich nichts».

Falls es zu einer kriegerischen Eskalation zwischen dem Iran und den USA kommt, ändert dies etwas an der Schweizer Rolle? 
Es ändert sich grundsätzlich nichts. Die Schweiz bleibt in der Rolle der Briefträgerin. Möglicherweise reden beide Seiten auch weiterhin über den Schweizer Kommunikationskanal miteinander. Dies muss aber noch nicht bedeuten, dass es eine positive Entwicklung im Konflikt zwischen den USA und dem Iran gibt. 

Falls es zum direkten Krieg zwischen dem Iran und den USA kommt, wäre dann der Schweizer Botschafter wegen der Interessenvertretung für die USA für die Iraner eine Persona non grata und müsste mit einer Ausweisung rechnen?
Nein, dann wäre die Funktion der Interessenvertretung durch die Schweiz noch wichtiger. 

Anfang Dezember kam es im Flughafen Zürich zu einem Gefangenenaustausch zwischen den USA und dem Iran. Hat da die Schweiz auch nicht vermittelt?
Ich weiss es nicht, es ist nicht ausgeschlossen, aber auf jeden Fall war die Schweiz bei diesem Austausch behilflich. 

Aber könnte die Schweiz nun zwischen den USA und dem Iran vermitteln?
Eine Schweizer Vermittlung zwischen dem Iran und den USA ist nicht ausgeschlossen. Aber dann müsste zuerst die Idee eines Vermittlungsvorschlags vorhanden sein. Nur zu sagen, man wolle vermitteln, reicht nicht. 

Tim Guldimann war von 1999 bis 2004 Schweizer Botschafter im Iran, von 2010 bis 2015 in Deutschland. Von Oktober 2015 bis März 2018 sass er für die SP im Nationalrat. Er lebt mit seiner Familie in Berlin.

Erstellt: 03.01.2020, 20:05 Uhr

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