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Die Schweiz ist im Cyber-Rückstand

Statt sich auf eine Strategie zu einigen, debattieren Bund und Kantone seit Jahren um Zuständigkeiten.

Bedürfnis nach Privatsphäre: Der TOR-Browser ermöglicht das anonyme Surfen im Netz. Bild: Getty Images
Bedürfnis nach Privatsphäre: Der TOR-Browser ermöglicht das anonyme Surfen im Netz. Bild: Getty Images

Man kommt ins Grübeln, wenn die Darknet-Drogenlieferung so einfach funktioniert wie ein Onlinebuchshop. Schnell, zuverlässig, ohne jede Intervention des Rechtsstaats.

Anonymität ist der Schlüssel. Nur dank ihr konnten ultralibertäre Marktplätze entstehen, wo (fast) alles erhältlich ist: Waffen, Medikamente, harte Pornos und auch Drogen. Schweizer Dealer haben so ein ertragreiches Geschäftsfeld entdeckt.

Gleichzeitig ist der TOR-Browser – das Programm, das anonymes Surfen und den Zugang zum Darknet ermöglicht – immer breiter akzeptiert. Jedes enthüllte NSA-Abhörprogramm, jede Zensurmeldung aus China und jede undichte Facebook-Datenbank unterstreicht die Legitimität des Bedürfnisses nach Privatsphäre. Auch in Ermittlerkreisen ist immer weniger Widerstand gegen die Software zu hören. Der Schweizer Nachrichtendienst nutzt das Programm längst selbst.

Ermittler übernahmen Onlinemarktplatz

Die Justiz muss sich also ­damit abfinden, dass Werkzeuge wie TOR oder anonyme E-Mail-Dienste nicht verschwinden. Das bedingt die Einsicht, dass die Dienste von Polizisten in ­Zukunft weniger auf der Strasse gefragt sein werden – dafür mehr und mehr an der Tastatur. In den Niederlanden übernahmen Ermittler heimlich den Darknet-Marktplatz Hansa und identifizierten Tausende Drogen- und Schadprogrammkäufe, bevor sie die Plattform stilllegten.

Ob das hierzulande auch geklappt hätte? Die Schweiz ist im Cyber-Rückstand, obwohl sie als Finanzplatz und Standort von internationalen Organisationen ein wichtiges Ziel für ­digitale Attacken aller ist. Statt sich auf eine Strategie zu einigen, debattieren Bund und Kantone seit Jahren um Zuständigkeiten – um die Frage, wer was darf und wer wofür bezahlt. Das sendet drei falsche Signale:

  • Erstens an Hacking-Opfer, die mit einer Strafanzeige auf den Posten gehen und dort nur ein Schulterzucken erhalten.
  • Zweitens an IT-Spezialisten, die sich denken: lieber nicht zum Staat, da dauert es Jahre, bis irgendjemand irgendetwas entscheidet.
  • Und drittens an Darknet-Händler, die ihre Pakete vorerst weiterverschicken können. Schnell und zuverlässig.

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