Die Schweiz soll kein Raubbauholz importieren

Die Einfuhr von Raubbauholz ist hierzulande erlaubt. Das erschwert der Schweizer Holzbranche Exporte in EU-Länder. Nun zeichnet sich im Parlament eine Lösung ab.

Holz aus Schweizer Wäldern kann ohne grossen Aufwand in die EU eingeführt werden: Forstarbeiten in Bad Ragaz (SG). Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Holz aus Schweizer Wäldern kann ohne grossen Aufwand in die EU eingeführt werden: Forstarbeiten in Bad Ragaz (SG). Foto: Gian Ehrenzeller (Keystone)

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

In vielen Weltregionen fallen Wälder im grossen Stil illegaler Rodung zum Opfer. Nicht so hierzulande, wo die Waldnutzung strengen Regeln unterliegt. Gleichwohl setzt die EU Holz und Holzprodukte, die sie aus der Schweiz einführt, dem gleichen Verdacht zweifelhafter Herkunft aus wie zum Beispiel Holz aus dem Kongobecken in Afrika, wo Raubbau weitverbreitet ist.

Der Grund: In der Schweiz gibt es kein Verbot für den Handel mit Holz aus illegalen Quellen. Es besteht seit 2012 einzig eine Deklarationspflicht zur Holzart und -herkunft. Die EU dagegen verbietet seit 2013 den Handel mit Holz aus illegalen Quellen. Die europäische Holzhandelsverordnung (EUTR) schreibt ausdrücklich eine Prüfung der Legalität von Holz aus Quellen ausserhalb der EU vor. Als Akteure, die Holz im EU-Markt erstmalig einführen, sind die Importeure verpflichtet, bei Holz aus Drittstaaten nachzuweisen, dass dieses aus legaler Herkunft stammt.

«Die Anwendung dieser Sorgfaltspflichtregelung bringt aber einen grossen administrativen Aufwand für die Importeure mit sich», sagt Christoph Starck, Direktor des Dachverbands der Schweizer Wald- und Holzwirtschaft (Lignum). Dies gelte vor allem für jenes Holz und jene Holzprodukte, die aus der Schweiz in die EU exportiert werden, aber nicht aus Schweizer Wäldern stammen, wie Starck ausführt. «Nicht sehr aufwendig» sei das Prozedere dagegen für Holz aus Schweizer Wäldern oder für jene Produkte, die ausschliesslich mit Schweizer Holz gefertigt seien.

Die Branche hat es also mit einem Handelshemmnis zu tun – und zwar einem mit Folgen, wie Lignum mit Verweis auf die Statistik festhält: 95 Prozent der Schweizer Holzexporte gehen in EU-Staaten. Zwischen 2011 und 2016 sind die hiesigen Holzexporte sowohl in ihrer Menge (– 22 Prozent) als auch in ihrem Wert (– 35 Prozent) stark geschrumpft. Besonders betroffen sind laut Lignum Exporteure von Furnierholz, aber auch im Export tätige Hersteller von Möbeln und Möbelbestandteilen. Verschärfend hinzu kommt, dass die Branche ohnehin schon unter der billiger produzierenden Konkurrenz im Ausland leidet, erst recht seit der Aufgabe des Euro-Franken-Mindestkurses 2015, der laut Lignum eine «existenzbedrohliche Dimension» habe. «Die Betriebe verarbeiten zwar hohe Mengen, aber zu erbärmlichen Preisen», so Starck.

Bessere Zeiten

Nun aber darf die Holzbranche auf bessere Zeiten hoffen. Zumindest für das skizzierte Handelshemmnis zeichnet sich im Parlament eine Lösung ab. Treiber sind Nationalrätin und Lignum-Präsidentin Silvia Flückiger sowie Ständerat Peter Föhn, Verwaltungsratspräsident einer Möbelfabrik im Muotatal. In der Herbstsession haben die beiden SVP-Politiker zwei gleich lautende Motionen eingereicht. Der Bundesrat, so fordern sie, soll eine EUTR-identische Regelung schaffen, die den Import von Holz aus illegalem Holzschlag untersagt und so «unnötige» Handelshemmnisse ausräumt. So lasse sich vermeiden, dass die hiesige Holzbranche weitere Marktanteile verliere.

Wie Nachfragen im Parlament zeigen, geniesst der Vorstoss von links bis rechts Unterstützung. «Handelshemmnisse sind abzubauen», sagt etwa FDP-Nationalrat Peter Schilliger. Trotz inhaltlicher Übereinstimmung: Mehrere Parlamentarier platzieren einen Seitenhieb an die Adresse der SVP. Es sei so erstaunlich wie entlarvend, dass just Exponenten der SVP eine EU-Kompatibilität ein­forderten.

Genugtuung bei den Grünen

Der breite Support für das Anliegen kommt nicht überraschend. Im Parlament bestand schon vor einigen Jahren der Konsens, dass die Schweizer Holzdeklarationspflicht an die EUTR angeglichen werden soll. Diskutiert wurde dieser Punkt damals im Rahmen der Revision des Umweltschutzgesetzes – einer Vorlage also, die der Bundesrat der Volksinitiative «Grüne Wirtschaft» als Gegenvorschlag gegenüberstellen wollte. Doch das Parlament schmetterte vor zwei Jahren nicht nur die von den Grünen lancierte Volksinitiative ab, sondern auch den Gegenvorschlag – und damit das Anliegen der Holzbranche.

Dass nun zumindest ein Puzzlestein des Gegenvorschlags wieder aufs Tapet kommt, nehmen die Grünen mit Genugtuung zur Kenntnis. Es sei schön, zu sehen, sagt Nationalrat Bastien Girod, wie im bürgerlichen Lager die Erkenntnis wachse, dass Elemente der versenkten Vorlage für die Wirtschaft sinnvoll seien. Lignum selber hofft, dass auch die Bundesverwaltung das Problem erkenne und Hand biete für eine rasch realisierbare Lösung des Problems, wie sie Flückigers und Föhns Vorstoss fordere.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.11.2017, 22:35 Uhr

Artikel zum Thema

Holzbranche empört sich über SBB

Hintergrund Vertreter der Holzindustrie kritisieren, dass die SBB Holzschwellen für ihre Geleise in Polen kaufen. Die Bundesbahnen würden falsche Gründe für den Auftrag vorschieben und die hiesigen Unternehmen schwächen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

TA Marktplatz

Die Welt in Bildern

Hauslieferung: Der Weihnachtsbaum wird direkt zur First Lady Melania Trump und ihrem Sohn Barron Trump ins Weisse Haus geliefert. (20.November 2017)
(Bild: Carlos Barria) Mehr...