«Die Schweizer Milizmentalität ist der Lufthansa absolut fremd»

Swiss-Piloten erhalten nur noch 80 Prozent des Salärs, wenn sie ab 42 Jahren weiterhin für die Schweizer Armee fliegen wollen. Das kommt schlecht an.

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Beat Neuenschwander ist ehemaliger Planungschef der Schweizer Luftstreitkräfte. Als er in der Jahrespublikation der Luftwaffe schnuppert, stösst ihm ein Artikel im Magazin sauer auf. Neuenschwander vernimmt, dass ein Swiss-Pilot nicht mehr den ganzen Lohn erhält, wenn dieser als Milizpilot fürs Militär fliegt – ab dem vollendeten 42. Lebensjahr bezahlt ihm die Swiss nur 80 Prozent des Salärs. «Somit kostet mich der Militärdienst einen Teil des Einkommens. Ich bin aber trotzdem leidenschaftlich dabei», wird der Mann zitiert. Der Pilot fliegt Passagierflugzeuge wie den Airbus A330 und A340, wie die Online-Ausgabe der «Aargauer Zeitung» weiss.

«Aufgebracht greift Ex-Luftwaffenkader Neuenschwander nach der Lektüre selber in die Tasten und kritisiert die deutsche Muttergesellschaft der Swiss in einer Kolumne für das Aviatikmagazin ‹Cockpit› scharf», schreibt www.aargauerzeitung.ch weiter. «Die Schweizer Milizmentalität ist der Lufthansa absolut fremd», kritisiert der ehemalige Militärpilot.

Wo bleibt die Swissness?

Neuenschwander ärgert sich zudem über die Lufthansa, weil «bei der Swiss die Swissness meist nur noch vordergründig ist». In der Vergangenheit habe die Swissair den Lohnausfall über die obligatorische Dienstzeit hinaus zu 100 Prozent bezahlt. In der Geschäftsführung seien damals noch etliche Militärpiloten gesessen. Das Verständnis von internationalen Geschäftsführern für das Schweizer System habe abgenommen.

Es erstaunt nicht, dass Neuenschwander wieder die alten Verhältnisse unter der Ägide von Swissair fordert und dass die Swiss ihren Milizlern den Lohn künftig wieder vollumfänglich erstattet. Ein Linienpilot profitiere von seinen Erfahrungen bei der Armee, der Know-how-Transfer zahle sich aus. Milizpiloten machen einen Grossteil der Militärflieger aus.

Die Antwort der Fluggesellschaft

Swiss-Sprecherin Karin Müller sieht die Angelegenheit anders. Sie bestätigte zwar gegenüber der «Aargauer Zeitung», dass die Piloten der Airline nach Vollendung des 42. Altersjahres den militärbedingten Lohnausfall nicht mehr vollumfänglich bezahlt bekommen. Diese Regelung sei aber nicht neu, sondern existiere je nach Flugzeugflotte seit dem Jahr 2007 und sei so in den Gesamtarbeitsverträgen festgehalten. «Hierbei geht es nicht um Sparmassnahmen, dies ist eine gängige Praxis in der Schweiz, welche die gesetzlichen Vorschriften vollumfänglich berücksichtigt.» Indem die Swiss ihren Piloten auch über die obligatorische Dienstzeit hinaus eine Tätigkeit für die Luftwaffe ermögliche, leiste sie «einen substanziellen Beitrag ans schweizerische Milizsystem».

Armee-Sprecher Christoph Brunner will bei diesem Thema kein zusätzliches Öl ins Feuer giessen. Das Thema sei bekannt. Es handle sich um eine Angelegenheit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, äussert er sich gegenüber der Zeitung. Das Verhältnis zwischen der Swiss und der Armee beschreibt Brunner als «gut».

(fal)

Erstellt: 24.08.2016, 12:03 Uhr

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