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Die Schweizer sind ein Volk von Schmugglern

Die Grenzwächter haben im vergangenen Jahr deutlich mehr Ware konfisziert als 2009. Autofahrer wollten Vogelspinnen, Automotoren oder Drogen in die Schweiz einführen. Der Renner ist aber Frischfleisch.

Genaue Kontrolle: Grenzwächter durchsucht an der Grenze einen Kofferraum.
Genaue Kontrolle: Grenzwächter durchsucht an der Grenze einen Kofferraum.
Keystone

Grenzgänger in der Region Schaffhausen und Thurgau haben letztes Jahr mehr Fleisch, Kleider, Briefmarken, Fahrzeugteile und Tiere geschmuggelt. Die Grenzwachtregion II registrierte eine Zunahme von 38 Prozent.

Nicht nur der Schmuggel hat zugenommen, sondern auch die Zahl der Warenabfertigungen im Reiseverkehr stieg um 25 Prozent. An den Grenzen der Kantone Schaffhausen und Thurgau registrierten die Behörden insgesamt 96'167 Abfertigungen, wie Thomas Zehnder, Kommandant der Grenzwachtregion II vor den Medien sagte.

Grenzgänger schmuggelte Automotor

Renner bei der Schmugglerware sei im vergangenen Jahr Frischfleisch gewesen, sagte Zehnder. Geschmuggelt wurden aber auch Kleider, Briefmarken, Münzen, Bilder und Fahrzeugteile. Versteckt in einem Auto fanden die Zöllner auch einen ganzen Automotor im Wert von über 4000 Franken.

Ob Vogelspinne oder Pferd; geschmuggelt wurden letztes Jahr auch zahlreiche Tiere. 23 Hunde, vier Enten, 148 Vogelspinnen, Katzen, Papageien, Schafe und ein Pferd wurden an den Zollübergängen der Kantone Schaffhausen und Thurgau beschlagnahmt, wie Zehnder sagte.

Gefährliche Partydrogen sichergestellt

2010 deckten die Zollbehörden 150 Fälle von Drogenschmuggel auf. Der grösste Fang synthetischer Drogen war ein 100 Gramm schwerer Klumpen der synthetischen Droge Crystal, welche ein Drogenkurier am Boden seines Autos befestigt hatte.

«Diese Droge, die aussieht wie ein Salzkristall, ist selten und extrem gefährlich», sagte Zehnder. Weil synthetische Drogen nur schwer zu erkennen und die Verbrecherbanden gut organisiert seien, sei die Aufdeckung sehr schwierig, sagte Zehnder. Im Fall des Crystal-Schmuggels habe der Kurier zugegeben, insgesamt ein halbes Kilo der synthetischen Droge geschmuggelt zu haben.

Im Unterboden eines Mietfahrzeuges entdeckten die Grenzwächter in Thayngen SH acht Kilogramm Kokain. In Kreuzlingen fand ein Betäubungsmittelspürhund 720 Gramm Kokain unter dem Rücksitz eines Autos. Drei sogenannte Bodypacker, welche Drogen schmuggeln, indem sie diese in Fingerlingen verpackt schlucken, gingen den Grenzwächtern ins Netz.

Weniger gefälschte Ausweise

Im Gegensatz zum Vorjahr stellten die Mitarbeiter der Grenzwachtregion II 2010 keine «Ausweiskuriere» fest, die gleich mehrere gefälschte Dokumente auf sich trugen. Die Zöllner fanden insgesamt weniger gefälschte Dokumente und etwa gleich viele Waffen wie 2010.

Mit Hilfe des Schengener Informationssystems konnten die Grenzwächter in der Grenzwachtregion II im letzten Jahr 1528 gesuchte Personen anhalten. 125 Fahrzeuge und 479 verlorene oder gestohlene Gegenstände (zum Beispiel Uhren) wurden gefunden. 151 illegale Migranten wurden angehalten, in 17 Fällen wurden die Flüchtlinge von Schleppern über die Grenze geschmuggelt.

Am 1. April 2011 wird die Schweizer Grenzwache neu organisiert. Statt acht hat die Schweiz dann nur noch sieben Grenzwachtregionen. Die Grenzwachtregion II werde neu auch für den Kanton Zürich zuständig sein, sagte Zehnder. Die Zahl der Mitarbeiter steige von 200 auf 250.

Mehr Waren am Autobahnzoll

Der Aufschwung nach der Wirtschaftskrise habe dem Kreuzlinger Autobahnzoll mehr Güterverkehr gebracht, sagte Heinz Suter, Chef des Zollinspektorats Kreuzlingen-Autobahn. Am Autobahnzoll in Kreuzlingen wurden letztes Jahr täglich 1036 Lastwagen abgefertigt. Das sei absoluter Rekord. Insgesamt fuhren letztes Jahr 127'185 Lastwagen in die Schweiz, 134'967 passierten die Grenze Richtung Deutschland.

Allerdings sei die Lastwagenlawine nur halb so gross, wie Kritiker vor der Eröffnung des Zollhofes im Jahr 2000 befürchtet hätten, sagte Suter. Gründe dafür seien, dass die Autobahn zwischen Allenspach und Konstanz noch nicht fertig gebaut sei und dass Kreuzlingen nicht an einer Transit-Achse liege.

SDA/miw

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