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Die Solidarität der Jungen wird strapaziert

Von den Jungen wird wegen der Corona-Krise viel Verzicht verlangt. Derweil sind die Politiker nicht fähig, sich zu einigen.

Keine Disco, kein Konzert, kein Fussball. Jugendliche haben es in Zeiten des Corona-Virus nicht einfach. Und das, obwohl ihnen die Krankheit nicht viel ausmacht. Foto: Urs Jaudas
Keine Disco, kein Konzert, kein Fussball. Jugendliche haben es in Zeiten des Corona-Virus nicht einfach. Und das, obwohl ihnen die Krankheit nicht viel ausmacht. Foto: Urs Jaudas

Es ist bittere Medizin, die Bund und Kantone den Jungen verordnen: Nicht mehr reisen, nicht mehr ans Konzert, nicht mehr an den Fussballmatch, nicht mehr an die Fasnacht und nicht mehr in die Clubs sollen sie gehen. Damit sie sich ja nicht anstecken und das Virus verbreiten können. Das alles gilt längst nicht mehr nur für Veranstaltungen mit über 1000 Besuchern. Das alles gilt, obwohl Menschen unter 50 Jahren selten schwer erkranken. Für sie ist die Krankheit oft harmloser als eine andere Grippe.

Darum, künden die Verantwortlichen gleich präventiv an, wird es in absehbarer Zeit für sie auch keinen Platz mehr in den Spitälern geben. Nicht einmal mehr Corona-Virus-Tests werden bei den Jüngeren eingesetzt. Alles, damit es für die Älteren genügend Kapazitäten gibt. Ab 60 Jahren wird das Virus echt gefährlich – diesen Risikopatienten soll geholfen werden.

Natürlich hat das alles seine Logik. Im Moment verbreiten vor allem junge Leute das Virus. Geschützt werden müssen davor aber vor allem die Älteren. Etwas weniger logisch und eine ziemliche Zumutung für den Solidaritätsgedanken wird das aber dann, wenn derselbe Staat die Zuschauerzahlen seiner Kulturinstitutionen wie dem Opernhaus und klassischen Konzerten mit etwas Schlaumeierei unter die staatlich verordnete Grenze von 1000 Zuschauer drückt und Aufführungen so weiter zulässt. Das obwohl diese sehr oft von über 60-Jährigen besucht werden, jener Bevölkerungsgruppe also, die stark gefährdet ist. Mag sein, dass auch das gerechtfertigt ist, aber die Solidarität der Jungen wird damit arg strapaziert.

Bisher hat die Schweiz die Corona-Krise gut bewältigt, die Behörden in Bern wirken kompetent und ruhig. Auf kantonaler Ebene herrscht allerdings Kakophonie, überall und für jeden gelten andere Regeln und im Zweifelsfall wird lieber gestritten, statt sich für das Gemeinwohl einzusetzen. Solidarität von den Jungen einfordern, und dann können sich die Politiker in den Fünfzigern nicht einmal in der Krise auf gleiche Regeln im gleichen Land einigen, wo bleibt denn da der Respekt vor der Jugend?

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