«Ich will den Takt angeben als Präsident»

Die SVP in Berner Hand: Albert Rösti wird Nachfolger von Toni Brunner. Die Partei hat ihn gewählt. Das sind seine Pläne.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Ins Fernsehen wollte Albert Rösti schon immer. Bereits als Kind bastelte er aus Bananenkisten Fernseher, um darin zu seinem Publikum zu sprechen. «Wir sagten immer: Aus ihm wird einmal ein Pfarrer», erzählte Röstis Bruder in der «Berner Zeitung». Statt Pfarrer ist Rösti nun Präsident der SVP Schweiz geworden. Die Delegierten wählten den 48-jährigen Berner Nationalrat ohne Gegenstimme als Nachfolger von Toni Brunner.

Damit stellt die Berner Sektion 28 Jahre nach Adolf Ogi erstmals wieder den Präsidenten der nationalen Partei. Seit Ogi hat sich die SVP aber fundamental verändert. Die Berner stehen nicht mehr wie damals in Opposition zum Zürcher Flügel, sondern haben sich der Zürcher Linie politisch angepasst. Wer mit dieser Linie Mühe hatte, ist längst zur BDP gegangen.

Mit Rösti schliesse sich der Kreise, sagte Brunner. Wie Ogi stamme auch Rösti aus Kandersteg. Aufgewachsen auf einem Bergbauernhof, sei er den Weg «von der Scholle» zum Universitätsstudium an der ETH gegangen. Sein Gesellenstück habe Rösti im letzten Jahr abgelegt, als er als Wahlkampfleiter für die Deutschschweiz «ein Architekt des SVP-Wahlsiegs» gewesen sei.

Rösti trommelt

Als erste Amtshandlung nach seiner Wahl bot Rösti auf der Bühne ein Schlagzeug-Solo und sagte dann: «Ich will den Takt angeben als Präsident.» Er übernehme eine erfolgreiche Partei und das sei gefährlich, sagte Rösti. «Wir müssen im Erfolg wirklich aufpassen, nicht träge zu werden». Das gelte sowohl für die SVP als auch für die Schweiz als ganzes Land, das im Wohlstand träge zu werden drohe. Er stelle eine «Verhätschelung vieler Nicht-Leistungsbereiter» durch den Staat fest – das reiche vom Sprachkurs für Migranten bis zum Gratisstudium für alle. Er wolle die Freiheit des Bürgers vor staatlicher Bevormundung verteidigen und den EU-Beitritt verhindern; an diesem würden die Verwaltung und ein Teil des Bundesrats «im Hintergrund» arbeiten, sagte Rösti.

«Effizientere Führung»

Rösti wird von drei Vizepräsidenten assistiert. Neu in diese Funktion gewählt wurden Céline Amaudruz (GE) und Thomas Aeschi (ZG; beide neu) sowie Staatsrat Oskar Freysinger (VS; bisher). Aeschi, der im Dezember auch für den Bundesrat kandidiert hatte, sei der «allerfleissigste Parlamentarier», Amaudruz verkörpere in der Parteileitung neu «das weibliche Element», sagte Brunner.

Zusammen mit dem neuen Präsidium gibt sich die SVP ein neues Organigramm. Neu wird die Partei von einem achtköpfigen Parteileitungsausschuss geführt. Diesem gehören neben dem Präsidenten, seinen drei Vizes und dem Fraktionschef drei Zürcher mit besonderen Zuständigkeiten an: Christoph Blocher als Strategieverantwortlicher, Walter Frey als Kommunikationsverantwortlicher und Thomas Matter als Finanzverantwortlicher.

Mit einer schlankeren Struktur will die SVP eine effizientere Führung des Tagesgeschäfts ermöglichen. Man trage damit dem Wachstum der Partei Rechnung, sagte der abtretende Parteipräsident Brunner. In dem neuen Gremium sässen keine Leute «für die Galerie» mehr, sondern nur noch solche, die auch Verantwortung übernähmen.

Gegen den Strom geschwommen

Toni Brunner selber liess in einer – wie er sagte – unvorbereiteten Rede seine achtjährige Amtszeit Revue passieren. Er habe die Partei in einer «turbulenten Zeit» übernommen: Christoph Blocher war als Bundesrat abgewählt worden, die Partei war nicht mehr in der Regierung vertreten, die BDP spaltete sich ab. Heute habe die SVP wieder zwei Vertreter im Bundesrat. Von Eveline Widmer-Schlumpf spreche nach 100 Tagen Ueli Maurer im Finanzdepartement niemand mehr, sagte Brunner. «Sie ist vergessen, wie ein böser Traum.»

Obwohl die SVP in den letzten acht Jahren oft alleine gegen alle anderen gekämpft habe, habe sie viele Erfolge gehabt. Nur dank der SVP nehme die Schweiz die Migrationspolitik wieder selber in die Hand, sagte Brunner. «Wir sind oft gegen den Strom geschwommen, hatten aber stets das Wohl der Schweiz im Auge.»

Nein zu Asylreform und PID

Mit 511 gegen 0 Stimmen beschlossen die Delegierten die Nein-Parole zur Asylrevision. Zur Milchkuhinitiative sagte die Versammlung mit 484 gegen 5 Stimmen Ja. Damit stellt sich die SVP auch gegen ihren eigenen Bundesrat, Finanzminister Ueli Maurer. Bereits am Vortag hatte der Zentralvorstand die Vorlage zur Präimplantationsdiagnostik (PID) mit 36 gegen 23 Stimmen abgelehnt. Die Initiative «Pro Service public» und das Bedingungslose Grundeinkommen lehnt der Zentralvorstand einstimmig ab.

Der neue Bundesrat Guy Parmelin nutzte seinen Auftritt für einen Werbespot für die Armeereform WEA, die in der SVP umstritten ist. Ja, es sei richtig, dass die Armee mit der WEA verkleinert werde, sagte Parmelin. Im Unterschied zu heute könnten sich dank der WEA «aber wieder alle Verbände auf vollständige Ausrüstung verlassen». (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.04.2016, 12:29 Uhr

Artikel zum Thema

Mit Esther und Toni im Wilden Osten

Porträt Esther Friedli, die Freundin von SVP-Präsident Toni Brunner, könnte am Sonntag in die St. Galler Regierung gewählt werden. Ist das revolutionär? Mehr...

Der Mann des Waldes und die Bööggen-Bürdeli

Porträt Der Waldpädagoge Max Brunner bindet zum letzten Mal mit den Zürcher Sekundarschülern die «Bürdeli» für das Sechseläutenfeuer. Mehr...

Die letzten Tage der alten Männer

Toni Brunner, Philipp Müller und Christophe Darbellay erleben ihre letzte ordentliche Session als Parteipräsidenten. Episoden dreier sehr unterschiedlicher Abschiede. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Die Welt in Bildern

Volle Lippen: Indische Künstler verkleiden sich während des Dussehra Fests in Bhopal als Gottheit Hanuman. (19.Oktober 2018)
(Bild: Sanjeev Gupta/EPA) Mehr...