Umfrage zeigt, wer wie abstimmte

Über 14'000 Stimmende haben teilgenommen. Für Grüne und Grünliberale ist das Resultat wenig schmeichelhaft – auch die SVP hatte ein Problem.

Erhielt ausserhalb der SVP kaum Unterstützung: Nationalrat Werner Salzmann, Co-Präsident des Komitees gegen das Waffengesetz.

Erhielt ausserhalb der SVP kaum Unterstützung: Nationalrat Werner Salzmann, Co-Präsident des Komitees gegen das Waffengesetz. Bild: Keystone

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Das neue Waffengesetz fand bis ins rechte politische Lager hinein Unterstützung. Das zeigt die Tamedia-Befragung zum Abstimmungssonntag. Selbst Bürgerinnen und Bürger, die sich als klar bürgerlich einstufen, stimmten mehrheitlich für die Vorlage.

14'670 Personen aus allen Landesteilen haben online an der Befragung teilgenommen. Aus ihren Antworten geht weiter hervor, dass die Anhänger der grossen Parteien den Parolen erstaunlich geschlossen folgten. Mit Ausnahme der SVP hatten alle Parteien die Übernahme der EU-Waffenrichtlinie für die Schweiz unterstützt. Die SVP fand jedoch ausserhalb ihrer Basis kaum Unterstützung. Das spiegelt sich auch im klaren Abstimmungsresultat: 63,7 Prozent nahmen am Sonntag das Gesetz an.

Für die meisten Teilnehmer der Befragung ging es bei der Abstimmung nicht primär um schärfere Vorschriften für Waffenbesitzer, sondern um das Verhältnis der Schweiz zur EU. Bei den Befürwortern war die Furcht vor einem Ausschluss der Schweiz von Schengen/Dublin für die Mehrheit das wichtigste Argument.

Bei den Gegnern kam es für viele prinzipiell nicht infrage, dass die Schweiz EU-Recht übernimmt. Die eigentlichen Verschärfungen des Waffengesetzes wie zum Beispiel im Umgang mit dem Sturmgewehr interessierten wenig.

Normalerweise stimmen Frauen in der Schweiz eher für schärfere Waffengesetze. Bei dieser Vorlage gab es jedoch keinen Unterschied zwischen den Geschlechtern. Sie fand bei allen Altersgruppen und sowohl bei den Bewohnern der Städte und der Agglomerationen als auch auf dem Land klare Mehrheiten.

In den Städten war die Mehrheit jedoch deutlicher als auf dem Land. Das zeigen auch die Abstimmungsergebnisse beim Waffenrecht auf kommunaler Ebene: Die Vorlage wurde in vielen Landgemeinden abgelehnt. Eine Übersicht dazu finden Sie hier.

Grüne und GLP politisieren an Basis vorbei

Anders als beim Waffengesetz war der Widerstand bei der Steuer-AHV-Vorlage politisch breiter abgestützt. Grüne und Grünliberale beschlossen aus unterschiedlichen Gründen die Nein-Parole. Der linke Flügel der SP war ebenso dagegen. Die SVP war gespalten und beschloss darum Stimmfreigabe.

Die SVP lag damit auf der Linie ihrer Wähler. Sie waren je hälftig für und gegen die Vorlage. Anders Grüne und Grünliberale: Deren Wähler stimmten klar für den Deal. Genauso wie die Anhänger der restlichen grossen Parteien.

66,4 Prozent stimmten am Sonntag für die Steuer-AHV-Vorlage. Bezüglich der Gründe für das deutliche Ja lässt sich gemäss der Befragung sagen, dass der AHV-Teil wichtig war. Die Finanzspritze für die AHV wurde oft als wichtigstes Argument für ein Ja genannt. Die Mehrheit der Befürworter störten sich zudem nicht an der Verknüpfung der beiden Themen.

Anders bei den Gegnern: Dort war das Argument vom undemokratischen Kuhhandel klar am wichtigsten. Es wurde im Abstimmungskampf vor allem von den Gegnern aus dem rechten politischen Lager eingebracht. Die Warnung vor Steuergeschenken für Konzerne aus dem linken Lager kamen deutlich weniger gut an.

Interessant für eine Abstimmung zur Altersvorsorge ist zudem, dass es kaum Unterschiede zwischen den Altersgruppen gab. Bei den Befragten im Arbeitsalter stimmte sowohl die Gruppe der U-35 als auch jene der U-50 und U-65 mit jeweils über 60 Prozent für die Vorlage. Bei den Rentnern waren es über 70 Prozent.

Hinweis zur Umfrage: 14'670 Personen aus der ganzen Schweiz haben zwischen dem 17. und 19. Mai online an der Tamedia-Nachbefragung zur eidgenössischen Abstimmung vom Wochenende teilgenommen. Die Umfragen werden in Zusammenarbeit mit der LeeWas GmbH der Politikwissenschaftler Lucas Leemann und Fabio Wasserfallen durchgeführt. Sie gewichten die Umfragedaten nach demografischen, geografischen und politischen Variablen.

Erstellt: 20.05.2019, 11:30 Uhr

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