«Die SVP hat gesamtschweizerisch ein Problem zu wachsen»

Besonders in der Romandie habe die Partei kaum mehr Potenzial, sagt eine neue Studie. Autor und Politologe Georg Lutz erklärt, warum.

Hat wohl nicht den gewünschten Effekt für die SVP: Der Westschweizer Bundesrat Guy Parmelin (links).

Hat wohl nicht den gewünschten Effekt für die SVP: Der Westschweizer Bundesrat Guy Parmelin (links). Bild: Lukas Lehmann/Keystone

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Bei den Wahlen im Oktober kam die SVP in der Deutschschweiz auf einen rekordhohen Wähleranteil von 32,9 Prozent, in der Romandie hingegen erreichte sie nur 21 Prozent. Mithilfe ihres neuen Bundesrats Guy Parmelin will die Partei künftig mehr Westschweizer Wähler mobilisieren. Laut einer neuen Studie dürfte dies aber schwierig werden. Die Analyse der Selects-Daten zu den Wahlen 2015 zeigt, dass nicht die Mobilisierung das Problem ist. Wir haben bei Studienautor Georg Lutz nachgefragt.

Warum ist die SVP in der Romandie unbeliebter als in der Deutschschweiz?
Aus verschiedenen Gründen. Vorderhand gibt es in der Westschweiz einen kleineren Prozentsatz von Leuten, die nationalkonservativ sind. In Genf hat die Partei Konkurrenz vom Mouvement Citoyens Genevois, hinzu kommen Querelen in verschiedenen kantonalen Sektionen wie beispielsweise Neuenburg und Waadt. Ausserdem wird die SVP von den Romands weiterhin als Deutschschweizer Phänomen wahrgenommen. Alle zentralen Exponenten, welche die Partei gross gemacht haben, sind aus der Deutschschweiz: Christoph Blocher, Ueli Maurer, Toni Brunner.

Der Westschweizer SVP-Bundesrat Parmelin kann es laut Ihnen auch nicht richten. Hat er denn gar keinen Einfluss?
Es ist sicher so, dass Guy Parmelin ein bisschen helfen kann. Aber ich glaube, der mögliche Effekt wird sehr bescheiden sein, weil die SVP in der Romandie kein Problem mit der Mobilisierung hat, sondern einfach ein geringeres Wählerpotenzial. Zudem sind die Möglichkeiten eines Bundesrats beschränkt. Er muss sich im Wahlkampf zurückhalten und kann seine Partei nicht entscheidend unterstützen.

Auf welche Weise könnte die Partei an Beliebtheit zulegen?
Neue Wähler gibt es nur in der Mitte. Die Linke hat den linken Rand im Griff, die SVP den rechten. Wenn die Partei Mitte-rechts besser mobilisieren und ihre Wählerbasis verbreitern will, müsste sie moderatere Töne anschlagen.

Wird sie das tun?
Eher nicht, denn es birgt das Risiko, Stammwähler zu vergraulen. Der Reflex der SVP war bisher immer: Wir machen das, was wir immer gemacht haben, weil wir wissen, dass es funktioniert. Das ist das Erfolgsrezept seit fast zwanzig Jahren. Im Zweifelsfall macht sie wieder eine Kampagne gegen Ausländer oder die EU. Das Muster der Partei – Wir gegen die anderen – kann sich theoretisch schon einmal ändern, aber dazu gibt es derzeit wenig Anzeichen.

Also wird die Partei in der Romandie kaum zulegen.
Die SVP hat gesamtschweizerisch ein Problem zu wachsen. Vor vier Jahren hatte sie ja den Traum vom «Sturm aufs Stöckli»; sie dachte, sie könne durchmarschieren und auf 50 Prozent Wähleranteil kommen. Gemäss unserer Studie ist das ein sehr schwieriges Unterfangen, weil die Partei einfach zu stark polarisiert. Natürlich mobilisiert sie dadurch sehr gut, aber das macht es umgekehrt schwieriger, die Wählerbasis zu erweitern. Das ist das Dilemma, in dem die SVP steckt.

Welche Prognose stellen Sie der Partei in den nächsten Wahlen?
Es ist sicher möglich, dass sie noch einmal zulegt. Es muss aber viel zusammenkommen, dass sie wieder so gut mobilisieren kann. Die SVP ist abhängig von der Themenstruktur. Was ihr sicher stark geholfen hat, ist die ganze Flüchtlings- und Ausländerthematik. Bis zu den nächsten Wahlen in drei Jahren kann noch viel passieren. In der momentanen Situation hat die SVP aber eine relativ stabile Wählerschaft.

Erstellt: 19.07.2016, 16:45 Uhr

Georg Lutz: Projektleiter der Schweizer Wahlstudie Selects am Forschungszentrum Sozialwissenschaften FORS in Lausanne sowie Professor für Politikwissenschaft an der Universität Lausanne. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

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