Die SVP ist fest in Berner Hand

Mit viel Emotionen hat die SVP den Stabwechsel von Toni Brunner zu Albert Rösti inszeniert.

«Ich will den Takt angeben»: Albert Rösti, neuer SVP-Parteipräsident. Foto: Lukas Lehmann (Keystone)

«Ich will den Takt angeben»: Albert Rösti, neuer SVP-Parteipräsident. Foto: Lukas Lehmann (Keystone)

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Ins Fernsehen wollte Albert Rösti schon immer. Bereits als Kind bastelte er aus Bananenschachteln Fernseher, um darin zu seinem Publikum zu sprechen. «Wir sagten immer: Aus ihm wird einmal ein Pfarrer», erzählte Röstis Bruder am Freitag in der «Berner Zeitung». Zum fixen Dauergast im Schweizer Fernsehen ist Rösti nun am Samstag definitiv aufge­stiegen. Statt Pfarrer ist er Präsident der SVP Schweiz geworden.

Über 500 SVP-Delegierte wählten den 48-jährigen Berner Nationalrat in Langenthal BE ohne Gegenstimme als Nachfolger von Toni Brunner. Damit stellt die Berner Sektion 28 Jahre nach Adolf Ogi erstmals wieder den Präsidenten der nationalen Partei und besetzt – zusammen mit Fraktionschef Adrian Amstutz – gleich beide Spitzenämter der Partei. Seit Ogi hat sich die SVP aber ­fundamental verändert. Die Berner SVP steht nicht mehr in Opposition zum ­Zürcher Flügel, sondern hat sich ihm längst politisch angepasst.

Mit den Tonangebern mithalten

Als erste Amtshandlung bot Rösti ein Schlagzeugsolo und rief seiner Partei zu: «Ich will den Takt angeben.» Er übernehme eine erfolgreiche Partei, und das sei gefährlich, sagte Rösti. «Wir müssen im Erfolg aufpassen, nicht träge zu werden.» Das gelte sowohl für die SVP als auch für die Schweiz als Land. In seiner Antrittsrede machte er deutlich, dass er die SVP auf bisherigem Kurs halten will. Er will den «schleichenden EU-Beitritt» verhindern, der angeblich droht. Zudem zählt Rösti die Wiedereinführung von Grenzkontrollen, tiefere Abgaben sowie eine starke Armee zu seinen Ziele.

Dank der neuen Stärke der SVP in Regierung und Parlament will Rösti zwar vermehrt in diesen Gremien seine Ziele erreichen. Notfalls werde die SVP aber auch unter ihm zu «allen Mitteln» greifen. Spürbar war Röstis Bemühen, auch rhetorisch mit seinem Amtsvorgänger und den Tonangebern der Partei – namentlich Christoph Blocher und Roger Köppel – mitzuhalten.

Der neue Präsident wird von noch drei statt sieben Vizepräsidenten assistiert, den Nationalratsmitgliedern Céline Amaudruz (GE) und Thomas Aeschi (ZG) sowie dem Staatsrat Oskar Frey­singer (VS). Die SVP gibt sich auch ein neues Organigramm mit einem Parteileitungsausschuss als oberstem Führungsgremium. Diesem gehören neben dem Präsidenten, den Vizes und dem Fraktionschef drei Zürcher mit besonderem Portefeuille an: Christoph Blocher als Strategieverantwortlicher, Walter Frey als Kommunikationsverantwortlicher und Thomas Matter als Finanzverantwortlicher.

Der scheidende Präsident wurde mit viel Emotionen verabschiedet. Die Hochs und Tiefs seiner Amtszeit liess Brunner selber Revue passieren. Er habe die Partei in einer «turbulenten Zeit» übernommen: Blocher war als Bundesrat abgewählt worden, die BDP spaltete sich ab. Heute hingegen habe die SVP sogar wieder zwei Bundesräte. Und von BDP-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf spreche niemand mehr, meinte Brunner. «Sie ist vergessen, als wäre sie nie da gewesen. Wie ein böser Traum.»

Erstellt: 24.04.2016, 20:36 Uhr

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