Die SVP will mit Köppel das Klimathema verzwergen

Nach dem Wahlfiasko setzt die Zürcher SVP für die Ständeratswahlen auf den EU-Kritiker. Er soll die Wende herbeiführen.

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Nun soll es also Nationalrat und Verleger Roger Köppel für die Zürcher SVP richten. Der Vorschlag des Parteivorstands, verabschiedet am Tag zwei nach der Bruchlandung bei den Zürcher Kantonsratswahlen, spiegelt die komplizierte Realität der Partei.

In einem halben Jahr sind nationale Wahlen – und die SVP hat die Hauptprobe in Zürich gründlich verpatzt. Ihre Themen, die so etwas wie das Schmiermittel des sagenhaften Aufstiegs der Partei waren, bewegen die Wähler aktuell kaum. Gegen die EU, gegen das Fremde, für die Heimat – und das mit dem grösstmöglichen Furor: Diese Rezeptur hat die SVP national von knapp 12 (1991) auf einen Wähleranteil von knapp 30 Prozent (2015) katapultiert. Und jetzt: Europa, Zuwanderung, Ausländerkriminalität – zieht alles nicht mehr.

Es geht darum, einen Schaukampf unter grösstmöglicher öffentlicher Anteilnahme aufzuführen.

Was tun? Nach dem Willen der SVP soll der Zürcher Ständeratswahlkampf zur Bühne werden, auf der sich die Wende zum Guten vollzieht. Dass ihr Kandidat gegen die amtierenden Ruedi Noser (FDP) und Daniel Jositsch (SP) praktisch chancenlos ist, ist unerheblich. Es geht vielmehr darum, einen Schaukampf unter grösstmöglicher öffentlicher Anteilnahme aufzuführen. Dazu eignen sich nach SVP-Ansicht die Ständeratswahlen. Die Hoffnung der Partei: Indem mit Roger Köppel die Galionsfigur der EU-Kritiker im Flutlicht des Ständerats­rennens die Leibthemen der Partei durchdekliniert, wird sich das unselige Klimathema verzwergen lassen. Köppel füllt die Säle, er ist laut und unzimperlich – ihm traut die SVP-Spitze zu, dass er das Europa- und das Zuwanderungsthema in die öffent­liche Debatte zurückzuholen vermag.

Die Erfahrung lehrt freilich: Themen, welche die Menschen kalt lassen, lassen sich nicht so einfach erhitzen. Um das Europathema auf- und das Klimathema abzuwerten, braucht es nicht nur rhetorische Petarden, sondern eine andere politische Grosswetterlage. Wohl deshalb hat Roger Köppel schon einmal vorsorglich Plan B aktiviert. Er zieht neuerdings nicht nur gegen die EU, sondern im Duktus der einstigen Autopartei auch gegen die angebliche Klimahysterie ins Feld.

Erstellt: 27.03.2019, 06:52 Uhr

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