Die USA kontrollieren unsere Luftwaffe

Die Schweizer Armee ist in empfindlichen Bereichen abhängig von den USA. Die Navigationstechnik funktioniert etwa nur mit einem NSA-Code.

Die Programme der Schweizer Kampfjets werden unter strengster Geheimhaltung in den USA aktualisiert: F/A-18-Jets auf dem Flugplatz Buochs NW. (Archivbild / 14.5.2014)

Die Programme der Schweizer Kampfjets werden unter strengster Geheimhaltung in den USA aktualisiert: F/A-18-Jets auf dem Flugplatz Buochs NW. (Archivbild / 14.5.2014) Bild: Urs Flüeler/Keystone

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Um ihre Ziele auf den Zentimeter genau treffen, brauchen Kampfjets ein sehr genaues Navigationssystem. Das Schweizer Militär setzt dabei auf ein GPS-System, das die USA weiterentwickelt haben und somit auch kontrollieren. Dieses militärische Navi ist genauer und störungsresistenter als das zivile, das im Strassenverkehr genutzt wird. Es funktioniert jedoch nur mit einem vom US-Geheimdienst NSA gelieferten Code, wie die «Nordwestschweiz» berichtet.

In der Schweiz sind unter anderem F/A-18-Kampfjets und Helikopter wie Super-Puma, Cougar und Eurocopter mit dem Super-Navi ausgerüstet, zeigen Recherchen der Zeitung, die von der Schweizer Luftwaffe bestätigt wurden. Die Technik ist verschlüsselt, einmal pro Woche erhalten die Nutzer von der NSA den sogenannten P-Code. Ohne diesen wäre das System noch einsetzbar, aber nicht mehr so genau, heisst es bei der Luftwaffe auf Anfrage der «Nordwestschweiz». Die meisten Armeen westlicher Länder arbeiten mit dem US-GPS.

Auch die von der Schweiz genutzte Lenkwaffe Amraam stammt aus den USA. Deren Programmierung wird dort aktualisiert. Schweizer Personal ist dabei nicht zugelassen. Welchen Quellcode die Amerikaner verwenden, bleibt geheim. So soll gesichert werden, dass von den USA exportierte Waffen niemals gegen sie eingesetzt werden können, sagt ein Nato-Experte. Ein früherer Kampfpilot sagt zur «Nordwestschweiz», technisch sei es denkbar, dass die USA ein Verfallsdatum einbauen. Auch die Lenkwaffe per Funksignal zu stören und deren Flugbahn zu beeinflussen, wäre möglich.

Ebenfalls in den USA werden die Schweizer Kampfjets alle zwei bis vier Jahre neu programmiert. Auch dabei sei in den entscheidenden Momenten kein Schweizer Personal erlaubt.

Während des Irak-Kriegs ab 2003 tauchten Gerüchte auf, dass die Schweiz ein Überflugsverbot für die US-Luftwaffe aus technischen Gründen gar nicht durchsetzen könne. Der damalige Bundesrat Samuel Schmid verneinte dies. (ij)

Erstellt: 13.08.2015, 12:08 Uhr

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