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«Die Westschweiz hat ein Problem mit dem Strafvollzug»

Ein verurteilter Vergewaltiger darf alleine mit einer Frau ausgehen und ein Messer kaufen. Pierre Ruetschi, Chefredaktor der «Tribune de Genève», sieht im Fall Adeline ein welsches Systemproblem.

«Es ist kaum vorstellbar, dass jetzt nicht konkrete Massnahmen ergriffen werden»: Pierre Ruetschi, Chefredaktor der «Tribune de Genève».
«Es ist kaum vorstellbar, dass jetzt nicht konkrete Massnahmen ergriffen werden»: Pierre Ruetschi, Chefredaktor der «Tribune de Genève».

Herr Ruetschi, die Fälle Adeline und Marie, Gefängnisausbrüche und überfüllte Haftanstalten: Was läuft schief im Strafvollzug in der Romandie? Mit dem Strafvollzug hat nicht nur Genf, sondern die ganze Westschweiz ein Problem. Experten sind der Meinung, dass in der Romandie die Distanz zwischen der psychiatrischen Behandlung und den Gefängnisbehörden zu gross ist: Ärzte und Therapeuten gäben wegen des Arztgeheimnisses Informationen unzureichend an die Haftanstalten weiter. In der Deutschschweiz funktioniert dieser Austausch besser. Dieser Missstand zeigt sich auch im Fall Adeline: Eine französische Psychiaterin hatte im Prozess gegen Fabrice A. ausgesagt, dass er sehr gefährlich sei. Im Gefängnis Champ-Dollon kannte man dieses Gutachten offenbar nicht. Mit diesem Wissen hätte man ihn kaum alleine mit einer Frau gelassen. Besonders schockierend ist zudem, dass es vor Adeline bereits mehrere ähnliche Fälle gab. Dass daraus keine Konsequenzen gezogen wurden, ist unglaublich.

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