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Die Wiederkehr des Verschütteten

Das Munitionsdepot Mitholz belegt: Die Schweiz hat ein massives Entsorgungsproblem. Und zwar seit langem.

MeinungJean-Martin Büttner
Ungeborgenes schlummert hinter diesen Toren: 3500 Tonnen schwere Munition. Eingang zur Militäranlage Mitholz. Foto: Raphael Moser
Ungeborgenes schlummert hinter diesen Toren: 3500 Tonnen schwere Munition. Eingang zur Militäranlage Mitholz. Foto: Raphael Moser

Was im Zweiten Weltkrieg zur Verteidigung der Schweiz angelegt worden war, erweist sich immer stärker als eine Bedrohung für sie. Ein ungeborgenes, 1947 von einer Explosion verschüttetes Munitionsdepot bei Mitholz im Kandertal bleibt eine dermassen grosse Gefahr, dass es geräumt oder vollständig zugeschüttet werden muss. Es liegen 3500 Tonnen von Fliegerbomben, Minen, Artillerie­munition, Handgranaten und Treib­ladungspulver im Fels.

Die Bergung soll weit über eine Milliarde kosten, alleine die Vorbereitung darauf wird zehn Jahre dauern. Dabei wissen die Fachleute nicht einmal, was sie mit dem Material machen sollen. Früher schüttete man Hunderte von Tonnen Munition in einen See oder sprengte sie vor Ort. Beides geht heute nicht mehr. Zu Recht.

So holt uns die Vergangenheit wieder einmal ein. Dass die Schweiz 1940 nicht wissen konnte, wie der Krieg ausgehen würde, lässt sich nachvollziehen. Weit mehr irritiert, dass sie so lange brauchte, um die Explosionsgefahr bei Mitholz zu erkennen. Und zu realisieren, dass sie die lokale Bevölkerung umquartieren muss, weil sie nur so ihren Schutz garantieren kann.

Das Munitionsdepot von Mitholz wirkt in seinen Dimensionen extrem. Dabei passierte es immer wieder, dass in der Schweiz Entscheide getroffen wurden ohne Gedanken an die ­Folgen. So geschah es mit den unzähligen Sondermülldeponien, so geschah es mit dem krebsfördernden Asbest, und so geschieht es mit der Endlagerung von Atommüll; sie ist bis heute ­ungelöst.

Als die Schweiz ihre Munition bunkerte, dachte sie militärisch und nicht ökologisch – auch das ist historisch nachvollziehbar. Aber genau so, wie eine moderne Armee bei Umweltkatastrophen weit mehr nützte als mit ­Phantom-Manövern gegen einen imaginären Feind, muss sich das Land bei jeder Deponie, jedem Materiallager und jedem Grossbau überlegen, ob die Nachhaltigkeit gegeben ist. Sonst stehen unsere Nachkommen morgen vor dem Heute wie wir heute vor dem Gestern.

Bis in die Wohnstuben flogen massive Felsbrocken durch die Wucht der Explosionen.
Bis in die Wohnstuben flogen massive Felsbrocken durch die Wucht der Explosionen.
zvg/Archiv Hansruedi Marti
Die Feuerwehr Kandergrund auf dem Rückweg von den Brandplätzen in Mitholz. Den Schulmeister Hans Wandfluh erkennt man ganz rechts im grauen Mantel.
Die Feuerwehr Kandergrund auf dem Rückweg von den Brandplätzen in Mitholz. Den Schulmeister Hans Wandfluh erkennt man ganz rechts im grauen Mantel.
zvg/Archiv Hansruedi Marti
Ein Bombenangriff zu Friedenszeiten, ein zerstörtes Bauernhaus nach den Explosionen. In der Mitte unter dem Giebel ist noch das Frutiger Wappen zu erkennen.
Ein Bombenangriff zu Friedenszeiten, ein zerstörtes Bauernhaus nach den Explosionen. In der Mitte unter dem Giebel ist noch das Frutiger Wappen zu erkennen.
zvg/Archiv Hansruedi Marti
Herangeeilte Rettungskräfte treffen nach dem Unglück ein.
Herangeeilte Rettungskräfte treffen nach dem Unglück ein.
Photopress-Archiv
Helfer durchsuchen ein durch die Explosion komplett zerstörtes Gebäude.
Helfer durchsuchen ein durch die Explosion komplett zerstörtes Gebäude.
Photopress-Archiv
Durch die Explosionen im Munitionsstollen brach die Felswand in Blausee-Mitholz zusammen.
Durch die Explosionen im Munitionsstollen brach die Felswand in Blausee-Mitholz zusammen.
Photopress-Archiv
Einige der Häuser wurden durch die Wucht der Explosion dem Erdboden gleichgemacht.
Einige der Häuser wurden durch die Wucht der Explosion dem Erdboden gleichgemacht.
Photopress-Archiv
Der Bahnhof wurde ebenfalls zerstört.
Der Bahnhof wurde ebenfalls zerstört.
Photopress-Archiv
Bahnarbeiter und Rettungskräfte bei Aufräumarbeiten.
Bahnarbeiter und Rettungskräfte bei Aufräumarbeiten.
Photopress-Archiv
Warnschilder weisen nach der Explosion auf Blindgänger hin.
Warnschilder weisen nach der Explosion auf Blindgänger hin.
Photopress-Archiv
Zerstörung prägt das Ortsbild.
Zerstörung prägt das Ortsbild.
Photopress-Archiv
Neun Menschen kamen in ihren Häusern um, sieben wurden zum Teil schwer verletzt.
Neun Menschen kamen in ihren Häusern um, sieben wurden zum Teil schwer verletzt.
Photopress-Archiv
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Die Zerstörung 1947 in Mitholz war gross.

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