Der Traum vom «Schweizer Flaggschiff für Raumfahrt»

Der Ruag-Präsident verspricht, trotz Privatisierung inländische Arbeitsplätze zu bewahren. Ob das funktioniert?

«Schweizer Flaggschiff für Luft- und Raumfahrt»: So sieht Ruag-Präsident Remo Lütolf die Zukunft des teilprivatisierten Rüstungskonzerns. (18. März 2019)

«Schweizer Flaggschiff für Luft- und Raumfahrt»: So sieht Ruag-Präsident Remo Lütolf die Zukunft des teilprivatisierten Rüstungskonzerns. (18. März 2019) Bild: Peter Schneider/Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«Wir setzen alles daran, die Schweizer Arbeitsplätze zu erhalten», sagte Ruag-Präsident Remo Lütolf vor den Medien, als er erklärte, wie der Bund den staatlichen Rüstungskonzern zerlegen und teilprivatisieren will.

Klingt gut. Ohnehin: Es leuchtet ein, ein Unternehmen, das mehrheitlich im Ausland operiert und Satellitenverkleidungen oder Rumpfteile des Airbus A320 herstellt, teilweise aus der staatlichen Hoheit zu entlassen.

Nur: Wie passt das zusammen – einerseits privatisieren, also Einfluss abgeben, und andererseits Jobs wahren, also Einfluss ausüben? Lütolf erklärte die Überlegungen am Beispiel des neu geplanten Unternehmens Ruag International, das aus den heutigen Divisionen Raumfahrt und Flugzeugbau bestehen soll. Beide Elemente haben heute je einen kleinen Schweiz-Anteil, aber kombiniert soll dieser so gross sein, dass es Sinn macht, Ruag International aus der Schweiz heraus zu steuern. Auch privatisiert.

Politische Beruhigungspille

Ob das funktioniert, ist aber nicht garantiert. Die Berater von Roland Berger, die der Bund für eine Zweitmeinung anfragte, äusserten sich skeptisch, ob die Synergien gross genug sind, um die Divisionen voll zu verschmelzen. Falls dem nicht so ist, wird der neue Eigner die Teile früher oder später wieder trennen. Und restrukturieren. Wieviel dann vom «Schweizer Flaggschiff für Luft- und Raumfahrt» (Lütolf) wohl übrig wäre?

Bei der Ruag-Munitionsdivision Ammotec – sie soll ebenfalls verkauft werden – ist die Lage ähnlich. Geografisch betrachtet ist sie gar kein Schweizer Unternehmen: Nur 300 von 2200 Angestellten arbeiten im Inland.

Die Ruag wird zerlegt: Werterhaltungsarbeiten am Geschützrohr eines Leopard-Panzers. (Bild: Moritz Hager/Keystone)

Der Bundesrat fordert von einem Käufer die Garantie, dass der Standort Thun erhalten bleibt – aber länger als einige Jahre wird sich kein Investor verpflichten. Wenn die heutige Generation des Maschinenparks abgeschrieben ist, wird der Käufer kühl rechnen. Und womöglich die Produktion in deutsche oder ungarische Ammotec-Fabriken verlagern, wo die Löhne tiefer sind.

Kurz: Das Versprechen des Ruag-Präsidenten ist eine politische Beruhigungspille. Die Wahrheit ist: In Zukunft gilt der Markt.

Erstellt: 18.03.2019, 17:42 Uhr

Artikel zum Thema

Bundesrat will Ruag zerlegen und teilprivatisieren

Die Abteilung Ruag International wird abgestossen. Der Bundesrat stehle sich aus der Verantwortung beim Export von Kriegsmaterial, kritisiert die GsoA. Mehr...

Lohnen sich die Kampfjet-Gegengeschäfte für die Schweiz?

Die Mehrkosten würden sich in Grenzen halten, kommt eine neue Studie zum Schluss. Der Autor steht im Sold der Ruag. Mehr...

Blog

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Blog

Kommentare

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Die Welt in Bildern

In allen Farben: Die Saint Mary's Kathedrale in Sydney erstrahlt in ihrem Weihnachtskleid. (9. Dezember 2019)
(Bild: Steven Saphore) Mehr...