Diese Art von Therapie genügt sicher nicht

Ohne vernünftige Imam-Ausbildung fehlen in der Schweiz Fachleute für die Deradikalisierung.

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Geht von den beiden Syrien-Rückkehrern, denen vor dem Jugendgericht Winterthur gerade der Prozess gemacht wird, noch Gefahr aus? Oder hat sich das Geschwisterpaar erfolgreich deradikalisiert? Abschliessende Antworten darauf gibt es nicht.

Im Gegensatz zu seiner schweigenden Schwester gab der angeklagte Bruder vereinzelt Antworten auf die Fragen des Gerichtsvorsitzenden. Doch als dieser wissen wollte, ob sich der Beschuldigte vorstellen könne, nochmals nach Syrien zu reisen, verweigerte auch der 20-Jährige die Aussage. Das lässt Zweifel daran aufkommen, ob die seit knapp drei Jahren laufenden, höchst kostspieligen Jugend- und Deradikalisierungsmassnahmen bei den beiden Beschuldigten auf fruchtbaren Boden fallen.

Das Zürcher Deradikalisierungsprogramm wird von kompetenten Fachleuten entwickelt und durchgeführt. Doch welche Anreize haben IS-Rückkehrer, sich in einer Therapie zu öffnen, solange sie nicht rechtskräftig verurteilt sind? Was sie erzählen, kann die Justiz jederzeit gegen sie verwenden.

Jihad-Reisende, die überwacht werden, können den Beweis eine erfolgreichen Deradikalisierung gar nicht erbringen.

Hauptschwachpunkt des Programms ist seine einseitig psychosoziale Stossrichtung. Dabei wird die religiöse Verblendung vernachlässigt, die bei Jihad-Reisenden eine wichtige Rolle spielt. Es braucht deshalb islamische Autoritäten, die ernsthafte Zweifel an der Religionsauslegung von IS und al-Qaida säen. Hier hinkt die Schweiz dem Ausland hinterher. Weil es keine vernünftige Imam-Ausbildung gibt, fehlen muslimische Fachleute, denen der Staat die religiöse Deradikalisierung anvertrauen könnte.

Ausserdem überwachen die Sicherheitskräfte gefährliche Personen genau. Einem dieser Gefährder teilten die Behörden zum Beispiel mit, dass er wegen dieser engmaschigen Überwachung gar keine einschlägigen Aktivitäten entfalten könne. «Angesichts dessen (...) kann nicht auf eine tatsächliche Abwendung (...) von einem jihadistischen Umfeld geschlossen werden.» Überwachte Jihad-Reisende können damit den Beweis einer erfolgreichen Deradi­kalisierung gar nicht erbringen.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 03.12.2018, 22:37 Uhr

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