Diese fünf Kampfjets stehen zur Auswahl

Von der Superhornisse bis zum jungen Schweden: Die Schweizer Armee will neue Kampfjets beschaffen – die Kandidaten.

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Die Tarnkappe

Die drei hoch klassifizierten F-35 A, die aus den USA extra nach Payerne geflogen werden, «übernachten» während der 14-tägigen Flug- und Bodenerprobung jeweils nicht in der Schweiz. Um heimliche Ausmessungen zu vermeiden, werden die Jets der fünften Generation jeweils auf den Nato-Militärflugplatz Aviano im Nordosten Italiens überführt. Der F-35 ist das Modernste, was sich derzeit in den Lüften bewegt. Er wird in einer Stückzahl von gegen 3000 die nächsten 30 Jahre gebaut. Der Preis war ursprünglich höher, liegt nun aber mit gut 100 Millionen Franken pro Stück etwa gleichauf mit den Preisen der Konkurrenz.

Negativ ins Gewicht fallen geheime Blackboxen, zu denen nur Befugte aus den USA Zugang haben. Die F-35, eine Art «flying cloud», also eine hoch vernetzte Kommandostation mit vielen Sensoren und unzähligen übermittelten Informationen, wird nur im Verbund mit Lockheed Martin und den USA maximal nutzbar sein. Zu klären wären dabei neutralitätsrechtliche Fragen. Zudem ist es eine Frage der Zeit, bis die Tarnkappentechnik des F-35 durch neue Passivradars infrage gestellt wird.


Die Superhornisse

Block 3 des Riesenvogels verfügt neuerdings über beschränkte Tarnkappen-Eigenschaften. Er ist der heutigen F/A-18 der Schweizer Luftwaffe teilweise ähnlich, was die Umschulung von Piloten vereinfachen dürfte. Es handelt sich um ein ausgereiftes Flugzeug, das in hoher Stückzahl produziert wurde und weiterhin wird. Die Frage stellt sich, wie lange die F/A-18 Super Hornet noch hergestellt wird, das Ende der Einsatzzeit ist absehbar. Mit über 18,4 Meter Länge und einer Spannweite von 13,7 Metern ist die Superhornisse deutlich grösser als die anderen Jets. Befürchtungen, wonach die Super Hornet nicht in die Schweizer Kavernen passten, seien nicht zutreffend, heisst es informell.

Die Abhängigkeit von den USA dürfte bei der Wahl dieses zweifellos guten Mehrzweck-Kampfflugzeugs ebenfalls zum Thema werden. Auch nicht möglich wäre ein «Lärmexport», indem Hersteller Boeing keine nahe gelegenen Trainingsräume zur Verfügung stellen kann. Wie beim F-35 würden wichtige Teile der Ausbildung in den USA stattfinden.


Der Europäer

Die Tranche 3 des Eurofighter bringt gegenüber dem letztes Mal erprobten Typen weitere Verbesserungen. Deutschland wird bezüglich Preis und Gegengeschäften voraussichtlich ein sehr interessantes Angebot machen. Die deutsche Luftwaffe wird demnächst neue Bestellungen aufgeben, was der Schweiz Vorteile beim Preis bringen könnte. Anbieten werden sich wohl Trainingsräume über Ostdeutschland, was den Export von Lärm erlauben würde. Der Riesenkonzern Airbus wird der Wirtschaft zudem wohl höchst attraktive Offsetgeschäfte anbieten können. Überlegungen bestehen auf deutscher Seite auch zu Gegengeschäften, die im politischen Interesse der Schweiz liegen sollen. Worum es sich dabei handelt, ist noch nicht in Erfahrung zu bringen.

Der in Payerne getestete Eurofighter hat noch ein Radar mit mechanisch schwenkbarer Antenne. Ein besserer Radar ist in Entwicklung, wird aber in der laufenden Evaluation noch nicht berücksichtigt. Offen ist, wie lange der Jet noch gebaut wird und welche Folgen ein Brexit auf die Produktion hat.


Der Nachbar

Der Rafale von Dassault hat den letzten Wettbewerb operationell in praktisch allen Punkten gewonnen und wurde seither weiterentwickelt. Eben erst hat Frankreich für den erprobten Mehrzweck-Kampfjet neue Gelder bewilligt, die für die Umsetzung des neuen F-4-Standards verwendet werden. Dieser wird voraussichtlich ab 2024 zur Verfügung stehen. Operationelle Vorteile gegenüber der europäischen Konkurrenz machen Experten vor allem in den Bereichen Aufklärung sowie bei der Bekämpfung von Bodenzielen aus. Offen ist, ob Frankreich auch preislich wieder mithalten kann und will. Bei der letzten Evaluation war der letzte angebotene Verkaufspreis sogar tiefer als beim Gripen.

Voraussichtlich werden die Franzosen – wie bereits letztes Mal – ein attraktives Angebot zur Nutzung nahe gelegener französischer Trainingsräume machen. Eine Nutzung dieses Angebots würde den Übungslärm über der Schweiz deutlich mindern. Wie Eurofighter ist Rafale vierte Generation, und es stellt sich die Frage, was nach Ende der geplanten Produktion ab 2035 geschieht.


Der junge Schwede

Was die Schweden mit ihrem Gripen als vergleichsweise kleiner Hersteller von Saab angesichts übermächtiger Konkurrenz erreichen wollen und teilweise auch erreicht haben, sorgt für Anerkennung. Mit Schweden hätte es die Schweiz ebenfalls mit einem neutralen Herstellerland zu tun. Das einmotorige Mehrzweck-Kampfflugzeug verspricht gegenüber den zweimotorigen zudem Preisvorteile beim Unterhalt. Doch genügt dies angesichts der im Vergleich zu 2014 verschärften Anforderungen seitens der Schweizer Armee?

Mit Spannung warten deshalb die Involvierten von Armasuisse und Luftwaffe sowie Politik und Beobachter auf die Bewährungsprobe des Gripen in Payerne. Haben es die Schweden seit der Ablehnung durchs Schweizer Stimmvolk geschafft, jene Mängel zu beheben, die den Gripen gegenüber dem zu ersetzenden F/A-18 damals in fünf von zehn Punkten durchfallen liessen, darunter auch bei der Aufgabe Luftpolizei? Zwischen dem 25. und dem 28. Juni, während der Luft- und Bodenerprobung durch die Schweiz, wird sich dies zeigen.

Erstellt: 17.05.2019, 17:44 Uhr

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