Diese Mädchen brauchen Schutz

Im Fall der Mädchen, die zur Prostitution gezwungen werden, sollte das Staatssekretariat für Migration seinen Spielraum maximal nutzen und sie schützen.

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Wer wirklich Schutz braucht, bekommt ihn. Wer lediglich ein besseres Leben will, muss zurück. Das ist die Idee des schweizerischen Asylwesens – in der Theorie. Dass die Realität anders aussieht, zeigt der Fall von Mädchen aus Nigeria, die immer zahlreicher auf Schweizer Strassen gesichtet werden, wo sie ihre Dienste als Prostituierte anbieten. Sie werden im Heimatland mit Voodoo-Ritualen auf Gehorsam eingeschworen und nach Europa geschleust, wo Menschenhändler und Zuhälterinnen sie zwingen, fiktive Reiseschulden in horrender Höhe zu begleichen.

Polizisten, Ärzte und Sozialarbeiter kommen kaum an sie heran, weil die Mädchen Angst haben. Doch das Schlimmste: Selbst wenn sie sich öffnen und um Asyl ersuchen, erhalten sie keine Hilfe. Denn sie reisen via Italien ein und werden dort ein erstes Mal registriert.

Die Behörden sollten unter dem politischen Druck die Verhältnismässigkeit wahren.

Das erlaubt es der Schweiz, sie gemäss der Dublin-Verordnung unbürokratisch dorthin zurückzuschicken. Zwar sehen die Dublin-Verordnung und internationale Verträge Einschränkungen vor. Etwa bei besonders verletzlichen Personen oder bei unhaltbaren Zuständen im Erstaufnahmeland. Im Fall von Menschenhandel und Zwangsprostitution greifen diese Einschränkungen aber zu wenig. Die Mädchen müssen zurück nach Italien, wo sie den Menschenhändlern erneut ausgeliefert sind.

Kaum ein Land wendet Dublin so konsequent an wie die Schweiz. Auch sonst lassen die schweizerischen Migrationsbehörden keine Möglichkeit aus, um die Asylzahlen tief zu halten. Denn je weniger Asylgesuche, desto erfolgreicher die Asylpolitik. So werden Gesuche von Eritreern seit einigen Monaten strenger beurteilt, die Gerichte stützen dies.

Man kann sagen, dass die SVP und verwandte politische Kräfte, die das Asylwesen als zu offen kritisieren, Parlament, Verwaltung und Justiz erfolgreich vor sich hertreiben. Sicher ist es richtig, genau hinzuschauen, wer schutzbedürftig ist. Doch die Behörden sollten unter dem politischen Druck die Verhältnismässigkeit wahren. Im Fall der Mädchen, die zur Prostitution gezwungen werden, sollte das Staatssekretariat für Migration seinen Spielraum maximal nutzen und sie schützen.

Erstellt: 21.07.2017, 23:22 Uhr

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