Diese Reinwaschung der P 26 geht zu weit

Der Historiker Titus Meier will das Bild der Geheimtruppe korrigieren. Das gelingt nur dort, wo die Kritik seinerzeit überzeichnet war.

Blick in eine verworrene Vergangenheit: Bunkeranlage der <nobr>P 26</nobr> in Gstaad. Bild: Keystone

Blick in eine verworrene Vergangenheit: Bunkeranlage der P 26 in Gstaad. Bild: Keystone

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Sein Ziel ist hehr. Der Aargauer Historiker Titus Meier hat in siebenjähriger Forschungsarbeit zur P 26 alle zugänglichen Dokumente ausgegraben und mit über hundert Mitgliedern der Geheimtruppe aus dem Kalten Krieg gesprochen. Das hat zu einer ganz anderen Sicht auf die damalige Geheimtruppe geführt, als sie die parlamentarische Untersuchungskommission PUK EMD 1990 hatte.

Das Ergebnis wird den pensionierten Staatsschützern guttun. Noch immer leiden viele von ihnen unter dem Image der P 26. Was haben sie sich nicht alles anhängen lassen müssen: Putschisten, Geheimkrieger, Antidemokraten. Einzelne wagen bis heute noch nicht einmal, ihren Lebenspartnern und engsten Freunden zu sagen, dass sie einst in der Grauzone der Legalität mit dabei waren.

Da kommt das Buch des Historikers Meier, nebenbei Major im Generalstab und FDP-Politiker, zur rechten Zeit. Seine Arbeit hat auch eine durchaus nützliche Seite. Nur wer das Zeitgeschehen von allen Seiten beleuchtet, wird die feinen Konturen erkennen. Viele der damals Beteiligten werden sich nun zum ersten Mal verstanden fühlen. Des Historikers Verständnis geht so weit, dass er sich selber für die Geheimtruppe hätte rekrutieren lassen, wenn er damals alt genug gewesen und angefragt worden wäre.

Hauptkritik kann Meier nicht entschärfen

Meiers Buch korrigiert das bisher gängige Bild der P 26: Die knapp 400 dafür rekrutierten Zivilisten waren laut ihm weder Geheimarmee noch Umstürzler oder gar Verräter. Das macht ihre geplante Tätigkeit im Untergrund, die jederzeit wieder Modell werden könnte, freilich nicht ungefährlich: Denn die P 26 war jeder demokratischen Kontrolle entzogen. Lückenlos informiert über die Geheimorganisation war einzig der Generalstabschef, lückenhaft der Bundesrat, andeutungsweise einzelne Parlamentarier, überhaupt nicht die Öffentlichkeit. Damit hätte diese Widerstandstruppe im Ernstfall keinerlei Abschreckung auf einen potenziellen Besetzer ausgeübt – obwohl gerade das eines ihrer Ziele war.

Und vor allem: Die Hauptkritik der PUK, wonach eine Gesetzesgrundlage für diese Geheimtruppe fehlte und ihre Finanzausgaben getarnt waren, kann Titus Meier nicht entkräften. Er vertritt den Standpunkt, dass dies nach damaliger Rechtsauffassung nicht nötig gewesen sei und das Parlament zu wenig genau hingeschaut habe. Das Argument, wonach diese bürgerliche Geheimtruppe im Konfliktfall auch gegen die linke Opposition im eigenen Land tätig geworden wäre, ist für ihn eine unglaubwürdige Verschwörungstheorie. Stattdessen glaubt er den Beteuerungen der damaligen P-26-Verantwortlichen. Schön, wenn er recht hätte. Aber ganz folgen mag man ihm nicht. Denn im Kalten Krieg wurde der äussere mit dem inneren Feind gleichgesetzt.

Insgesamt zeichnet Meier ein gar zu idyllisches Bild der P 26: einer Frei­willigentruppe engagierter Staatsbürger, einzig dazu da, die Unabhängigkeit der Schweiz unter Extrembedingungen zu schützen, alles streng an der Verfassung orientiert. Zu schön, um wahr zu sein. Aber nützlich genug, um das Bild abzurunden, das die PUK am Ende des Kalten Krieges gezeichnet hat und das in der Aufregung jener Tage die P 26 in einzelnen Köpfen womöglich zu gross machte. So gross wie ähnliche Organisationen in einigen Nato-Ländern, die mit illegalen Aktionen tatsächlich den Rechtsstaat aushebelten.

Erstellt: 22.07.2018, 22:26 Uhr

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