Dieser Stiefel folgt auf den meistgehassten Schuh der Schweiz

Der unbeliebte Kampfstiefel 90 der Schweizer Armee wird ausgemustert. Jetzt kommt der Kampfstiefel 19. Nicht nur die Farbe ist neu.

«Vollledermodelle aus atmungsaktivem Veloursleder»: Dieser neue Kampfstiefel der Schweizer Armee löst den oft verfluchten alten ab. Foto: PD

«Vollledermodelle aus atmungsaktivem Veloursleder»: Dieser neue Kampfstiefel der Schweizer Armee löst den oft verfluchten alten ab. Foto: PD

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Er ist der neue Qualitätsschuh für die Füsse aller Schweizer Soldaten, der Kampfstiefel 19. Besonderes äusseres Merkmal: Er ist braun und eben nicht mehr schwarz wie die Vorgängergenerationen. Der neue Kampfstiefel 19, den die Armasuisse, die Schweizer Rüstungsbeschafferin, selbst entwickelt und in Auftrag gegeben hat, entspricht einer Art Trekkingschuh light. Er ist relativ leicht, natürlich allwettertauglich, und er ist – so versprechen Entwickler und Hersteller – gegenüber dem alten Kampfstiefel 90 bezüglich Abrollwiderstand optimiert.

Lose vergeben

Die Zeiten scheinen damit also endgültig vorbei, als Soldaten die «schweren Böden», die ab den 1990er-Jahren getragen werden mussten, zuerst einfetten und kneten mussten, bis man sie nach langer Leidenszeit überhaupt einigermassen schmerzfrei tragen konnte. Interessant: Genau gleich, wie die letzten Generationen der «kalten Krieger» Ende der 1980er-Jahre über ihr Schuhwerk klagten, beschwerten sich heutige Soldatengenerationen über den Kampfstiefel 90. Sperrig, zu schwer, zu schmerzverursachend sei der Lederstiefel, heisst es. Diesem Schuh, dem wohl meistgehassten im Lande, schlägt nun bald das letzte Stündlein. Ab nächstem Jahr tritt an dessen Stelle der moderne Kampfstiefel 19.

Er hat ausgedient. Der Kampfstiefel 90 wird 2020 ersetzt. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Am 29. Oktober hat die Schweizer Rüstungsbehörde Armasuisse vier Lose für die Produktion des neuen Kampfstiefels 19 vergeben, dessen militärgemässe Abkürzung sinnigerweise «KS19» lautet. Genau betrachtet, beschafft Armasuisse zwei verschiedene Schuhtypen, zum einen den erwähnten Kampfstiefel 19, zum anderen den «Kampfstiefel schwer 19». Letzterer ist ein Kälteschutzschuh.

Armasuisse-Sprecherin Jacqueline Stampfli schwärmt: «Bei beiden Modellen handelt es sich um Vollledermodelle aus atmungsaktivem Veloursleder. Beide besitzen eine Membran und sind in unterschiedlichem Ausmass isoliert, sodass wir zukünftig den Soldaten mit einem Modell für den Winter und einem 3-Jahreszeiten-Modell – Frühjahr/Sommer/Herbst – ausrüsten können.»

Am 29. Oktober gab Armasuisse vier Schuhproduzenten den Zuschlag; unter ihnen finden sich auch die Schweizer Niederlassung der Lowa Schuhe AG in Matten bei Interlaken (35'000 Paar) und Minerva in Pruntrut (75'000 Paar). Daneben bekamen die deutschen Firmen Meindl GmbH und Haix-Schuhe grössere Aufträge. Was die Schuhe kosten, will Armasuisse nicht sagen.

Produktion ausserhalb der Schweiz

Produziert werden die Schuhe – egal, von welcher Firma – allerdings längst nicht mehr in der Schweiz. Das Gewerbe, das solche Grossaufträge ausführen könnte, gibt es hierzulande nicht mehr. Die traditionsreiche jurassische Schuhfabrik Minerva in Pruntrut stellte die Produktion auf Schweizer Boden im Jahr 2008 ein.

Sehr erfreut über den erhaltenen Zuschlag zeigte sich Christoph Gilgen von der Firma Lowa. Die Vergabepraxis von Armasuisse bedeute letztlich ein Bekenntnis zur Schuhproduktion in Europa. Die handgenähten Schuhe von Lowa für die Schweizer Armee würden alle in Lowa-Produktionsbetrieben in Europa hergestellt, sagt Gilgen. Der Zuschlag sichere – was Vertrieb und kleinere Reparaturen anbelange – auch eine gewisse Wertschöpfung in der Schweiz.

Erstellt: 31.10.2019, 15:42 Uhr

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